Diego Maradona
Foto: picture alliance / Patrick Seeger/dpa

Er erklomm den Fußball-Olymp und stürzte ins Bodenlose: Das Leben des Diego Armando Maradona war reich an ebenso aberwitzigen wie düsteren Wendungen. Nun nimmt die Welt Abschied von einer Legende.

Mit seinem Fußballspiel verzauberte er die ganze Welt, für nicht wenige ist er der größte Ballkünstler aller Zeiten. Unvergessen bleibt, wie Diego Armando Maradona im Viertelfinale der WM 1986 mit der „Hand Gottes“ den Ball am Torhüter der englischen Nationalmannschaft vorbeidrückt. Oder wie der wuselige Stürmer mit der gedrungenen Statur seine Gegenspieler schwindelig dribbelte. Nicht minder berüchtigt waren Maradonas Abstürze in die Drogen- und Fettsucht.

Trotz seiner Laster und eines glücklosen Intermezzos als Trainer der argentinischen Nationalmannschaft blieb er in seiner Heimat ein Nationalheld. Als „Pibe de Oro“ war er dort bekannt, als „Goldjunge“. „Maradona inspiriert uns“, sagte Carlos Tevez, einst Stürmer der Gauchos, am Rande der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland über die Faszination, die die Legende bei Jung und Alt auslöste. „Er ist unser Idol, und ein Idol für das Volk.“

Argentina Maradona
Fans trauern vor dem Eingang des Stadions der Boca Juniors in Buenos Aires um ihren verlorenen Helden. Foto: AP Photo/Natacha Pisarenko

Auch Argentiniens Präsident Alfredo Fernández erwies Maradona die Ehre: „Du hast uns an die Spitze der Welt geführt“, schrieb der Staatschef in sozialen Medien. „Du hast uns unglaublich glücklich gemacht. Du warst der Größte von allen.“

Als flink, frech und völlig unberechenbar galt Maradona in seiner aktiven Zeit, als Meister der Attacke, der den Ball mit einer fast aufreizenden Leichtigkeit von einem Fuß zum nächsten jonglierte und dabei das Feld auf und ab raste. Seine mächtigste Waffe war sein linker Fuß, mit dem er seine Treffer landete. „Alles, was er sich im Kopf ausdachte, konnte er mit seinen Füßen geschehen lassen“, sagte Salvatore Bagni, mit dem Maradona beim italienischen Club SSC Neapel kickte.

Früh übt sich, wer ein Meister werden will – bei Maradona war das nicht anders. Kaum habe er rennen können, habe man ihm einen Ball gegeben, erinnerte sich der Mann, der als fünftes von acht Kindern in einer rauen Armengegend am Rande von Buenos Aires aufwuchs. „Ich war drei Jahre alt und schlief die ganze Nacht mit dem Ball im Arm.“

Im zarten Alter von zehn Jahren verzückte der kleine Maradona schon die Fans, als er in der Halbzeit von Profipartien den Ball über Minuten hinweg mit seinen Füßen, der Brust und dem Kopf in der Luft hielt. Sein Debüt feierte er mit der Jugendmannschaft der Argentinos Juniors, die mit ihm 136 Spiele lang ungeschlagen bleiben sollten. „Ihn spielen zu sehen, war pure Wonne, wahrer Starglamour“, erinnerte sich sein damaliger Mannschaftskollege Carlos Beltran.

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Auch in Neapel, wo Maradona bis heute frenetisch verehrt wird, trauern Fans um ihr Idol. Foto: AP Photo/Alessandra Tarantino

Von 1976 bis 1981 kickte er für den Erstliga-Klub Argentinos Juniors, ehe er für ein Jahr zum Traditionsverein Boca Juniors ging. Für eine damalige Rekordablösesumme von acht Millionen Dollar wechselte er dann zum FC Barcelona. 1984 verkaufte ihn der spanische Kultverein an den SSC Neapel, dessen Geschicke er fast im Alleingang wendete. So führte er den Club 1987 zu seinem ersten italienischen Meistertitel seit 60 Jahren.

