Borussia Mönchengladbach 1. FC Köln geisterspiel Bundesliga
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Die DFL darf Spiele der Fußball-Bundesliga künftig in andere Stadien verlegen. Zudem sind nun fünf Wechsel erlaubt. Ein Streitpunkt aber konnte in der DFL-Mitgliederversammlung am Donnerstag nicht ausgeräumt werden.

Verlegung des Spielorts nun möglich

In der derzeitigen Corona-Krise können Spiele der Fußball-Bundesliga auch in andere Stadien verlegt werden. Es gebe die Möglichkeit, „ein Spiel aus übergeordneten zwingenden rechtlichen, organisatorischen und/oder sicherheitstechnischen Gründen kurzfristig in einem anderen Stadion auszutragen“, teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) nach ihrer Mitgliederversammlung am Donnerstag mit.

Hintergrund sei, „dass durch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auch die Entwicklung eines nur regionalen beziehungsweise lokalen Infektionsgeschehens denkbar ist.“

Sollte also ein Heimteam von einer solchen Entwicklung betroffen sein, könnte das Spiel problemlos an einen anderen Ort verlegt werden. Zuschauer sind wegen der derzeitigen Situation sowieso bis zum Saisonende nicht mehr denkbar.

Fünf Auswechslungen erlaubt

Fünf statt drei: Die Fußball-Trainer haben nun mehr Möglichkeiten beim Wechseln. Das soll in Zeiten der Corona-Krise den Spielern helfen und Verletzungen vorbeugen.

In der 1. und 2. Fußball-Bundesliga sind für den Rest der Saison fünf statt drei Auswechslungen erlaubt. Das entschied die Deutsche Fußball Liga am Donnerstag und übernahm damit die vom Weltverband FIFA eingeführte Änderung. Damit sollen die Spieler angesichts des dicht gedrängten Kalenders im Zuge der Corona-Krise und möglicher Spiele bei großer Hitze im Sommer entlastet werden.

Der International Football Association Board (Ifab), der für die Regeln im Fußball zuständig ist, hatte in der vergangenen Woche den Antrag der FIFA bewilligt. Das neue Wechselkontingent gilt demnach nur für Wettbewerbe, die zum 31. Dezember 2020 abgeschlossen sein werden, unabhängig davon, ob sie bereits begonnen haben.

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Ifab und FIFA wollen zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob die veränderte Fassung von Regel 3 auch auf Wettbewerbe ausgeweitet werden sollte, die erst 2021 abgeschlossen werden. Das hieße, dass auch in der nächsten Saison noch fünfmal gewechselt werden dürfte. Durchgeführt werden dürfen die Wechsel in der Pause und bei weiteren drei Gelegenheiten während der Spielzeit. Damit soll verhindert werden, dass Trainer in der Schlussphase eines Spiels das neue Instrument zu vermehrtem Zeitspiel nutzen.

Entsprechende Befürchtungen hatte Leipzigs Trainer Julian Nagelmann geäußert. „Es ist sicher kein schlechter Vorschlag, wenn es tatsächlich zum Schutz der Fitness der Spieler und nicht taktisch genutzt wird. Ich bin kein Freund davon, dass zwischen der 90. und 95. Minute fünfmal gewechselt wird, damit Zeit von der Uhr geht“, sagte Nagelsmann dem „Kicker“ (Montag).

Saison soll zuende gespielt werden – Frage über Abbruch vertagt

Wie wird gewertet, wenn die Bundesliga-Saison abgebrochen wird? Diese extrem heikle Frage haben die Proficlubs am Donnerstag noch einmal vertagt. Ein Saisonende im Juli soll, falls notwendig, ermöglicht werden.

Das zentrale Thema wurde aufgeschoben: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die 36 Proficlubs haben eine Entscheidung über die Wertung bei Abbruch der aktuellen Spielzeit vertagt. „Für den Fall, dass eine Fortführung des Spielbetriebs durch künftige Entwicklungen nicht mehr möglich sein sollte und die Saison vorzeitig abgebrochen werden muss, soll innerhalb der nächsten beiden Wochen eine Regelung hinsichtlich der sportlichen Wertung entwickelt werden“, hieß es in der DFL-Mitteilung vom Donnerstag. Das Thema sei bei der Mitgliederversammlung „nicht vertiefend erörtert“ worden.

Die DFL hält zudem weiter an ihrem Plan fest, die laufende Saison vollständig und inklusive Relegation beenden zu wollen. Dies sei „einstimmig mit einer Enthaltung“ bekräftigt worden, hieß es vom Ligaverband. Geplant ist die Beendigung bis zum 30. Juni. Falls es notwendig sei, soll dies, sofern rechtlich möglich, auch im Juli noch geschehen.

Vor dem heiklen Start der Geisterspiele entzweit vor allem die Abstiegsregel bei einem Saisonabbruch die Liga. Zehn Erstliga-Clubs stimmten am Mittwoch bei einer Telefon-Schalte laut „Kicker“ für den DFL-Vorschlag, die dann aktuelle Tabelle zu werten – acht aber votierten dagegen. Geht es nach der DFL, würde dann der „Bild“ zufolge nach Tabellenlage ein Meister gekrönt werden, es gäbe jeweils zwei feste Absteiger und keine Aufstockung der Ligen.

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Werder Bremens Aufsichtsratschef Marco Bode dementierte, dass es eine Abstimmung gab. Er kritisierte dennoch heftig die Vorgehensweise der DFL. „Das ist eine Regelung, die unglaublich viel nach sich zieht. Da kann man nicht einfach en passant wenige Tage vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs eine Entscheidung solcher Tragweite treffen“, sagte Bode am Mittwochabend in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Ohnehin ist die Stimmung vor dem gewagten Wiederanpfiff der 1. und 2. Liga am Samstag höchst angespannt nach der gesellschaftlichen Debatte um diesen Schritt. Für den Profifußball geht es um viele Millionen und sogar die wirtschaftliche Existenz einiger Clubs.

Es gehe schlicht um „den Fortbestand der Ligen in ihrer jetzigen Form“, versicherte DFL-Chef Christian Seifert zuletzt immer wieder. Als Krisenmanager steuert der 51-Jährige die Bundesliga in einen „absoluten Notbetrieb“, wie er dem ZDF sagte. Unermüdlich betont er: „Jedem in der Liga muss klar sein: Wir spielen auf Bewährung.“

Quelle: mit Agenturmaterial von dpa