Borussia Dortmund: DFB ermittelt gegen Bellingham – auch Gräfe im Visier?

BVB-Profi Jude Bellingham ist nach dem 2:3 gegen den FC Bayern München im norwegischen TV der Kragen geplatzt. Das dürfte ein Nachspiel für den Profi von Borussia Dortmund haben. Der DFB ermittelt gegen den jungen Engländer.
Jude Bellingham Schiedsrichter
Foto: Bernd Thissen/dpa

Nach seinen Äußerungen über Schiedsrichter Felix Zwayer beim Bundesliga-Gipfel gegen den FC Bayern droht dem Dortmunder Profi Jude Bellingham ein juristisches Nachspiel. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes ermittelt gegen den 18 Jahre alten englischen Nationalspieler.

„Der Kontrollausschuss wird die Äußerung des Dortmunder Spielers Jude Bellingham auf ihre sportstrafrechtliche Relevanz prüfen“, sagte Anton Nachreiner, der Vorsitzende des Gremiums, am Sonntag auf dpa-Anfrage.

Bellingam hatte nach dem 2:3 seines Teams gegen den Tabellenführer aus München nicht nur die Elfmeter-Entscheidung nach Videobeweis zugunsten der Bayern in der 77. Minute, sondern auch „viele andere Entscheidungen“ von Zwayer im norwegischen TV mit den Worten „Du gibst einem Schiedsrichter, der schon in Spielmanipulationen verwickelt war, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du?“ kritisiert.

Das Video könnt ihr euch hier anschauen:

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sieht in den Aussagen des BVB-Youngsters im Gespräch mit dem „kicker“ keinerlei Probleme: „Sein Satz ist nicht falsch, auch wenn er ihn nicht sagen muss. Aber das ist dann auch der Emotionalität geschuldet, die man einem 18-Jährigen zugestehen muss. Jude hat niemanden beleidigt, sondern ein Faktum geschildert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihm daraus irgendwelche Nachteile entstehen.“

Anwalt Christoph Schickhardt glaubt ebenfalls nicht, dass der BVB Bellingham bestrafen kann. „Es ist nicht zu verfolgen, was Bellingham gesagt hat. Seine Aussage ist unanständig, aber nicht zu beanstanden, sie ist ganz klar vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Sie ist legal, aber nicht legitim. Wer so etwas wie Zwayer angestellt hat, muss damit leben. Der DFB kann aus meiner Sicht nicht gegen Bellingham vorgehen“, sagte der Verteidiger von Schiedsrichter Felix Zwayer im Hoyzer-Prozess ebenfalls dem „kicker“.

Auch Anzeige gegen Manuel Gräfe gestellt?

Nach einem „Bild“-Bericht soll außerdem Schiedsrichter-Beobachter Marco Haase Strafanzeige gegen Bellingham und auch gegen Ex-Spitzenschiedsrichter Manuel Gräfe gestellt haben. Strafbestände seien Beleidigung, Nachrede und Verleumdung. Demnach habe der Dortmunder Nachwuchsstar ohne den einstigen Bundesliga-Schiedsrichter Gräfe, der die Szene am Samstagabend in Dortmund für das ZDF kommentierte, „diese Äußerung aus Lebenserfahrung nicht getan haben“ können. Der DFB äußerte sich dazu vorerst nicht.

Der aus Altersgründen nicht mehr als Referee tätige Gräfe hatte Zwayer aufgrund seiner Verwicklungen in den 2005 aufgedeckten Wettskandal um Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer kritisiert. „Wer einmal Geld angenommen und Hoyzers Manipulation ein halbes Jahr verschwiegen hat, sollte keinen Profifußball pfeifen“, hatte Gräfe vor Monaten im „Zeit Magazin“ gesagt.

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mit Agenturmaterial der dpa