FC Sevilla Europa League Jubel Pokal
Foto: Federico Gambarini/dpa

Nach einem spektakulären Fallrückzieher von Diego Carlos hat Rekordsieger FC Sevilla in einem verrückten und hitzigen Finale die Europa League gewonnen.

Die Andalusier besiegten im Endspiel von Köln den italienischen Vize-Meister Inter Mailand mit 3:2 (2:2) und blieben damit auch bei ihrer sechsten Endspiel-Teilnahme im zweitwichtigsten europäischen Club-Wettbewerb seit 2006 unbesiegt. Für Italien geht das Warten im kleinen Europacup derweil weiter: Zuletzt gewann ein Verein aus der Serie A 1999 den Vorgänger-Wettbewerb UEFA-Cup.

Die Entscheidung fiel in der 74. Minute, als Inter-Torjäger Romelu Lukaku einen Fallrückzieher von Carlos ins eigene Tor abfälschte. Zuvor hatte der frühere Mönchengladbacher Luuk de Jong, der schon beim 2:1 im Halbfinale gegen Manchester United als Joker das Siegtor erzielt hatte, einen Doppelpack (12./33.) für das Team des früheren Nationaltrainers Julen Lopetegui erzielt. Für Inter trafen Lukaku (5., Foulelfmeter) und Diego Godin (36.).

Dabei stellten Lukaku und de Jong Bestmarken auf. Der belgische Inter-Stürmer baute seine Rekordserie aus, traf im elften Europa-League-Spiel in Folge und erzielte auch das früheste Endspiel-Tor in der Geschichte des Wettbewerbs. De Jong war der erste Spieler, der in einem Europacup-Finale gleich zwei Kopfballtore erzielte. Auch waren nie mehr als vier Tore in der ersten Halbzeit eines Endspiel der Europa League oder des UEFA-Cups gefallen.

Zuschauer waren natürlich keine da, dennoch wurde es schon vor dem Anpfiff ziemlich laut im RheinEnergieStadion. Die Ersatzspieler und Delegationsmitglieder der Spanier klatschten und sangen lautstark und irgendwann fühlten sich die Italiener herausgefordert dagegenzuhalten. Und auch auf dem Feld ging es von der ersten Sekunde an zur Sache. Es gab Fouls, Nickligkeiten und ein frühes Tor, bezeichnenderweise durch einen Foulelfmeter. Lukaku holte ihn selbst raus, als er bei einem Konter den Ball an Diego Carlos vorbeilegte und umgerissen wurde. Doch Sevilla schlug früh zurück, als de Jong eine Flanke von Jesús Navas aus fünf Metern einköpfte.

Und es ging hitzig weiter: In der 17. Minute forderte Inter-Trainer Antonio Conte nach einem vermeintlichen Handspiel derart vehement einen weiteren Elfmeter, dass er von einem Assistenten daran gehindert werden musste, auf den Platz zu laufen, und die Gelbe Karte sah. Auch einige Spielern hätte Schiedsrichter Danny Makkelie deutlich früher verwarnen können, doch die Linie des Niederländers war eindeutig eine milde, um die Gemüter nicht weiter aufzuheizen. Die Beeinflussungs-Versuche beider Seiten ignorierte er eisern.

Beide Teams spielten herzerfrischend und kompromisslos nach vorne. Diesmal köpfte de Jong Sevilla in Führung, doch diese hielt nur drei Minuten. Auf dem Weg in die Kabine gab es hitzige Diskussionen zwischen Spielern beider Lager und den Unparteiischen.

Nach der Pause spielten beide zumindest etwas kontrollierter, sowohl im Bezug auf Fouls als auch auf taktische Nachlässigkeiten. Der von Lukaku abgefälschte Fallrückzieher war dann die passende Pointe eines kuriosen Spiels.

 

Der Spielplan in der Finalrunde der Europa League?

Viertelfinale der Europa League:

  • Manchester United – FC Kopenhagen in Köln 1:0 n.V.
  • Inter Mailand – Bayer 04 Leverkusen in Düsseldorf 2:1 
  • Donetsk – Basel in Gelsenkirchen 4:1
  • Wolverhampton – FC Sevilla in Duisburg 0:1

Halbfinale der Europa League:

  • FC Sevilla – Manchester United 2:1
  • Inter Mailand – Donetsk 5:0

Finale der Europa League

  • FC Sevilla – Inter Mailand 3:2

Der Sieger ist der Nachfolger des FC Chelsea und qualifiziert sich durch den Europa-League-Triumph automatisch für die Gruppenphase der Champions League in der Saison 2020/21.

>> Hier erfahrt ihr, wo ihr die Champions-League-Finalrunde sehen könnt <<

>> Fotos: Das sind die schönsten Sportmoderatorinnen der Welt <<

Wieso wurde die Europa League unterbrochen?

Als sich im März die Corona-Lage in Europa zuspitzte, brach in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens Chaos aus. Das trifft auch auf den Fußball, insbesondere auf die internationalen Klubwettbewerbe zu.

Nachdem die Gruppenphase mit 48 Teams und die Zwischenrunde noch bis Ende Februar wie geplant gespielt werden konnten, machte die Corona-Pandemie der UEFA im Achtelfinale einen Strich durch die Rechnung.

Für Donnerstag, den 12. März, waren eigentlich die acht Hinspiele des Achtelfinals angesetzt. Bereits im Vorfeld wurden aber zwei Spiele (AS Rom gegen FC Sevilla sowie Inter gegen Getafe) aufgrund der Corona-Lage abgesagt.

