Bambus
Foto: Franziska Gabbert/dpa

Der Gartenbambus (Fargesia murielae) wird dahingerafft: Ein Großteil der in Deutschland weit verbreiteten Pflanze wird diesen Herbst nicht überleben. Denn der Bambus blüht in diesem Jahr – und muß dann zwangsläufig dran glauben. Gartenfreunde brauchen allerdings nicht zu verzweifeln. Zum einen streut die Pflanze Hunderte von Samen, bevor sie abstirbt, so daß für Nachwuchs gesorgt ist. Zum anderen bietet sich eine Reihe anderer Bambussorten als Alternative an.

Das botanische Phänomen des Massensterbens im Vorgarten ist allerdings auch für Fachleute alles andere als alltäglich. Fargesia murielae trägt nur rund alle 100 Jahre Blüten. «Ein einmaliges Naturphänomen», sagt Peter Ruhnke vom Gartenbauverband in Bonn. Denn derzeit blühen in Neuseeland, den USA und Europa gleichzeitig Bambuspflanzen, die alle sterben werden. Das liegt daran, daß sie ohne Ausnahme von einer Mutterpflanze abstammen, die 1907 von dem Engländer Ernest Wilson aus China nach Boston gebracht wurde. Sämtliche Nachkommen haben dieselben Erbanlagen – und sind damit auch alle auf den gleichen Termin für die Blüte «programmiert».

Der blühende Gartenbambus verliert zusehends an Grün, die Photosynthese wird eingeschränkt, die Pflanze wird strohig braun. Wer das an seinem Bambus beobachtet, muß mit dem baldigen Absterben rechnen. «Beschneiden oder kräftig Düngen helfen da kaum», sagt Wolfgang Eberts vom Bambus-Centrum in Baden-Baden. «Blühen lassen und abwarten», empfiehlt der Experte. Die alten Pflanzen können getrost mit Spaten und Schaufel ausgegraben werden. «Die Wurzelballen auseinanderstechen, die Halme ordentlich kleinschneiden», rät Eberts.

Die Pflanzenteile können dann problemlos als Grünabfälle entsorgt werden. Bambus verrotte zwar etwas langsamer als Holz, nach dem Häckseln sei die Kompostierung aber ohne Schwierigkeiten möglich, so Jürgen Braatz, Mitarbeiter der Stadtreinigung in Hamburg, deren Recyclinghöfe Gartenabfall entgegennehmen. Auch wenn bundesweit zehntausende von Pflanzen sterben werden, sei mit Entsorgungsengpässen nicht zu rechnen. Hobbygärtner können die Bambusreste sogar sinnvoll weiterverwerten: Die Stäbe sind im Garten zu gebrauchen.

Wer Bambus im eigenen Garten kompostieren will, sollte Blätter und Äste so klein wie möglich schneiden und gegebenenfalls häckseln, rät Wolfgang Eberts. Der Bambus stirbt – es lebe der Bambus: Unter den Pflanzen wachsen eine große Zahl von Baby-Bambussen nach – aus Samenkörnern, die kaum ein Drittel so groß sind wie ein Haferkorn. Sobald die Sämlinge rund fünf Zentimeter hoch sind, können sie im Blumentopf auf der Fensterbank gepäppelt werden. Allerdings dauert es dann noch gut sechs bis acht Jahre, bevor der Gartenbambus eine Höhe von etwa 1,50 Meter erreicht hat.

Das Schöne an der Bambusblüte: Während sich die Pflanzen bisher quasi nur durch Zellteilung vermehrt und stets nur identische Nachkommen erzeugt haben, ist nun Abwechslung zu erwarten: «Bei hunderttausenden von Nachkommen sind sogar Mutationen möglich», sagt Eberts. Und das heißt: Unter den neuen Sämlingen können auch Exemplare sein, die ganz anders aussehen als die Mutterpflanze.

Unklug ist es allerdings, jetzt noch einen Gartenbambus zu kaufen. Denn die Gefahr ist zu groß, daß der bald anfängt zu blühen und dann das Zeitliche segnet. Wer unbedingt einen Bambus haben möchte, sollte sich deshalb für andere Sorten entscheiden, rät Eberts. Dazu gehört der Phyllostachys, bisher eher noch ein Geheimtip unter Gartenfreunden. «Der ist ohnehin viel schöner», so der Bambusfachmann, «der hält sich auch im Winter und zeigt viel mehr Grün».

Der Phyllostachys aureosulcata beispielsweise wird bis zu vier Metern hoch und gilt als besonders frosthart. Ebenfalls winterfest ist der Phyllostachys nigra Boryana, der sogar bis zu sechs Metern Höhe wächst. Auch der Gartenbambus wird in diesem Jahr nicht vollständig absterben: Zum einen gibt es bei der Blütephase eine gewisse Spannbreite, so daß manche Pflanzen erst im nächsten Jahr dran sind. Zum anderen gibt es durchaus Exemplare, die nicht von Wilsons Mutterpflanze stammen.

Quelle: dpa