Dinosaurier Skelett
Foto: Shutterstock/Rafael Trafaniuc

Ein massereicher Himmelskörper kracht mit Urgewalt aus dem All auf die Erde und reißt einen Krater von 100 bis 150 Kilometer Durchmesser in die Oberfläche. Staub und Dreck werden mit Raketengeschwindigkeit in die Luft geschleudert und hüllen im Nu die Erde ein. Das Sonnenlicht ist auf Monate so abgeschirmt, dass eine Katastrophe über das Leben auf der Erde hereinbricht.

Mit dieser Theorie, die die Auslöschung der Dinosaurier und vieler anderer Tierarten vor 65 Millionen Jahren erklärt, erregten 1980 der Nobelpreisträger Luis Alvarez von der Kalifornischen Universität in Berkeley und dessen Sohn Walter, Professor und Geophysiker wie der Vater, erstmals Aufsehen. Die bis zum heutigen Tage heiß umstrittene Annahme fußte auf einem stellenweise sprunghaften Ansteigen des Platinemetalls Iridium in den Bodenablagerungen am Übergang von Erdzeitalter Kreide zum Tertiär (heute Palöogen) – die sogenannte K-T-Grenze oder Kreide-Tertiär-Grenze. Iridium kommt sonst in der Erdkruste sehr selten vor, findet sich jedoch tausendfach reichlicher in außerirdischer Materie.

Theorien, die Katastrophen für das Verschwinden ganzer Tier- und Pflanzenarten verantwortlich machen, gehen bis in das 18. Jahrhundert zurück, als Georges-Louis Leclerc, Graf von Buffon, die Ursache in plötzlichen Veränderungen der Rotationsachse der Erde suchte. Anfang des letzten Jahrhunderts wurde die biblische Sintflut zu einer Lieblingserklärung. Arten die verschwunden waren, galten danach als vorsintflutlich, eben aus der Zeit vor der Sintflut. Nach der Alvarez-These stellt sich für die Erdenbewohner die bange Frage, ob sie eigentlich auf einem sicheren Planeten leben. Wie groß ist wohl heute die Wahrscheinlichkeit, dass der blaue Planet von einem Kometen oder Asteroiden getroffen wird? Die immer noch gesuchte Aufklärung des Dinosaurier-Schicksals könnte darauf eine Antwort bringen.

Die 1980 von Vater und Sohn Alvarez berichteten Iridiumanomalien an der K-T-Grenze (Kreide-Tertiär-Grenze, heute Kreide-Paläogen-Grenze) sind inzwischen bei einer Vielzahl von Stichproben rund um den Globus bestätigt worden. Als Entdeckung von außerordentlicher Bedeutung wurden außerdem Zusammenballungen hochporöser Graphitkohle – sprich Ruß – weltweit in Iridium-Fundorten in der oberen Kreide bewertet. Der Ruß ist offenbar ein Rückstand von Bränden gewaltigen Ausmaßes, die nach Ansicht der beteiligten Forscher unmittelbar nach dem angenommenen Meteoriteneinschlag ausgebrochen sind.

Einen weiteren Hinweis auf einen Himmelskörpereinschlag zu der fraglichen Zeit lieferte das Auffinden von sogenanntem geschockten, durch den Aufschlag deformierten Quarz in den Gesteinsschichten mit Iridiumanomalien. Er fand sich in so reichlicher Menge, dass die Verteilung auf dem Globus kartographiert und die Annahme ausgesprochen werden konnte, der Einschlag müsse sich am Ende der Kreide-Periode im mittleren Nordamerika ereignet haben.

Auf das Ende der Kreidezeit fällt eines der fünf schwersten der geologischen Forschung bekannten Massensterben. In den Jahren 1983 und 1984 stellten David M. Raup und sein Kollege John Sepkowski, Geophysiker und Palönontologen in Chikago, ihre Theorie von der regelmäßigen Wiederkehr des Aussterbens von Arten in der erdgeschichtlichen Vergangenheit auf. Statistiken brachten sie auf einen Zyklus von 26 Millionen Jahren. Walter Alvarez und Richard Muler aus Berkeley errechneten 1983 anhand eines Kraterverzeichnisses eine Periodizität von 28 Millionen Jahren. Planet X oder gar ein Killerstern

Die Theoretiker ließen dann auch nicht lange auf sich warten und boten in den nächsten Monaten gleich drei Versionen als astrophysikalischen Überbau für die vermutete Aussterbeperiodizität an. Danach sollen der seit Jahren in der Nachbarschaft des Neptuns gesuchte Planet X oder der etwa alle 31 bis 33 Millionen Jahre erfolgende Durchgang unseres Sonnensystems durch das Dickicht der Milchstraßenebene Auslöser für Bombardements von Himmelskörpern auf der Erde sein.

Die schärfste Kontroverse löste aber die von mehreren Forschern vorgetragene Theorie von dem nach der griechischen Göttin Nemesis, der Wahrerin der gerechten Strafe, bezeichnete sogenannte Killerstern aus. Nemesis, ein bisher nicht gesichteter Begleitstern der Sonne, soll alle 26 Millionen Jahre in die Nähe des Zentralgestirns kommen und dann aus der am Rande unseres Planetensystems vermuteten Wolke mit Milliarden von Kometen durch seine Schwerkraft einen ganzen Pulk von Schweifsternen herauskatapultieren – einen kleinen Teil davon mit der Möglichkeit verheerender Kollisionen in Richtung Erde.

Der ganze Komplex läßt sich danach in fünf verschiedenen Thesen greifen: Vor 65 Millionen Jahren wurde die Erde von einem großen Meteoriten getroffen und damit zum Grab für Dinosaurier und zahlreiche andere Organismen der oberen Kreide. Eine Reihe von anderen Aussterbeereignissen wurde ebenfalls durch einschlagende massereiche Himmelskörper verursacht. Die bedeutendsten der letzten 250 Millionen Jahre traten im Turnus von 26 bis 30 Millionen Jahren auf. Die Meteoritenkrater weisen in ihren Entstehungszeiten eine annähernd gleiche Periodizität auf, und hinter allem steht ein außerirdisches Phänomen.

Jede dieser Annahmen fand ihre Kritiker, die oft kein gutes Haar daran ließen. Dabei ragen für den Laien besonders der nicht identifizierbare Krater für das Dinosaurierereignis und der bislang nicht gefundene Killerstern heraus. Die Gegner der Theorie meinen, dass es zur Erklärung der Massenvernichtung von Lebensformen auf der Erde nicht eines Einschlags bedürfe und daß auch irdische Prozesse einen plötzlichen Klimaschock mit verheerenden Folgen auslösen könnten.

Quelle: dpa