Thomas Tuchel
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Das ist eine echte Überraschung! Der französische Fußball-Spitzenclub Paris Saint-Germain hat offenbar an Weihnachten den deutschen Trainer Thomas Tuchel entlassen.

Das berichtet die „Bild“. Auch die französische Zeitung „L’Equipe“ vermeldet Tuchels Rauswurf. Es liegen noch keine offiziellen Stellungnahme des Vereins oder von Tuchel vor. Tuchels Vertrag bei PSG lief nur noch bis zum Saisonende.

In den letzten Monaten kam es in der französischen Hauptstadt immer wieder zu internen Streitigkeiten. Tuchel forderte Transfers und einen breiteren Kader, Sportdirektor Leonardo, der nicht als Tuchel-Freund gilt, war dazu jedoch nicht bereit.

Kritisches Tuchel-Interview bei „Sport 1“

Tuchel hatte am Mittwoch „Sport 1“ ein kritisches Interview gegeben. „Ich weiß nicht, ob es immer höher, höher, höher sein muss. Ich mag Fußball einfach. Und in einem Klub wie hier ist es nicht immer nur Fußball“, hatte er gesagt.

An manchen Tagen denke er sich, „es könnte doch so einfach sein. Es war doch nur eine Auswechslung. Wieso ist das jetzt hier zwei Wochen das Thema? Ich denke mir da schon: Ich will doch nur Trainer sein.“

Und damit war Tuchel noch nicht fertig. „Es hat ein Spiel gefehlt zum Champions-League-Sieg. Und wir hatten nie so das Gefühl, dass wir die Leute jetzt auch mal überzeugt haben und sie unsere Leistung anerkennen. Es macht einen auch manchmal ein bisschen traurig oder sauer“, sagte er.

„Hier ist auf jeden Fall eine extreme Erwartungshaltung im Klub und im Umfeld. Da hat man schon das Gefühl, dass die Wertschätzung dafür – gerade in der Liga – nicht so da ist, wie sie es zum Beispiel bei Bayern München ist. Das fehlt ein bisschen.“

Es heiße immer, PSG habe Stars wie Neymar, Weltmeister Kylian Mbappé und Angel dí María. Dadurch würden aber ganz seriöse Teamleistungen komplett weggewischt werden. Er hatte auch gefragt, ob er noch Trainer sei oder Sportpolitiker oder Sportminister. Allerdings soll all dies gar keinen Ausschlag für das Aus gegeben haben. Die Entscheidung, sich von Tuchel zu trennen, hätte der Club angeblich schon zuvor getroffen, hieß es bei „L’Equipe“.

Folgt Pocchettino auf Tuchel bei PSG?

Der Argentinier Mauricio Pocchettino, von 2014 bis 2019 Trainer des englischen Klubs Tottenham Hotspur und seitdem ohne Anstellung, gilt als Favorit auf die Nachfolge von Tuchel. Der 48-Jährige spielte einst für PSG. Allerdings werden auch andere Namen wie der des Italieners Massimiliano Allegri, zuletzt bei Juventus Turin unter Vertrag, in Paris gehandelt.

Tuchel hatte zuvor noch am Mittwochabend mit Paris Saint-Germain das Jahr 2020 erfolgreich abgeschlossen. Der mit vielen Verletzungsproblemen kämpfende Champions-League-Finalist kam am Mittwoch gegen Racing Straßburg zu einem 4:0 (1:0) und bleibt damit in Schlagdistanz zur Tabellenspitze.

PSG, das ohne den brasilianischen Superstar Neymar auskommen musste, liegt mit 35 Punkten einen Zähler hinter dem Top-Duo Olympique Lyon und OSC Lille. Lyon siegte gegen den FC Nantes klar mit 3:0 (3:0), Lille kam zu einem 3:2 (1:0) bei HSC Montpellier.

Timothée Pembele (18. Minute), Kylian Mbappé (80.), Idrissa Gueye (88.) und Moise Kean (90.) schossen den PSG-Sieg heraus. Nationalspieler Thilo Kehrer stand in der Startformation, sein deutscher Kollege Julian Draxler wurde in der 83. Minute eingewechselt.