Foto: Combo AFP/dpa
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Neymar bestimmt die Schlagzeilen bei der WM in Russland. Erst war seine neue Frisur, ein Nudeltopf, in aller Munde. Jetzt geht es um die Schauspielerei, mit der sich der 26-Jährige mal wieder selbst in die Schusslinie der Kritiker befördert hat. Nur über die sportliche Klasse des vielleicht besten Spielers der Welt spricht (fast) niemand.

Neymar, Neymar, Neymar – nach dem brasilianischen 2:0 (0:0) im WM-Achtelfinale gegen Mexiko drehte sich wieder einmal alles nur um den Superstar von Paris Saint-Germain. Und erneut ging es nicht um die sportliche Leistung des Angreifers, die mit einem Tor und einem Assist auf den Ex-Hoffenheimer Roberto Firmino wieder einmal über jeden Zweifel erhaben war.

Nach dem Achtelfinale in Samara redete zunächst niemand darüber, dass Neymar wieder auf dem Weg zur Bestform ist. Alles drehte sich um die Schauspiel-Einlage des Brasilianers.

„Neymar – eine Schande für den Fußball“

Mexikos Trainer griff den Ausnahmefußballer nach der Partie heftig an. Seine Mannschaft habe lange Zeit sehr gut gespielt. „Aber leider haben wir viel Zeit verschwendet wegen eines Spielers. Es ist eine Schande für den Fußball“, sagte Ricardo Osorio, ohne Neymar beim Namen zu nennen. „Dadurch haben wir unseren Rhythmus verloren. Das ist ein schlechtes Beispiel für die ganze Welt und all die Kinder vor dem Fernseher. Es sollte nicht so viel Schauspielerei geben“, klagte der mexikanische Coach.

„Es gab eine Phase, in der das Spiel vier Minuten unterbrochen war. So etwas darf es nicht geben“, echauffierte sich Osorio über jene Szene, die nach der Begegnung die Gemüter erregte. Der Mexikaner Miguel Layun war Neymar unmittelbar vor der brasilianischen Bank auf den Knöchel getreten, als er sich den Ball schnappen wollte, damit das Spiel fortgesetzt werden konnte. Der Mexikaner hatte Glück, dass er für dieses Vergehen nicht vom Platz flog.

Was Layun rettete: Die Theatralik, mit der sich Neymar in der Situation auf dem Boden krümmte, als habe er sich so schwer verletzt, dass er in diesem Turnier mit Sicherheit nicht mehr mitwirken könnte. Doch wenige Minuten später lief Neymar wieder über den Rasen, als sei nichts gewesen. Schiedsrichter Gianluca Rocchi aus Italien verzichtete auf einen Platzverweis für den Mexikaner.

In den Sozialen Netzwerken hielt sich die Aufregung über das unstrittige Foul des Mexikaners in Grenzen. Die Gemüter erhitzte stattdessen Neymar und seine Show nach dem Foul. Die mexikanische TV-Moderatorin Vanessa Huppenkothen forderte stellvertretend für viele User einen Oscar für „Schauspieler“ Neymar.

Zudem machten lustige Videos wie „Wenn Neymar eine Ratte wäre“ die Runde. Zahlreiche Menschen reagierten aber auch genervt und wütend, sprachen von Unsportlichkeit.

Ob Brasilien mit Neymar Weltmeister wird? Darüber lässt sich immer noch keine seriöse Prognose abgeben. Doch eines ist dem brasilianischen Superstar schon sicher: weltweiter Spott und Verachtung. Für den Oscar wird es wohl nicht reichen.

(Mit Agenturmaterial (dpa))