BVB-Drama in der Champions League: Haaland schreit Sevilla-Keeper an – „Karma“

Borussia Dortmund steht erstmals seit 2017 im Viertelfinale der Champions League – dank eines 2:2-Unentschieden im Rückspiel gegen den FC Sevilla. Zum Mann des Abends wird Stürmer Erling Haaland, der die beiden BVB-Tore erzielt. Doch wegen eines Wortgefechts mit Sevillas Torwart Yassine Bounou rückt er in den Mittelpunkt: Nach einem verwandelten Elfmeter schreit der Norweger den Marokkaner an.
Erling Haaland Champions League FC Sevilla
Foto: Bernd Thissen/Pool via AP

Neben den Jubelbildern des zum ersten Mal seit 2017 ins Achtelfinale der Champions League eingezogenen BVB war es die Szene des Abends: Borussia Dortmunds Topstürmer Erling Haaland rennt nach einem verwandelten Elfmeter zum zwischenzeitlichen 2:0 auf Sevilla-Keeper Yassine Bounou zu und schreit ihn an, um kurz danach jubelnd abzudrehen – gefolgt von etlichen gegnerischen Spielern.

Vorangegangen waren verrückte sieben Minuten in der zweiten Halbzeit des Achtelfinal-Rückspiels gegen den FC Sevilla (2:2). Zunächst feierte Haaland seinen 20. Champions-League-Treffer, doch dann wurde das Tor aberkannt und überraschend auf Elfmeter entschieden. Diesen verschoss er, Haaland durfte nach Eingreifen des Videoassistenten aber noch einmal ran und verwandelte zum 2:0 für die Borussia.

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Nachdem Bounou den ersten Strafstoß von Haaland gehalten hatte, schrie er dem Norweger ein paar Worte ins Gesicht. Dieser schien das zunächst zu ignorieren. „Ich war vor dem zweiten Elfmeter ein bisschen nervös“, sagte der norwegische Doppel-Torschütze anschließend beim Pay-TV-Sender Sky. „Aber als er mich nach dem ersten Elfmeter angeschrien hat, dachte ich, es wäre umso besser, noch ein weiteres Tor zu schießen“, sagte er euphorisch.

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Und so antwortete der 20-Jährige, nachdem er seine zweite Chance genutzt hatte: „Danach habe ich ihm dann das gesagt, was er zu mir gesagt hat, nachdem ich den ersten Elfmeter verschossen hatte. Vielleicht ist das Karma.“ Für seine Bemerkung erhielt er die Gelbe Karte.

Borussia Dortmund – FC Sevilla: Ein hartes Stück Arbeit für den BVB

Drei Tage nach dem 2:4 in der Bundesliga beim FC Bayern wurde der BVB in der Anfangsphase stark unter Druck gesetzt. Coach Edin Terzic hatte kurz vor der Partie noch vor den „sehr gefährlichen“ Europapokalspezialisten gewarnt, die mit aller Macht den Rückstand aus dem Hinspiel wett machen wollten. BVB-Torwart Marwin Hitz wurde schon in der 3. Minute von Lucas Ocampos per Fernschuss gefordert, der Versuch von Suso ging nur knapp vorbei (18.).

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Terzic war an der Seitenlinie überhaupt nicht zufrieden. Im Spielaufbau fehlten dem BVB, der auf mehrere Leistungsträger verzichten musste, zunächst die klare Linie und die Ruhe. Das Tempo von Jadon Sancho wurde schmerzlich vermisst, auch Raphael Guerreiro und Giovanni Reyna waren nicht rechtzeitig fit geworden. Kapitän Marco Reus wurde von Terzic auf die linke Seite beordert.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke saß nach gut einer halben Stunde stoisch mit verschränkten Armen auf der Tribüne. Dann nutzte der BVB aus dem Nichts die erste eigene Chance zur Führung: Nach Balleroberung schon in der Hälfte der Spanier legte Reus überlegt in die Mitte auf Haaland, der auch in seinem sechsten Champions-League-Spiel dieser Saison ein Tor erzielte. Der junge Norweger nahm Reus jubelnd in den Arm.

Die Gäste, die zuletzt drei Pflichtspiele in Serie verloren hatten, reagierten genervt. Der Rekordsieger des kleinen Europapokals (UEFA-Cup und Europa League) brauchte nun drei Treffer zum Weiterkommen, erspielte sich vor der Halbzeit aber keine klaren Torchancen mehr. Der BVB kam dagegen dem ersten Viertelfinale seit 2016/17, als der Revierclub unter schlimmsten Begleitumständen des Bombenattentats auf den Teambus gegen die AS Monaco ausgeschieden war, immer näher.

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Kurz nach dem Wiederanpfiff bereicherten Schiedsrichter Cüneyt Cakir und sein Team die Geschichte des Videobeweises um eine weitere Kuriosität. Der Unparteiische pfiff das vermeintliche und wohl nach Offensivfoul erzielte 2:0 von Haaland zurück und gab auf Hinweis des VAR stattdessen Elfmeter für den BVB wegen eines Fouls fast eine Minute zuvor. Den Strafstoß von Haaland hielt Yassine Bounou ebenso wie einen Nachschuss (52.). Weil sich Sevillas Torwart aber zu früh von der Linie bewegt hatte, wurde der Elfmeter wiederholt – und Haaland traf. Es folgte die unsportliche Jubelgeste in Richtung Bounou, für die der BVB-Stürmer Gelb sah (55.).

Sevilla gab nicht auf und belagerte weiter die Dortmunder Hälfte. Den Strafstoß zum Anschlusstreffer (69.) verursachte Emre Can mit einem Schubser gegen den früheren Bundesligaprofi Luuk de Jong. En-Nesyri verwandelte sicher und sorgte Sekunden vor Schluss (90.+6) für kurzzeitige Hochspannung. Letztlich rettete der Bundesligist das Ergebnis aber über die Zeit. Und so konnte Erling Haaland die Gelbe Karte mit Sicherheit gut verkraften. Denn vielleicht war das alles „Karma“.

dpa