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Es ist lange her, dass der BV Cloppenburg im Fußball mal für Aufsehen gesorgt hat. Jetzt hat es der Verein aus der Oberliga Niedersachsen geschafft. Die Frauen-Trainerin Imke Wübbenhorst soll die Männer-Mannschaft vor dem Abstieg retten – und sieht sich sexistischen Anfeindungen ausgesetzt.

Einen Wunsch hat Imke Wübbenhorst, bevor sie in diesem Januar ihren vielbeachteten neuen Job als Fußball-Trainerin einer Männer-Mannschaft antritt. „Ich hoffe, dass ich nicht nur auf das Thema Mann/Frau reduziert werde, sondern daran gemessen werde, welche Leistung wir bringen“, sagte die A-Lizenz-Inhaberin und frühere U20-Nationalspielerin der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Selten, aber nicht ganz neu

Eine Frau trainiert ein Männerteam – das ist im Fußball nicht neu, aber immer noch selten. Die 30 Jahre alte Wübbenhorst soll den früheren Regionalligisten BV Cloppenburg vor dem Abstieg aus der fünftklassigen Oberliga Niedersachsen retten. Bislang trainierte die ehemalige Spielerin des Hamburger SV die Frauen-Mannschaft des Vereins in der 2. Bundesliga. Kurz vor Weihnachten machte sie der BVC zur Nachfolgerin des zu Atlas Delmenhorst gewechselten Olaf Blancke.

„Ich glaube, es wird sich irgendwann durchsetzen, an der Qualität der Arbeit gemessen zu werden, ob man eine Mannschaft weiter bringen kann“, sagte Wübbenhorst. Noch aber gehört sie zu einem sehr kleinen Kreis von Kolleginnen, die im Männerfußball eine Chance bekommen.

Die türkischstämmige Duygu Erdogan war in der vergangenen Saison Co-Trainerin des Viertligisten Rot-Weiß Oberhausen und gehörte davor unter anderem zum Trainerstab bei Galatasaray Istanbul. 2009 führte die frühere Nationalspielerin Sissy Raith die Männer des TSV Eching aus der Bezirksliga in die Landesliga zurück. In Frankreich arbeitete die aktuelle Frauen-Nationaltrainerin Corinne Diacre drei Jahre lang als Chefcoach des Zweitligisten Clermont Foot. Und in Hongkong führte Chan Yuen-ing den Eastern SC 2016 zur Meisterschaft.

„Zunächst war ich etwas überrascht, dass man mir das Vertrauen geschenkt hat, obwohl es Alternativen gab“, sagte auch Wübbenhorst. „Als die Stelle frei wurde, habe ich eher aus Spaß gemeint: Ich mache das. Aber wir wurden uns in den Gesprächen schnell einig.“

Es gibt keine Zweifel an ihrer Kompetenz

Das Frauenteam war in Cloppenburg in den vergangenen Jahren immer deutlich erfolgreicher als die Männer. Kann eine Frau auch ein Männerteam trainieren – in diesen Kategorien hat man in diesem Verein deshalb auch nie gedacht. „Da haben wir überhaupt keine Zweifel“, sagte BVC-Vorstand Udo Anfang. „Imke Wübbenhorst ist aufgrund ihrer Qualifikation absolut in der Lage, das Team zu trainieren.“

Die Diskussion um ihre Fähigkeiten geht dennoch teilweise unter der Gürtellinie. In der Tageszeitung „Die Welt“ berichtet die 30-Jährige von sexistischen Vorurteilen ihr gegenüber: Jemand hätte sie einmal gefragt, ob sie eine Sirene trage, wenn sie die Kabine betrete, damit sich die Männer noch schnell ihre Hose anziehen könnten. Ihre geniale und schlagfertige Antwort auf die Frage, verbreitete sich schnell im Internet: „Natürlich nicht. Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf.“

Erst einmal ist ihr Engagement bis zum Saisonende befristet. Trainingsbeginn ist am 14. Januar. Über Weihnachten hat Imke Wübbenhorst aber schon nicht nur Geschenke ausgepackt, sondern ihren Spielern bereits individuelle Trainingspläne geschickt. „Das ist Herausforderung und Chance zugleich, mich in der Trainerwelt über den Frauenbereich hinaus zu etablierten“, sagte sie.

Urlaub für die Fußballlehrer-Lizenz

Schon als Spielerin war die in Aurich geborene Sport- und Biologielehrerin dort, wo es ihr BVC nie hingeschafft hat. Mit dem Geld des Feinkost-Unternehmers Albert Sprehe sowie prominenten Namen wie Werner Biskup und Valdas Ivanauskas wollte der Verein um die Jahrtausendwende in den bezahlten Fußball aufsteigen. Doch mittlerweile sind die Cloppenburger finanziell schwer angeschlagen und nur noch Tabellenletzter in Liga fünf.

Wübbenhorst dagegen spielte sechs Jahre für den Hamburger SV, danach beim BV Cloppenburg und 2015 noch einmal bei Sporting Huelva in Spanien. Als Mittelfeldspielerin kam sie in den deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaften U17, U19, U20 und U23 zum Einsatz. Seit 2016 arbeitet sie am Gymnasium Bad Zwischenahn und peilt ab Juni beim DFB die Ausbildung zur Fußballlehrerin an. „Eine Beurlaubung ist bereits mit der Schulleitung besprochen“, sagte sie. Aber vorher will sie noch den BV Cloppenburg vor dem Abstieg retten.

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(mit Agenturmaterial von dpa)