Titel um Titel heimste Maradona ein. Die Krönung gelang ihm bei der Weltmeisterschaft 1986, in deren Finale der Kapitän mit Argentinien das Team der Bundesrepublik Deutschland mit 3:2 bezwang. Einen festen Platz in der Fußball-Historie nimmt die packende Viertelfinalpartie dieses Turniers gegen England ein: Trotz aller Proteste von Torwart Peter Shilton ließ der Schiedsrichter ein Tor Maradonas durchgehen, das – wie der Fußballzauberer Jahre später zugab – per absichtlichem Handspiel und „ein bisschen Schalk“ zustande kam.

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Doch nur bei Tricks beließ es Maradona in dem legendären Spiel nicht. Nur vier Minuten später startete der Wunderstürmer von der Mittellinie aus und ließ einen englischen Gegenspieler nach dem anderen wie Slalomstangen hinter sich, ehe er Shilton erneut alt aussehen ließ. Später sollte die Fifa den Treffer zum besten Tor der WM-Geschichte erklären.

Für viele Argentinier war das denkwürdige Match die Revanche für den 1982 gegen Großbritannien verlorenen Krieg um die Falkland-Inseln, die Argentinien nach wie vor als „Las Malvinas“ für sich beansprucht. Das sah auch Maradona selbst so, wie er in seiner Autobiografie „Ich bin Diego“ schrieb. „Es ging um mehr als den Versuch, ein Spiel zu gewinnen. Wir sagten, dass das Spiel nichts mit dem Krieg zu tun hatte. Aber wir wussten, dass dort Argentinier starben, dass sie gestorben waren wie die Vögel. Und das war unsere Rache.“

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Überschattet wurden Maradonas letzte aktive Fußballerjahre durch Drogenabhängigkeit. 1991 fiel er durch einen Doping-Test und wurde für 15 Monate gesperrt, damals räumte er eine seit langem bestehende Kokainsucht ein. Später wurden beim Superstar Aufputschmittel im Blut festgestellt, woraufhin er aus der argentinischen Auswahl für die WM 1994 in den USA flog.

Im Ruhestand tauchte er immer wieder als Fan bei Spielen seines geliebten Vereins Boca Juniors auf und nahm weltweit an Events für wohltätige Zwecke teil. Für Freundschaftsspiele streifte er hin und wieder das Trikot über, doch war offensichtlich, dass der inzwischen beleibte Star seinen Zenit längst überschritten hatte.

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2000 wurde er wegen Herzschwäche in ein Krankenhaus im uruguayischen Ferienort Punta del Este eingeliefert, nach Angaben der Ärzte war er dem Tode nahe. Eine weitere Notfalleinlieferung folgte 2004, in deren Folge Maradona seine Drogensucht behandeln ließ. Im September jenes Jahres suchte er eine psychiatrische Klinik in Havanna auf, wo der kubanische Präsident Fidel Castro bei ihm vorbeischaute. Oft lobte Maradona den Staatschef und den in Argentinien geborenen „Che“ Guevara, der mit Castro in der kubanischen Revolution gekämpft hatte.

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Maradona verkündete, sein Drogenproblem in den Griff bekommen zu haben und ein neues Kapitel aufschlagen zu wollen. 2005 ließ er sich einen Magen-Bypass legen und nahm fast 50 Kilogramm ab. Es folgte eine Episode als Moderator einer in Argentinien äußerst beliebten Talkshow, in der er unter anderem mit Fußball-Legende Pelé Kopfbälle spielte, den Boxer Mike Tyson und Hollywoodstars interviewte.

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Bis zuletzt plagten Maradona aber gesundheitliche Probleme. Am Mittwoch starb er im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt, wie sein Sprecher sagte. Zwei Wochen zuvor war er erst aus einem Krankenhaus nahe Buenos Aires entlassen worden, in dem sich einer Notoperation am Hirn unterzogen hatte. Die Ursache war ein Subduralhämatom, eine Ansammlung von Blut zwischen Hirnhaut und dem Gehirn. Es war entdeckt worden, nachdem die Fußball-Legende wegen Anzeichen einer Depression, Blutarmut und Dehydrierung ins die Klinik gebracht worden war.