>> Viele Corona-Tote wegen Champions-League-Spiel in Bergamo? Das steckt dahinter <<

Vier der sechs Spiele, die noch durchgeführt wurden, fanden dann aber ohne Zuschauer statt. Eine Woche später, da sollten eigentlich die Rückspiele stattfinden, war an Fußball schon nicht mehr zu denken.

Einige Länder Europas waren gar schon im Lockdown. Nicht nur die Fortsetzung der nationalen Ligen, sondern auch der Klubwettbewerbe stand auf der Kippe. Im August geht es nun aber weiter.

Wo fand die Finalrunde der Europa League statt?

Ursprünglich sollte das Finale der Europa-League-Saison 2019/20 am 27. Mai in der polnischen Hafenstadt Danzig stattfinden. Aufgrund der Corona-Unterbrechung wurde der Plan allerdings verworfen, Danzig wird dafür Austragungsort für das Endspiel im kommenden Jahr.

Um in erster Linie das Reiseaufkommen zu verringern und die Wettbewerbe in deutlich kürzerer Zeit zu Ende bringen zu können, wurde seitens der UEFA festgelegt, dass die Champions League und die Europa League in Finalrunden in einem Land durchgeführt werden.

>> Alle Informationen zur Champions-League-Finalrunde in Lissabon bekommt ihr hier <<

Während der Sieger der „Königsklasse“ in Portugal ermittelt wurde, fand die Finalrunde der Europa League in Nordrhein-Westfalen statt. Insgesamt neun Spiele gab es in den vier auserkorenen Austragungsorten.

Das Finale fand dabei in Köln statt, in dem unter normalen Umständen für internationale Spiele (also ohne Stehplätze) rund 46.000 Zuschauer Platz finden. Das Stadion wurde ja einst für die Weltmeisterschaft 2006 umfangreich umgebaut.

Neben dem Endspiel wurde auch das erste Halbfinale und ein Spiel im Viertelfinale in der Domstadt ausgetragen. Als Austragungsort für das andere Halbfinale und ein Viertelfinale wurde das Stadion in Düsseldorf auserkoren, in der Zweitligist Fortuna seine Heimspiele austrägt.

Es ist übrigens das erste Europapokalspiel überhaupt, das im 2004 eröffneten Stadion stattfindet. Letztmals war Düsseldorf im März 1996 Austragungsort eines Spiels im internationalen Klubfußball, weil Borussia Mönchengladbach damals ins alte Rheinstadion auswich.

Twitter

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Twitter angezeigt werden. Ich kann die Einbettung solcher Inhalte auch über die Datenschutzseite blockieren.

Inhalt laden

Damit bleiben noch vier Spiele für zwei Spielstätten übrig: Neben zwei Viertelfinalspielen werden auch die beiden Achtelfinals, bei denen bereits das Hinspiel aufgrund von Corona abgesagt wurde, auf deutschem Boden ausgetragen.

Die Partie AS Rom gegen FC Sevilla fand im Stadion vom Drittligisten MSV Duisburg statt. Fünf Tage später war das Duisburger Stadion noch einmal Austragungsort für ein Viertelfinale.

Auch auf Schalke wurde mal wieder Europapokal gespielt – im WM-Stadion von 2006 kam  es zunächst zum Achtelfinal-Duell zwischen Inter Mailand und dem FC Getafe. Darauf folgte ebenfalls noch ein Spiel im Viertelfinale.

Wo und wann wurde das Achtelfinale in der Europa League zu Ende gespielt?

Etwas kurios ist der Umstand, dass das Achtelfinale der Europa League in zwei verschiedenen Modi absolviert wird. Denn in sechs der acht Achtelfinals wurde das Hinspiel noch absolviert, in zwei Paarungen ist der Ball noch gar nicht gerollt.

Diese Paarungen sind Inter Mailand gegen FC Getafe sowie AS Rom gegen FC Sevilla. Da wird der Sieger bereits im „Finalrunden-Modus“ in einem Spiel auf neutralem Platz in NRW ermittelt. Auch hier würde es im Falle eines Remis in die Verlängerung bzw. ins Elfmeterschießen gehen.

Bei den anderen sechs Paarungen wird zumindest noch im Achtelfinale der gewohnte Modus durchgezogen. Die Heimteams dürfen, wenn auch ohne Zuschauer, in ihren Stadien spielen.

Wie gewohnt geht es da darum, sich in der Summe von Hin- und Rückspiel durchzusetzen. Dabei hat auch die Auswärtstorregel, die im weiteren Verlauf des Turniers durch den veränderten Modus ja keine Rolle mehr spielt, noch Bestand.

Das sind die ausstehenden Partien im Europa-League-Achtelfinale:

  • FC Kopenhagen – Basaksehir Istanbul in Kopenhagen 3:0 (Hinspiel 0:1)
  • Shakhtar Donetsk – VfL Wolfsburg in Kiew 3:0 (Hinspiel 2:1)
  • Manchester United – LASK in Manchester 2:1 (Hinspiel 5:0)
  • Inter Mailand – FC Getafe in Gelsenkirchen 2:0
  • Bayer Leverkusen – Glasgow Rangers 1:0 in Leverkusen (Hinspiel 3:1)
  • FC Sevilla – AS Rom in Duisburg 2:0
  • FC Basel – Eintracht Frankurt in Basel 1:0 (Hinspiel 3:0)
  • Wolverhampton Wanderers – Olympiakos Piräus in Wolverhampton 1:0 (Hinspiel 1:1)

Hier zeigen wir euch alle Finals der Geschichte!

Quelle: mit dpa-Material