Claudia Neumann
Foto: ZDF

Claudia Neumann polarisiert. Für das ZDF bei der Fußball-EM 20201 als Kommentatorin im Einsatz, steht sie eigentlich durchgehend in der Kritik. Das Problem: Diese Kritik ist nicht immer sachlich und konstruktiv, sondern geht weit unter die Gürtellinie. Das ZDF wehrt sich nun offensiv gegen den Hass im Netz – und hat deshalb einige Kommentare veröffentlicht.

„Der Austausch mit euch ist uns wichtig! Vor allem während eines Großereignisses wie der Fußball-Europameisterschaft. Leider nutzen einige die Anonymität hier für Hassbotschaften, Beleidigungen und Sexismus. Das ist für uns ein No-Go“, schrieb das ZDF am Montag auf Twitter. Mit dabei: Eine Grafik, die eine Auswahl an beleidigenden Kommentaren gegen Claudia Neumann zeigt.

„Frauenstimmen passen nicht zum Fußball“ oder „Die soll lieber Let’s Dance kommentieren“ gehören da noch zu den harmloseren Beleidigungen. „Die blöde Alte wieder“, „Die Alte redet wie das letzte Mannsweib“ oder „Darum schicken wir unsere Frauen extra weg beim Fußball“ mögen für den einen oder anderen sogar noch schlimmer sein. Aber wie auch immer: Beleidigungen jeglicher Art sind nicht nur aus Sicht des ZDF absolut nicht vertretbar.

Dem Sender gehe es nicht darum, „Kritik zu unterbinden“. Vielmehr freue man sich sehr „über konstruktives und sachliches Feedback“. Die aufgeführten Beispiele hätten mit Meinung oder Kritik allerdings nichts zu tun, „sondern greifen unsere Kollegin persönlich an und verstoßen gegen jede Regel der Kommunikation.

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EM 2021: ARD und ZDF stocken Social-Media-Teams wegen Hass im Netz auf

Vor allem wenn Frauen am Mikrofon sind, wird Social Media manches Mal zum asozialen Medium – Claudia Neumann trifft es aktuell, wie schon bei der WM 2018, besonders hart. Und obwohl es sich bei den Pöblern und Hetzern laut ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann um eine Minderheit handle, haben sowohl die Mainzer als auch die ARD ihre Social-Media-Teams für die EURO 2020 aufgestockt.

So hat der ZDF-Sport etwa eine Online- und Social-Media-Redaktion, „die sich auch um das Community Management auf den verschiedenen Plattformen kümmert“, verrät Fuhrmann. „Normalerweise reichen dafür ein bis zwei Personen pro Tag, bei Großereignissen wie der EM verstärken wir das Team, da die Anzahl der Kommentare rasant steigt. Wenn Claudia Neumann am Mikrofon sitzt, sind bis zu sechs Personen mit dem Community Management beschäftigt.“ Als Devise twitterte das Team zu Beginn des Turniers: „Hetze und Bashing gegen unsere Moderator:innen dulden wir ganz sicher nicht.“

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Beim Ersten ist das ähnlich. „Wir wollen Raum für Diskussionen zur Verfügung stellen, das muss aber moderiert werden“, sagte EM-Programmchef Christian Wagner von der ARD. „Uns war daher klar, dass wir unser Engagement-Team stärken müssen. Wir haben uns für die EM auch Spezialisten aus anderen Redaktionen ausgeliehen.“

Intern wird bei der ARD auch vom „Herzchen-Team“ gesprochen, wenn es um die Social-Media-Experten geht. Ihre Aufgabe ist laut Wagner „aus einem Shitstorm einen Candystorm zu machen“ – und das gelinge auch häufig. Wenn es jedoch nicht anders geht, wird auch bei der ARD gelöscht und gesperrt. Zielscheibe von frauenfeindlichen Kommentaren ist bei der ARD besonders Almuth Schult, die als erste Frau über ein ganzes Turnier als Expertin engagiert ist.

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Auch ARD bekommt Hass gegen Claudia Neumann zu spüren

Dass sich auch die „Sportschau“ mit Anfeindungen und sexistischen Kommentaren gegen Claudia Neumann auseinandersetzen muss, dürfte für viele ins Bild des wenig intelligenten Pöblers passen. „Manche Zuschauer verwechseln bei der Übertragung ARD und ZDF“, kommentiert EM-Programmchef Wagner diese Irritationen nüchtern. Sein Team hat auch darauf reagiert, nach unangemessenen Bemerkungen mehr Respekt für die Kollegin von der Konkurrenz eingefordert und lässig gekontert: „Unabhängig davon, dass Claudia Neumann und Ariane Hingst beim ZDF kommentieren, wäre ein netterer Umgang miteinander und ein etwas respektvollerer Ton doch ganz cool, oder?“

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Allgemein versuchen die Social-Media-Teams, locker zu reagieren. Es seien „schnell smarte und clevere Antworten gefragt“, erklärt ZDF-Sportchef Fuhrmann. Beispiel: Ein noch harmloser Tweet lautete: „Warum kommentieren zwei Frauen? Warum?“ Woraufhin das ZDF mit der Gegenfrage konterte: „Warum denn nicht?“

Zu den smarten Antworten gehörte auch: „Statistisch gesehen machen Frauen etwa 50 Prozent der Weltbevölkerung aus. Dass zwei von ihnen zusammen ein Fußballspiel kommentieren, sollte Menschen mit mathematischen Grundkenntnissen nicht überraschen.“ In nur „wenigen Fällen“ wäre ein beherztes Einschreiten gefordert: „Dann zeigen wir klare Kante und müssen User verwarnen oder gar sperren und Kommentare löschen.“

Und Neumann selbst? Die scheint tiefentspannt. „Ich lese nach wie vor nichts, nur wenn mich jemand darauf anspricht, bekomme ich Kenntnis. Der Reflex, nach Spielen ins Netz zu schauen, ist mir wirklich fremd. War er immer schon, heute sogar in 100-prozentiger Konsequenz“, sagte sie bereits zu Anfang der EM.

Vor so viel Gelassenheit ziehen wir den Hut!

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Quelle: mit Agenturmaterial (dpa)