Bundesliga mit Fans im Stadion
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Virus-Experte Helmut Fickenscher warnt bei einer möglichen Rückkehr von Zuschauern in die Stadien der Fußball-Bundesliga während der Corona-Pandemie vor Problemen in den kälteren Jahreszeiten.

„Im Herbst und Winter ist zu erwarten, dass sich die epidemische Lage verschärft“, sagte der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel der Deutschen Presse-Agentur.

„Gleichzeitig wird es schwer sein, zwischen Infektionen mit dem Coronavirus und den herkömmlichen Erkältungen und dann ab Januar der Grippe zu unterscheiden“, fügte der Mediziner hinzu. Das werde spannend. „Und das wird es schwieriger machen, über entsprechende Lockerungen im Sportbereich zu entscheiden.“

Grundsätzlich hält er eine begrenzte Rückkehr von Fans zu den Spielen für möglich. „Bei zehn Prozent der Zuschauer habe ich aber den Verdacht, dass man das auch gleich lassen könnte“, sagte Fickenscher. Vielleicht sei das andererseits auch ein Anfang. „Und auf Basis dieses Anfangs kann man Erfahrungen sammeln. Wenn es da keine Komplikationen gibt, hat man vielleicht auch bessere Argumente, einen Schritt weiterzugehen.“

Seit mehreren Monaten dürfen wegen der Corona-Pandemie keine Fans in die Stadien. Die DFL-Mitgliederversammlung hatte am Dienstag mehrheitlich – aber nicht einstimmig – für den Fall der Fan-Rückkehr ein Alkoholverbot sowie die Streichung der Stehplätze bis zum 31. Oktober beschlossen.

Bis zum Jahresende sollen zudem keine Gästetickets verteilt werden und Maßnahmen getroffen werden, die eine Nachverfolgung von Infektionsketten möglich macht.

Auch der Ärzteverband Marburger Bund hat Bedenken gegen eine Teilzulassung von Zuschauern bei Spielen der Fußball-Bundesliga auch mit Corona-Schutzauflagen. „Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie Fußballfans mit zwei Metern Abstand ein Tor ihrer Mannschaft bejubeln“, sagte die Vorsitzende Susanne Johna der Deutschen Presse-Agentur. Das sei einfach nicht sehr realistisch. „Wenn Fans im Stadion sind, dann wollen sie auch zusammen sein und gemeinsam feiern, was ja menschlich nachvollziehbar ist“, erläuterte die Ärztin und Hygienespezialistin. „Insofern bin ich da eher kritisch.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die DFL-Pläne begrüßt, pocht aber auf passgenaue Lösungen für jedes Stadion. Die Gesundheitsminister der Länder wollen an diesem Montag weiter über die geplanten DFL-Maßnahmen beraten. In der Bundesliga und 2. Liga soll am dritten September-Wochenende wieder gespielt werden.

Quelle: dpa