Trotz scharfer Proteste aus dem Ausland ist Ringer Navid Afkari im Iran hingerichtet worden. Zuvor hatte die iranische Justiz Kritik an dem Todesurteil zurückgewiesen.

Das Todesurteil gegen den iranischen Ringer Navid Afkari ist am Samstag vollstreckt worden. Der 27-jährige wurde im Gefängnis Adel-Abad in der südiranischen Stadt Schiras hingerichtet, sagte der Leiter der Justizbehörde der Fars Provinz, Kasem Mussawi, dem staatlichen Fernsehen. Nachdem das Urteil auch vom obersten Gerichtshof bestätigt wurde, fand die Hinrichtung in Anwesenheit der Opferfamilie statt, so Mussawi.

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Die iranische Justiz hatte Mittwoch die Kritik im eigenen Land und dem Ausland am Todesurteil gegen Afkari zurückgewiesen. „Viele mischen sich einfach in Angelegenheiten ein, von denen sie weder genaue Informationen haben noch die notwendige juristische Kompetenz besitzen“, sagte Justizsprecher Gholam-Hussein Ismaili. Afkari habe einen unschuldigen Menschen ermordet und das Urteil gegen ihn im Iran laute nicht Todesstrafe, sondern „Ghissas“, so der Sprecher. „Ghissas“ ist im islamischen Recht das Prinzip der Vergeltung, Blutrache oder Auge um Auge, worüber die Familie der Opfer entscheiden können.

Das Internationale Olympische Komitee bezeichnete die Hinrichtung des iranischen Ringers als „sehr traurige Nachricht“. Das IOC sei „geschockt“, hieß es in einer Mitteilung am Samstag. IOC-Präsident Thomas Bach habe zuvor per Brief Gnadengesuche an die politische Führung des Iran gerichtet, auch wenn er die Souveränität des Landes respektiere. Es sei „zutiefst verstörend“, dass alle Proteste von Sportlern und die Bemühungen internationaler Verbände nicht zum Ziel geführt hätten. „Unsere Gedanken sind bei Familie und Freunden von Navid Afkari“, hieß es.

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Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, ist „zutiefst bestürzt“ über die Hinrichtung. Die SPD-Politikerin schrieb am Samstag: „Es ist nicht hinnehmbar, dass rechtsstaatliche Grundsätze ignoriert werden, nur um unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen.“ Der Verein Athleten Deutschland zeigte sich „zutiefst betroffen und schockiert“.

Selbst US-Präsident Donald Trump hatte sich für Afkari auf Twitter eingesetzt:

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Die USA haben die Hinrichtung des iranischen Ringers Navid Afkari mit scharfen Worten verurteilt. „Die Hinrichtung von Navid Afkari durch das iranische Regime ist ein brutaler und grausamer Akt. Wir verurteilen ihn auf das Schärfste“, schrieb US-Außenminister Mike Pompeo am Samstag auf Twitter. „Es ist ein abscheulicher Angriff auf die Menschenwürde, selbst nach den widerwärtigen Maßstäben dieses Regimes. Die Stimmen des iranischen Volks werden nicht zum Schweigen gebracht werden.“ Pompeo schrieb weiter, man trauere gemeinsam mit Afkaris Familie und allen Iranern um den Sportler, der von einem „brutalen und erbarmungslosen Regime“ getötet worden sei.

Afkari hatte nach Angaben der iranischen Justiz bei einer Demonstration 2018 in der südiranischen Stadt Schiras einen Sicherheitsbeamten getötet. Er habe die Tat gestanden, hieß es. Der Sportler, seine Familie und Menschenrechtsorganisationen führten dagegen an, das Geständnis sei durch Folter erzwungen worden.

Quelle: dpa