1. FC Union Berlin Alte Försterei mit Fans
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Der Essener Virologe Ulf Dittmer hält Fußballspiele in vollen Stadion derzeit für unmöglich und nannte entsprechende Pläne des Bundesligisten 1. FC Union Berlin „unverantwortlich“.

Der Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen sagte der „WAZ“: „Bevor wir keinen Impfstoff haben, wird es kein volles Stadion geben.“

Union strebt beim Saisonstart eine „Vollauslastung“ des Stadions an. Erreicht werden soll dieses Ziel mit Hilfe von Coronatests für alle 22.012 Karteninhaber sowie alle Anwesenden vor Ort.

Zugang zum Stadion erhalten nach diesen Plänen Zuschauer mit einem negativen Testergebnis, das nicht älter als 24 Stunden sein dürfe. Das Konzept will der Club gemeinsam mit dem Berliner Senat und dem zuständigen Gesundheitsamt des Stadtbezirks Treptow-Köpenick ausarbeiten.

„Es existieren zwei Probleme“, sagte Dittmer dazu. Der Test könne fehlerhaft abgenommen worden sein. „Außerdem kann es sein, dass das Testergebnis zwar negativ ist, die Person aber eigentlich schon infiziert und einen Tag später im Stadion infektiös ist. Dies kann man nicht ausschließen.“

+++ Anreise, Dauerkarten, Masken – Fan-Rückkehr in die Stadien wirft viele Fragen auf +++

Die Deutsche Fußball Liga hat an die Vereine der Bundesliga und 2. Bundesliga einen Leitfaden zur Wiederzulassung von Zuschauern in die Stadien verschickt. Wie die DFL am Mittwoch mitteilte, wolle man damit die Clubs bei der Erarbeitung standort-individueller Konzepte unterstützen.

„Der Leitfaden dient als Orientierung für die Grundstruktur der zu erstellenden Konzepte und beinhaltet zahlreiche zu berücksichtigende Aspekte“, hieß es in der Mitteilung. Er sei dem Bundesministerium für Gesundheit vorab zur Bewertung vorgelegt worden.

Das Ministerium habe betont, dass die konsequente Einhaltung höchster Infektionsschutzstandards Grundvoraussetzung sei, um Fußballspiele mit Publikum wieder möglich zu machen. Eine auch nur teilweise Zulassung von Zuschauern solle laut DFL immer abhängig vom regionalen Infektionsgeschehen sein. Außerdem seien die lokalen Konzepte der Clubs entscheidend, welche von den zuständigen Gesundheitsbehörden vor Ort freigegeben werden müssten.

„Ob es zu bestimmten Punkten, beispielsweise zu Ticket-Kontingenten für Gastvereine, ein einheitliches Vorgehen aller Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga geben wird, soll frühzeitig vor Saisonstart im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der DFL besprochen werden“, teilte die DFL weiter mit.

Quelle: dpa