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Unter den vielen berühmten Trauernden, die ihm Tribut zollten, war Pelé, der in einem Atemzug mit Maradona genannt wird, wenn es um die größten Fußballer aller Zeiten geht. „Eines Tage, hoffe ich, dass wir zusammen im Himmel Fußballspielen werden“, sagte der Brasilianer über den Argentinier.

Reaktionen zum Tod Diego Maradonas

Oliver Kahn (Vorstand FC Bayern München): „Wir waren alle erst mal geschockt, als die Nachricht gekommen ist. Er war ein Genie auf dem Platz.“

Hansi Flick (Trainer FC Bayern München): „Es ist sehr traurig, wenn man so früh gehen muss. Zu meiner Zeit, als ich Fußball gespielt habe, war er der absolut beste Fußballer, er war ein Genie am Ball, er hat die Abwehr schwindelig spielen können. (…) Er konnte Spiele alleine entscheiden.“

Romario (Fußball-Weltmeister mit Brasilien 1994): „Mein Freund ist gegangen. Maradona, die Legende! Der Argentinier, der die Welt nicht nur mit dem Ball an seinem Fuß erobert hat, sondern auch mit seiner Freude und einzigartigen Persönlichkeit. Ich habe es schon ein paar mal gesagt: Von den Spielern, die ich auf dem Feld gesehen habe, war er der beste.“

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Pep Guardiola (Trainer Manchester City): „Es gab ein Banner in Argentinien, das habe ich vor einem Jahr gelesen. Da stand: „Was auch immer du mit deinem Leben gemacht hast, Diego, wichtig ist, was du für unsere Leben getan hast.“ Ich denke, das drückt perfekt aus, was dieser Kerl uns gegeben hat. Diesen Spaß und die Freude und seine Hingabe für den Weltfußball. Er hat die Fußballwelt besser gemacht.“

Michel Platini (Fußball-Europameister mit Frankreich 1984): „Er hatte technisch alles: linker Fuß, Kontrolle, Schuss und dazu noch sehr quirlig. Um die Attentäter auf dem Platz in den 1970ern und 80ern zu vermeiden, warst du besser sehr, sehr quirlig, und er war noch dazu ein Dribbler. Er hat gedribbelt, gedribbelt, gedribbelt.“

Zlatan Ibrahimovic (AC Mailand): „Maradona ist nicht tot, er ist unsterblich. Gott hat uns den begnadetsten Fußballer aller Zeiten gegeben. Er wird für immer und immer leben.“

 

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Lionel Messi (argentinischer Weltstar): „Ein sehr trauriger Tag für alle Argentinier und für den Fußball. Er verlässt uns, aber er geht nicht weg, weil der Diego ewig ist. Ich behalte in Erinnerung all die schönen Augenblicke, die ich mit ihm erlebt habe. Mein Beileid an seine ganze Familie und an seine Freunde. Ruhe in Frieden.“

Aleksander Čeferin (UEFA-Präsident): „Ich bin zutiefst traurig, vom Tod von Diego Maradona zu erfahren, einem der Größten des Weltfußballs und einer der bekanntesten Figuren. Er hat Größe erreicht als ein wundervoller Spieler mit Genialität und einem eigenen Charisma. Die Maradona war ein Held in seiner Heimat Argentinien, mit der er den Ruhm des WM-Gewinns genoss, und er wurde ein ewiges Idol für die Unterstützer von Neapel, die niemals den Erfolg vergessen werden, den er dem Club in seinem denkwürdigen Zeit in Italien gebracht hat.“

Horst Eckel (deutscher Fußball-Weltmeister 1954): „Descansa en paz, Diego!!“ (Ruhe in Frieden, Diego!!)

