Borussia Dortmund - Bayern München Joshua Kimmich
Foto: Martin Meissner/Pool AP/dpa

Der FC Bayern hat den Angriff des Dauerrivalen aus Dortmund auf seine Alleinherrschaft in souveräner Manier abgewehrt – wieder einmal. Euphorie kam diesmal allerdings nicht auf. Schließlich droht der lange Ausfall eines Führungsspielers.

Hansi Flick zollte seinen Seriensiegern fast demütig Respekt. Mit einer Verneigung vor Thomas Müller brachte der Coach des FC Bayern nach dem 3:2 (1:1) im furiosen Bundesliga-Geistergipfel bei Borussia Dortmund seine Bewunderung zum Ausdruck. Weder die tiefe Sorge um den verletzten Leitwolf Joshua Kimmich noch der zwischenzeitliche Rückstand brachte den Triple-Sieger aus München vom Erfolgskurs ab. „Das galt der gesamten Mannschaft“, kommentierte Flick seine ungewohnte Geste, „sie hat eine herausragende Mentalität. Deshalb stehen wir da, wo wir stehen“.

Siege über den ärgsten Verfolger aus dem Revier sind für die Bayern in den vergangenen Jahren schon fast zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Doch die Freude über den jüngsten Coup wurde durch den Ausfall von Joshua Kimmich getrübt.

Kimmich wird dem FC Bayern München nach seiner im Bundesliga-Topspiel bei Borussia Dortmund erlittenen Knieverletzung mindestens bis zum Jahresende fehlen. Der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler wurde am Sonntagabend am Außenmeniskus des rechten Knies operiert. Die medizinische Abteilung des deutschen Rekordmeisters geht davon aus, dass Kimmich im Januar wieder zur Verfügung stehen werde, wie der Verein mitteilte.

Die Bayern reagierten erleichtert, dass Kimmichs Verletzung nicht ganz so schwer ist wie befürchtet. „Wir sind froh, dass Joshua uns voraussichtlich in einigen Wochen wieder zur Verfügung stehen wird“, äußerte Sportvorstand Hasan Salihamidzic in der Mitteilung: „Wir werden ihn bei seiner Reha bestmöglich unterstützen.“

Bei einem Foulspiel an BVB-Stürmer Erling Haaland zog sich der 25 Jahre alte Nationalspieler die schwere Knieblessur zu.

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Sowohl das schmerzverzerrte Gesicht von Kimmich als auch die mitfühlenden Reaktionen seiner Mitspieler noch auf dem Platz verhießen wenig Gutes.

Auch der ehemalige Münchner und heutige BVB-Abwehrchef Mats Hummels brachte seine Sorge um den Nationalspieler zum Ausdruck: „Josh ist ein toller Fußballer, ein klasse Typ – und ich hoffe, dass er da gut herauskommt.“ Ein längerer Ausfall würde die Bayern nach Meinung von Flick schwer treffen: „Er ist auf dieser Position ein Schlüsselspieler, das wäre nicht einfach wegzustecken.“

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Doch selbst für diesen Fall wären die Münchner gerüstet. Das stellten sie in Dortmund in beeindruckender Manier unter Beweis. Auch ohne den bereits in der 36. Minute ausgewechselten Kimmich schlug der Rekordmeister nach dem 0:1 von BVB-Kapitän Marco Reus (45. Minute) eiskalt zurück. Treffer von David Alaba (45.+4), Robert Lewandowski (48.) und Leroy Sané (80.) verhalfen zum zehnten Pflichtspielsieg in Serie und zum Ausbau der Tabellenführung. „Wir haben das Spiel verdient gewonnen, weil wir zum richtigen Zeitpunkt einen Schritt schneller und auch etwas abgezockter waren“, befand Mittelfeldspieler Leon Goretzka, „diese Spiele sind doppelt wichtig“.

Ob der Sieg wirklich ein Indiz für einen weiteren Saisonverlauf mit Münchner Dominanz ist, wird sich erst in den nächsten Wochen weisen. Immerhin vergrößerten die Münchner ihren Vorsprung auf den BVB auf drei Punkte und brachten sich in einen psychologischen Vorteil. Gleichwohl wollte Flick seinen vierten Sieg im vierten Spiel als Chefcoach gegen Dortmund nicht überbewerten: „Die Bundesliga ist aktuell sehr ausgeglichen. Es geht nicht darum zu sagen, wir haben es nach dem siebten Spieltag schon geschafft. Nein, es geht weiter.“

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Wieder einmal trug Ausnahmekönner Lewandowski in tragender Rolle zum Sieg über seinen ehemaligen Club bei und feierte in seinem 300. Pflichtspiel für den FC Bayern ein gelungenes Jubiläum. Seit seinem Wechsel 2014 aus Dortmund nach München traf er in 22 Pflichtspielen gegen den BVB zum 19. Mal. Zwei weitere Tore des Polen wurden aufgrund knapper Abseitsstellung vom Kölner Videokeller aberkannt. Das verhinderte, dass Lewandowski seinen eingestellten Vorjahresrekord mit elf Toren nach sieben Bundesligaspielen übertraf.

Neben dem FC Bayern durften sich auch die vielen TV-Zuschauer als Sieger fühlen. „Das Spiel war sensationell gut“, schwärmte Fußball-Lehrer Flick. Sky-Experte Lothar Matthäus fand ähnlich euphorische Worte: „Wir haben Werbung für den deutschen Fußball gesehen. Das tut der Bundesliga gut. Es war ein Topspiel auf höchstem Niveau.“

Dieses Lob spendete der Borussia nur bedingt Trost. Das Warten auf den ersten Sieg über die Bayern seit zwei Jahren geht weiter. Immerhin dürfte dem Team diesmal eine Debatte über fehlende Mentalität erspart bleiben. Schließlich leistete die Favre-Elf lange Zeit sehenswerte Gegenwehr und durfte nach dem Treffer von Haaland (83.) zum 2:3 noch auf ein Remis hoffen. Abwehrspieler Manuel Akanji sprach seinen Mitstreitern Mut zu: „Wir haben gesehen, dass wir mithalten können. Das kann man positiv mitnehmen. Es ist ja erst der siebte Spieltag.“

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Quelle: dpa