Foto: dpa/Markus Schreiber
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Der frühere Boxweltmeister Graciano Rocchigiani ist in Italien bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Das bestätigte die mit dem Vorgang befasste Polizei Brandenburg am Dienstag.

Zuerst hatten „B.Z.“ und „Bild“ darüber berichtet. Der 54 Jahre alte Ex-Profi war als Fußgänger von einem Auto überfahren worden, bestätigte Thomas Pütz, der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer. Die italienische Polizei hatte die Brandenburger Kollegen gebeten, die Angehörigen über den Tod zu informieren.

Rocchigiani war Weltmeister im Supermittelgewicht (1988/89) und im Halbschwergewicht (1998 bis 2000). „Er war der talentierteste Boxer in den letzten 30 bis 40 Jahren in Deutschland, vom Talent höher einzuschätzen als Henry Maske“, sagte Box-Promoter Wilfried Sauerland zu Rocchigianis 50. Geburtstag im Jahr 2013. Rocchigiani bestritt in seiner 20-jährigen Profikarriere 49 Kämpfe, 41 davon gewann der Rechtsausleger mit dem harten linken Schlag.

Legendär war die Berliner Schnauze des gebürtigen Duisburgers. Der Sohn eines sardischen Eisenbiegers und einer Berlinerin, der sowohl die Schule als auch seine Lehre als Glas- und Gebäudereiniger abgebrochen hatte, polterte los ohne Rücksicht auf Verluste. „Es gibt kluge und dumme Polen. Und du bist ein dummer Pole“, hatte er einst seinen Gegner Dariusz Michalczewski beschimpft. Verlor er umstritten, befand er: „Allet Beschiss, allet Schweine.“

Sender Sport1 stoppt nach Rocchigianis Tod die Show „The Next Rocky“

Nach dem tödlichen Unfall hat der TV-Sender Sport1 die für diesen Dienstag geplante Folge der Web-Casting-Show gestoppt. „The Next Rocky“ soll Nachwuchstalente entdecken, fördern und bei ihrem Weg in den Ring begleiten. Auf Nachfrage des Branchenportals Meedia.de teilte der Sender mit: „Die heutige Folge der Webserie zu unserer Box-Castingshow ‚Sport1: The Next Rocky‘ wurde ausgeplant. Wie wir mit dem Format weiter verfahren, steht derzeit noch nicht fest.“

Seit dem 18. September lief das Casting-Format zunächst mit bislang vier Folgen auf der Sport1-Webplattform sowie bei YouTube, für Dienstag stand die fünfte Folge an. Gegen Jahresende sollte das Format auch im Fernsehen ausgestrahlt werden.

Sport1-Chefredakteur Dirc Seemann teilte mit: „Wir haben mit großer Bestürzung vom Tod von Graciano Rocchigiani erfahren, der viel zu früh von uns gegangen ist. Graciano war seit Anfang 2018 als meinungsstarker Experte bei unseren Boxübertragungen im Einsatz. Unser ganzes Mitgefühl gilt in dieser schweren Zeit seiner Familie und seinen Freunden.“

Polizei in Sizilien ermittelt zum Tod von Rocchigiani

Die italienische Polizei hat genauere Informationen zum Tod des früheren Boxweltmeisters bekanntgegeben. Er sei am Montagabend in dem Ort Belpasso bei Catania auf Sizilien zu Fuß auf der Straße unterwegs gewesen und von einem Auto erfasst worden, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Der genaue Hergang müsse noch ermittelt werden, unter anderem ob auch Alkohol im Spiel war. Weitere Details wollte der Sprecher nicht nennen.

Laut italienischer Medien war ein deutscher Staatsbürger kurz vor Mitternacht auf der größeren Staatsstraße SS121 unterwegs, bevor er überfahren wurde. Er sei sofort tot gewesen.

Reaktionen zum Tod des Boxers Graciano Rocchigiani

Ex-Boxer Henry Maske im ARD-Magazin Brisant: „Wir hatten Momente in denen man gemerkt hat, dass wir grundverschieden waren. Auf der anderen Seite hatten wir aber eine Ebene, die uns verbunden hat. Wir haben uns immer gegenseitig mit Respekt und einer gewissen Freundschaft begleitet.“

Manager Wilfried Sauerland: „Wir sind bestürzt und fassungslos. Wir trauern um Graciano und sind in Gedanken bei seiner Familie, seinen Kindern und seinen Freunden. Rocky hat nicht nur unseren Boxstall mit seinen Kämpfen geprägt, sondern auch ein großes Publikum mit seinen Kämpfen begeistert. Es hat auch manches Mal zwischen uns gekracht, aber am Ende haben wir immer einen Konsens gefunden.“

Ex-Boxer Axel Schulz beim „Focus“: „Ich kannte drei Seiten von ihm. Den Boxer, den Menschen und den Freund. Alle drei Seiten waren beeindruckend. Ich habe selten so eine ehrliche Haut wie ihn erlebt. Ein toller Typ. Und das Schlimme ist, dass er gerade auf dem Weg der Besserung war, er war wirklich dabei, sein Leben endlich in den Griff zu kriegen.“

Ex-Boxer Dariusz Michalczewski ei „Bild“: „Wir waren anders, aber in gewissen Dingen hatten wir eine gemeinsame Ebene gehabt, in gewissen Dingen waren wir sehr ähnlich. Wir standen 24 Runden im Ring, haben hart um den Sieg gekämpft. Das verbindet und wir entwickelten so Respekt füreinander.“

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin: „Nicht alles glückte ihm im Leben wie im Ring. Dennoch hatten ihn die Berliner ins Herz geschlossen, wegen seiner kantigen, manchmal rauen Art. Wir trauern um einen Boxer mit großem Herz.“

Tennislegende Boris Becker bei Twitter: „Ruhe in Frieden, Graciano Rocchigiani!“

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