Abba
Foto: dpa

Manchmal reicht die Existenz eines Musiklehrers in der Wohnung über einem, um eine weltumspannende Karriere loszutreten. Als Agnetha Fältskog ein kleines, schwedisches Mädchen war, raste sie eines Tages angezogen von unbekannten Klängen zu ihrem Nachbarn Sigvard Andersson hinauf.

„Onkel Sigge“, wie sie ihn nannte, hatte gerade ein Klavier geliefert bekommen. Er zeigte ihr, dass kleine Finger Töne erzeugen können, wenn sie auf bestimmte Tasten drücken. Für die damals fünfjährige Agnetha war das ein magischer Moment – und der Startschuss für ein Leben in der Welt der Musik.

Ihren internationalen Durchbruch feierte die Band durch und nach dem Eurovision Song Contest 1974. „Mymy, at Waterloo Napoleon did surrender“, das riefen ABBA-Mitglieder Agnetha und Frida am Anfang von Waterloo dem Publikum zu.

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„Waterloo“ gewann, die Abba-Maschinerie kam ins Rollen und lieferte mit «SOS», «Mamma Mia», «Fernando» «Dancing Queen», «Money, Money, Money» und «Knowing Me, Knowing You» fortan einen Nummer-eins-Hit nach dem nächsten. Die Band wurde riesengroß, tourte bis nach Australien, versetzte Millionen Menschen in Abba-Hysterie – und Fältskog wünschte sich manchmal, ein weniger großer Star zu sein.

Was folgte, ist eine der großen Popmusik-Geschichten des 20. Jahrhunderts. Agnetha Fältskog wurde Sängerin, verschmolz mit Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid «Frida» Lyngstad zur Kultband Abba und belieferte den Planeten mit Welthits wie «Dancing Queen», «Mamma Mia» und «Super Trouper». Nun wird die blonde Schwedin mit den blauen Augen und der klaren Sopran-Stimme am Sonntag 70 Jahre alt.

Die knallbunte, schillernde Abba-Zeit ist mittlerweile knapp vier Jahrzehnte her. Während ihr Ex-Mann und -Bandkollege Ulvaeus heute noch ein Projekt nach dem anderen am Laufen hat, hat sich Agnetha Fältskog weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Auch ihren Ehrentag werde sie ausschließlich im Privaten verbringen, Interviews gebe es keine, richtete die frühere Abba-Managerin Görel Hanser aus. Nur so viel: «Ihr geht es gut.»

Wer will es ihr nach den aufreibenden Abba-Jahren verübeln. Schon zu aktiven Zeiten wurde Fältskog Schüchternheit und Zurückhaltung nachgesagt, manche sahen darin gar Distanziertheit. «Es muss mir erlaubt sein, so zu sein, wie ich bin», soll Fältskog einmal gesagt haben. Anfang der 80er Jahre erklärte sie in einem offenen Brief: «Ich schütze mein Privatleben, ich tue alles, um es zu beschützen, besonders zum Wohle meiner Kinder.» Sich selbst beschrieb sie später als melancholisch, emotional, romantisch. Und auch etwas ängstlich, etwa vor dem Fliegen. Ihrer Beliebtheit tat das keinen Abbruch.

Quelle: dpa