Ampel symbol platzhalter
Foto: dpa/Mohssen Assanimoghaddam

Ampelmännchen, klar. Und SED-Bonzen auf abgesperrten Straßen. Bilder und Erinnerungsfetzen von Ost-Berlin sind häufig von Klischees bestimmt. Eine Ausstellung blickt nun tiefer in den alten Osten der Stadt. Aus ideologischen Gründen musste das 1969 in der DDR eingeführte, heute noch allgegenwärtige Ampelmännchen von rechts nach links laufen. Bei der politischen Ideologie der DDR wirkt das nur logisch.

Für die Nomenklatura war es die „Hauptstadt der DDR“. Mit Blick auf Vor- und Nachgeschichte der deutschen Teilung geht Ost-Berlin jedoch nur als halbe Hauptstadt durch. Im Museum Ephraim-Palais widmet sich nun eine umfassende Ausstellung vor allem dem sozialen und kulturellen Leben des Machtzentrums. „Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt“ wirft von Samstag an einen Blick auch jenseits bekannter Klischees auf das Gegenstück zum anderen Teil der Stadt, dem „freien West-Berlin“. Dabei umfasst die Ausstellung einen Zeitraum von Ende der 60er Jahre bis November 1989.

Museumschef Paul Spies freut sich mit Blick auf den 30. Jahrestag des Mauerfalls im November über den Zeitpunkt der Ausstellung: „Das ist der richtige historische Moment – bevor die Leute erinnerungsmüde sind“. Die Schau dauert auch genau bis zu diesem historischen 9. November, der Dank ostdeutscher Power auf der Straße die Grundlage für die neue Einheit schuf.

Die Ausstellungsmacher gehen dabei auch ironisch mit Klischees oder alter Ost-West-Konfrontation um. Eine Internetseite zur Ausstellung etwa nennt sich OstBlog, ein Wortspiel per Konsonantentausch für die eher abfällige Westbezeichnung der Machtkonstruktion um die damalige UdSSR und die Staaten des Warschauer Paktes. Im Internet ermöglichen interaktive Schiebebilder einen schnellen Vergleich damals gegen heute von bekannten Ost-Ansichten etwa auf Karl-Liebknecht-Straße, Alexanderplatz oder Berliner Dom.

Doch zurück ins Museum: Die Ausstellungsmacher von Stadtmuseum und ZZF haben mehr als 1000 Objekte vor allem aus den 70er und 80er Jahren zusammengetragen. Viele Fotos werfen einen manchmal liebevollen, mitunter auch brutalen Schwarz-Weiß-Blick auf Ost-Berlin. So gibt es Einblicke in den Alltag, VEB-geprägte Werktätigkeiten oder das umfassende kulturelle Leben der Stadt. Zu sehen sind auch jene Straßen, deren Häuser nur bis zur ersten Etage renoviert wurden, weil der eingeschränkte Blick der Staats- und Partei-Elite aus ihren Karossen nicht höher reichte.

Nicht fehlen dürfen die aus dem Osten stammenden Ampelmännchen, heute neben dem Fernsehturm (Ost) und dem Brandenburger Tor (zwar älter, aber auch Ost) wohl das Berlin-Symbol für Heerscharen von Touristen. Für die Ausstellung haben die Kuratoren noch eins der Original-Lichtzeichen aus einem Keller gerettet, das nun über ersten Zeichnungen der Ampelmännchen von Verkehrspsychologe Karl Peglau hängt.

Die Ausstellung will auch „Lust machen auf Ost-Berlin vor Ort“. Da hilft es, dass sich neun von elf Berliner Bezirksmuseen mit ergänzenden Aktionen und Präsentationen am Rahmenprogramm beteiligen.

Quelle: dpa