Cristiano Ronaldo Georgina Rodriguez Gericht
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Für Cristiano Ronaldo ist es ein Sieg auf allen Ebenen. Die Vorwürfe wegen Vergewaltigung gegen den Fußball-Superstar werden nicht weiter verfolgt. In Portugal ist man erleichtert. Doch der Fall ist damit nicht geklärt.

Cristiano Ronaldo nimmt ein Selfie-Bad in der Menge. Eine chinesische Polizistin in hellblauem Hemd will ein Foto mit ihm, viele Fans in Ronaldo-Shirts umschwirren ihn. Es ist ein besonders guter Tag für den Fußball-Superstar. Während der 34-Jährige mit seinem Team von Juventus Turin in China auf Werbetour ist, fällt weit weg in den USA für einen der teuersten Fußballer der Welt eine viel wichtigere Entscheidung: Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn werden nicht weiter verfolgt.

Die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Nevada will keine Anklage erheben. „Basierend auf einer Überprüfung der gegebenen Informationen (…) können die Anschuldigungen gegen Cristiano Ronaldo bezüglich eines sexuellen Übergriffs nicht zweifelsfrei bewiesen werden“, teilte das Büro des Bezirksstaatsanwalts in Las Vegas am Montag mit.

Es war vor knapp einem Jahr, als der Fall die Fußballwelt in Atem hielt. Ronaldo war da gerade erst für eine Rekordsumme von Real Madrid zu Italiens Rekordmeister nach Turin gewechselt. Die Amerikanerin Kathryn Mayorga hatte dem fünfmaligen Weltfußballer vorgeworfen, sie 2009 in Las Vegas vergewaltigt zu haben. Nach ihrer Darstellung lernte der damals 24 Jahre alte Fußballer sie in einem Nachtclub kennen. Er lud sie demnach in seine Hotel-Suite ein und vergewaltigte sie, hieß es in der Klageschrift. Danach habe er sich entschuldigt und erklärt, er sei „normalerweise ein Gentleman“. Ronaldos Anwalt hingegen nannte den Sex „einvernehmlich“.

„Vergewaltigung ist ein abscheuliches Verbrechen, das sich gegen alles richtet, was ich bin und woran ich glaube“, erklärte der Fußballer letztes Jahr. „Mein reines Gewissen wird es mir erlauben, die Ergebnisse aller möglichen Untersuchungen in Ruhe abzuwarten.“ Ronaldo sah einen Medienzirkus auf seine Kosten. Sein Club Juventus stand hinter ihm, in Italien war auch die öffentliche Meinung auf seiner Seite. Am Dienstag wurde die Entlastung Ronaldos meist nur nachrichtlich vermerkt, als hätte man eh nie daran gezweifelt.

In Ronaldos portugiesischer Heimat war die Erleichterung groß. Schließlich hatte der Stürmer unmittelbar nach Bekanntwerden der Anklage auf mehrere Länderspiele der „Seleção“ verzichtet – und 2020 will man mit dem dann 35-Jährigen und dem designierten Nachfolger Joao Félix (19) den EM-Titel verteidigen. „Gott sei Dank!“, schrieb Leserin Fátima im Kommentarteil der Zeitung „Jornal da Madeira“, während andere „Endlich ist alles aufgeklärt!“ und „ich hatte es erwartet, bin aber sehr erleichtert!“ posteten.

In Portugal hatten ohnehin praktisch alle – Medien, Fans, Verband, Trainer und Berufskollegen – dem Volksidol geglaubt und beigestanden. „Ich kenne Cristiano sehr gut und glaube voll und ganz, dass das, was er sagt, wahr ist“, hatte zum Beispiel Nationaltrainer Fernando Santos gesagt. Verbandschef Fernando Gomes hob den „guten Charakter“ des Profis hervor.

Was besonders für Zündstoff sorgte: Mayorga hatte die angebliche Vergewaltigung bereits direkt im Anschluss am 13. Juni 2009 bei der Polizei angezeigt, damals aber weder den Namen Ronaldos noch den Ort des Geschehens benannt. So hätten auch nicht richtig Beweise aufgenommen werden könne, erklärte die Staatsanwaltschaft. Videomaterial, das die beiden vor und nach der angebliche Vergewaltigung zeigte, seien „verloren gegangen“. Im Jahr 2010 hätten sich die Anwälte beider dann außergerichtlich geeinigt. Mayorga sprach von einer Art „Schweigegeld“.

Am 8. Juli 2019 ging dann ein Antrag auf Strafverfolgung des zehn Jahre alten Falles bei der Staatsanwaltschaft ein. Mayorga hatte sich demnach im August 2018 an die Polizei in Las Vegas gewandt und namentlich Ronaldo der Tat beschuldigt. Die Akte wurde wieder geöffnet.

Ronaldo reagierte nun nicht umgehend auf die Entlastung. Auf seinen sozialen Netzwerken zeigte er sich wie gewohnt mit Waschbrettbauch, in Unterhose oder in Siegerpose auf dem Spielfeld. Vor kurzem hieß es noch, Juventus fahre nicht wie gewohnt in die USA zur traditionellen Sommertour – aus Angst vor einer Festnahme von Ronaldo. Stattdessen spielt Juve beim International Champions Cup in Singapur, China und Schweden.

In Nanjing geht es am Mittwoch gegen Inter Mailand. Für Ronaldo steht nun der wichtigste Teil der kommenden Saison an: Juventus soll mit ihm endlich die Champions League gewinnen. Denn für Juve war der achte Meistertitel in Folge in der letzten Saison nur ein Trostpflaster, nachdem das Team um die Deutschen Sami Khedira und Emre Can in der Champions League im Viertelfinale rausgeflogen war. Vielleicht hat Ronaldo nun wirklich den Kopf frei, um den Traum von der Königsklasse wahr zu machen.

Quelle: dpa