Freiheitsstatue New York City
Foto: Mark Lennihan/AP/dpa

Die Bedienung im Keller von Marie’s Crisis schwingt sich auf die rote Holzverkleidung vor dem Klavier und streckt lasziv die Beine aus. Das dicht gedrängte Publikum in der legendären Pianobar im West Village jubelt, eine Frau dreht sich zu ihrer Begleitung und sagt: „New York ist zurück, Baby“.

Dreißig Minuten entfernt, auf der anderen Seite des East River, ist die Nacht im Brooklyner Gewerbegebiet weit fortgeschritten, doch die Batterien für die Boxen der DJs halten. Drei Dutzend Menschen tanzen auf der Straße durch wummernde Techno-Bässe. Ein junger Typ steht still und betrachtet die Szene fast ungläubig, aber mit breitem Grinsen. Ein Anderer fragt ihn, was er denn genommen habe, ohne Drogen könne man unmöglich so glücklich aussehen. Der vor über 400 Jahren in Schweden geborene Jonas Bronck ist Namensgeber eines New Yorker Stadtbezirks, der Bronx.

Doch Euphorie ist im heißen New Yorker Sommer 2021 in jedem Geisteszustand angemessen. Die letzten Corona-Restriktionen sind gefallen, in der Weltstadt scheinen ungezügelte Monate angebrochen, die längst mit dem Sommer der Liebe 1967 verglichen werden. Doch die vor wenigen Tagen noch grenzenlos erscheinende Freude wird getrübt – denn die Delta-Variante ist auch in Nordamerika auf dem Vormarsch.

Momentan aber zeigt sich in der Acht-Millionen-Metropole überall das gleiche Bild. Ob bei den Pride-Partys in den Springbrunnen Manhattans, dem Baden zum Sonnenuntergang im East River, Straßen-Barbecues in Harlem, Block-Partys mit Tänzen auf Autodächern in Queens, den vollen Stadtparks oder zwischen Atlantik und Achterbahnen am Strand Coney Island: New Yorks Tage sind heißer und die Nächte lauter, bunter und länger als die Feiernden sich hier erinnern können.

Rückblick auf eine der dunkelsten Stunden der Stadt. Die Bilder, die im Frühjahr 2020 um die Welt gehen, haben sich ins Gedächtnis eingebrannt: Der menschenleere Times Square. Hunderte Kühllaster, die Tausende Leichen aus überfüllten Krankenhäusern abtransportierten. Das anschließende Verscharren der Körper in Massengräbern auf einer Insel vor der Bronx.

Quelle: dpa