Mikuru Suzuki
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Wer an Frauen bei der Darts-WM denkt, dachte bis vor wenigen Jahren unweigerlich an die Walk-on-Girls. Das Bild hat sich stark gewandelt. Immerhin zwei Frauen spielen im Alexandra Palace mit – dank der Quotenplätze. Doch das ist umstritten.

Knappe Kleider, hohe Schuhe und tiefe Ausschnitte. Das waren für viele Fans die prägenden Bilder von Frauen im Londoner Alexandra Palace während der Darts-WM 2018. Eine couragierte Mikuru Suzuki aus Japan, die auf der ganz großen Bühne den ersten Erfolg einer Frau nur haarscharf verpasst und vom Publikum für ihren tapferen Kampf gefeiert wird. Dieses Bild dürfte bei der WM 2020 in den Köpfen bleiben. Denn die Walk-on-Girls sind abgeschafft, stattdessen gehören inzwischen zwei Frauen zum Teilnehmerfeld. Daran gibt es in der von Männern dominierten Darts-Welt ordentlich Kritik.

„Die beiden teilnehmenden Frauen qualifizieren sich über ein Damen-Qualifikationsturnier. Das sind Wildcards. Die Männer müssen sich über das gesamte Jahr für die WM qualifizieren“, bemängelt Darts-Experte Gordon Shumway. Wenn es der Darts-Verband PDC ernst meinen würde, dann würden sie eine reine Frauen-Darts-WM in das Turnier integrieren, meint Shumway. Er erntete im Vorjahr als Kommentator bei Sport1 einen riesigen Shitstorm und verlor seinen Posten, als er ähnliche Ansichten am Mikrofon deutlich äußerte.

Die deutsche Nationalspielerin Irina Armstrong teilt seine Meinung allerdings. „Es ist gut, dass Frauen in dieses Turnier kommen. Aber Frauen brauchen etwas Eigenes.“ Armstrong wurde Europameisterin, mittlerweile spielt die 49-Jährige weniger internationale Turniere. „Ich habe keine Zukunft in Darts gesehen. Ich habe zwei Kinder und muss auch arbeiten und Geld verdienen.“ Für einen ersten Platz bei der Frauen-WM der British Darts Organisation (BDO) bekomme die Siegerin etwa 10 000 Euro. Der Sieger der PDC-WM, wahrscheinlich einer der 94 Männer, wird eine halbe Million Pfund kassieren.

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Die eigene Qualifikation für Frauen findet auch Vincent van der Voort unfair: „Sie haben sich auf dem richtigen Weg zu qualifizieren – und dann können sie spielen. Warum soll es diese Frauen-Plätze geben?“, fragt der Niederländer im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Dabei gibt es auch andere Quali-Turniere: Nicht nur die beste Frau, auch der beste Japaner, der beste Inder oder der beste Deutsche bekommen einen Platz, ohne sich weltweit behaupten zu müssen.

Doch warum haben es Frauen so schwer in der Darts-Welt? Einer der Gründe ist die Struktur, erklärt Michael Sandner, Präsident des Deutschen Dart-Verbandes (DDV). „Wir haben die Professionalisierung bei den Frauen noch nicht so wie bei den Männern und dadurch auch nicht die Masse an Spielern. Durch mehr Masse komme ich eher zu einer Spitze.“ Sandner schätzt den Frauenanteil unter den bundesweit rund 15 000 Aktiven auf unter zehn Prozent.

Körperliche Gründe dafür sieht Elmar Paulke nicht. „Das ist ein Mentalsport, bei dem keine athletischen Unterschiede eine Rolle spielen. Keiner kann beantworten, warum Frauen nicht so gut spielen wie die Männer.“ Für den Darts-Kommentator liegt die Ursache weiter zurück. „Wenn man auf die Geschichte von Darts schaut, hatten es Frauen immer unglaublich schwer, weil man sie sehr spät integriert hat. Ich finde den Plan der PDC gut, dass sie das integrieren. Die eigene Qualifikation wird in ein paar Jahren gar nicht mehr vonnöten sein.“

Shumway sieht das anders. „Es gibt zwischen Männern und Frauen definitiv einen Leistungsunterschied. Frauen können von den Averages nicht mithalten und werfen pro Aufnahme oft zehn bis zwölf Punkte weniger als die Männer.“ Frauen könnten höchstens über eine kleine Strecke mithalten. Ihn nerven aber nicht die Frauen beim Darts, sondern der Umgang des Weltverbandes PDC mit dem Thema. „Das ist scheinheilig“, sagt Shumway.

In London blieb die Suzuki-Sensation nach einem knappen 2:3 gegen James Richardson aus England am späten Sonntagabend nur knapp aus. Auf jeden Fall bis zum Spiel von Fallon Sherrock an diesem Dienstag (20.00 Uhr/Sport1 und DAZN) muss der erste WM-Sieg warten. Paulke ersehnt diesen Moment regelrecht. „Das wäre zumindest mal ein kurzes Highlight, ein Hingucker. Das sagen ja auch alle anderen. Die Männer wissen, dass die Frauen es auch können. Die Frauen bekommen es auf der Bühne noch nicht richtig zusammen. Wenn es einen ersten Sieg gäbe, dann könnte sich mal so ein Knoten lösen.“

Quelle: dpa