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Rafael Nadal (spanischer Tennis-Star): „Heute ist die Welt des Sports im Allgemeinen und des Fußballs im Besonderen leer. #Maradona war einer der größten Sportler der Geschichte. Was er im Fußball getan hat, bleibt. Mein aufrichtiges Beileid an seine Familie, die Welt des Fußballs und ganz Argentinien.“

Timo Werner (deutscher Nationalstürmer): „Ruhe in Frieden, Legende“

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Sepp Blatter (ehemaliger FIFA-Präsident): „Diego Maradona war ein herausragender Fußballer. Er hat mit seiner spielerischen Klasse und seinem technischen Genie eine ganze Epoche geprägt – das war auch meine Epoche als FIFA-Präsident. Deshalb verbinde ich viele persönliche Erinnerungen mit ihm. Leider stand er im Leben aber gelegentlich im Offside. Sein früher Tod macht mich tief betroffen.“

Mezut Özil (ehemaliger deutscher Nationalspieler): „Sehr traurige Neuigkeiten. Eine der besten Nummer 10en, die die Welt je gesehen hat, ist von uns gegangen. Du wirst vermisst werden, Legende. Ruhe in Frieden“

Franck Ribéry (ehemaliger französischer Nationalspieler): Schrecklich, über den Verlust einer wahren Fußball-Legende zu hören. Aber Legenden sterben NIEMALS. Gott gib Dir Frieden. Ciao Diego“

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Antonio Rüdiger (deutscher Nationalspieler): „Die Sportwelt hat einen ihrer Größten verloren. Ruhe in Frieden, Diego Maradona.“

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Graeme Souness (ehemaliger schottischer Nationalspieler): „Er war klein, aber er war furchtlos. In jener Zeit waren Spieler um ihn herum, die als überphysische bekannt waren, doch er war ein absoluter Krieger und lächerlich mutig.“

Hans-Peter Briegel (ehemaliger deutscher Nationalspieler im Internetportal t-online): „Ich bin bestürzt, dass sein Leben so früh zu Ende geht. Er war nicht nur ein Weltklasse-Fußballer, sondern auch ein fairer Gegenspieler. Bis 2004 hat er mir regelmäßig Weihnachtskarten geschickt und einen guten Rutsch gewünscht.“

Guido Buchwald (ehemaliger deutscher Nationalspieler im Sportbuzzer): „Ich bin geschockt. Die Fußball-Welt hat einen ihrer Größten verloren. Nach dem Ende unserer Karrieren habe ich sein Leben immer aus der Ferne verfolgt. Es gab bei ihm stets Aufs und Abs und leider auch gesundheitlich Probleme. Zuletzt hörte man ja aber, dass es ihm wieder besser gehen soll. Daher bin ich schon sehr erschüttert. Zuletzt habe ich ihn 2002 bei der WM in Japan gesehen.“

Eintracht Frankfurt (Bundesligist): „Ein großer Fußballer ist von uns gegangen. Einer, der die komplette Fußballwelt verzaubert und bis heute geprägt hat. Machs’s gut, Diego. Ruhe in Frieden“

FC Bayern München (deutscher Rekordmeister): „Ruhe in Frieden, Diego. Wir werden dich nie vergessen!“

AC Mailand (italienischer Fußball-Club): „Eine Ehre, Dir begegnet zu sein, Diego“

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Pedro Sánchez (Spaniens Ministerpräsident): „Meine ganze Zuneigung der Welt des Fußballs, die heute eine ihrer größten Legenden verloren hat. Einer der besten Fußballspieler der Geschichte, der Argentinier Diego Armando Maradona, ist von uns gegangen. Mit Deinem linken Fuß hast Du die Träume vieler Generationen gezeichnet. Du bist ewig, Junge.“

Reuven Rivlin (Israelischer Präsident): „Maradona, der wundervolle Künstler des Fußballs, der Licht und Freude zu Millionen rund um den Erdball brachte, ist nicht mehr. Eine Fußball-Legende, dessen Geschichte wir immer und immer wieder erzählen werden. … Danke für all die unvergesslichen Momente, in Trauer und in Freude, für die Momente der Hoffnung und puren Freude, die Du den Millionen auf der Welt gebracht hast. Ich sende mein Beileid den Menschen in Argentinien und den Fußball-Fans über all an diesem traurigen Abend.“

Quelle: dpa