Dominic Thiem
Foto: Andy Brownbill/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Corona-Pandemie hat den Sport weltweit weiter fest im Griff. Kein Sportler kann derzeit seinen Beruf ausüben. Topverdiener können das vielleicht über einen längeren Zeitraum verkraften, für viele andere ist die Situation existenzbedrohend. Das gilt auch für den Tennis-Sport. Doch nicht jeder Superstar reagiert gleich auf die Krise. Der Österreicher Dominic Thiem hält offenbar beispielsweise nicht allzu viel von Solidarität.

Der 26-Jährige hat es geschafft. Er hat in seiner noch kurzen Laufbahn bereits ein stattliches Preisgeld in Höhe von knapp 24 Millionen US-Dollar verdient. Der Österreicher ist aktuell die Nummer drei der Welt, lediglich der Serbe Novak Djokovic und der Spanier Rafael Nadal sind in der Tennis-Weltrangliste noch vor dem Österreicher mit den auffälligen Segelohren notiert.

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Thiem könnte sich in der schweren Corona-Krise solidarisch zeigen. Er könnte ein Zeichen setzen, indem er schwächeren Spieler auf der Profi-Tour finanziell unter die Arme greift. Denn auch einem Thiem sollte klar sein, dass eine Tennis-Tour nicht nur aus 50 Profis bestehen kann. Doch der Österreicher, der bei den French Open in Paris schon zweimal das Finale erreichte und auch bei den Australian Open schon einmal am Turniersieg schnupperte, sieht sich nicht in der Pflicht, anderen Kollegen zu helfen.

In einem Video-Interview mit der „Kronen Zeitung“ sagt er angesprochen auf ein „Verteilungsproblem im Tennis“ und eine mögliche finanzielle Unterstützung von schwächeren Spielern: „Keiner von uns Topleuten hat hier etwas geschenkt bekommen. Wir haben uns alle hochkämpfen müssen. Und dann muss man auch sagen, dass kein Tennisspieler – auch keiner, der ganz weit unten steht – ums Überleben kämpft. Es wird keiner verhungern!“

Doch Thiem war noch nicht fertig: „Ich kenne die Future-Tour, habe dort zwei Jahre lang gespielt. Dort gibt es sehr viele Spieler, die dem Sport definitiv nicht alles unterordnen. Leute, die sicher nicht so professionell leben wie es sein sollte. Ich würde es nicht ganz einsehen, warum ich solchen Spielern Geld schenken sollte. Ich spende lieber an Leute oder Institutionen, die es wirklich brauchen.“ Abschließend sagte er zu dem Thema: „Ich habe in keinem Beruf, die Garantie, dass ich irgendwann einmal gut werde und dann richtig viel Geld damit verdiene.“

Auf Twitter sorgten Thiems Aussagen für Gesprächsstoff unter den Tennis-Fans. Bei den meisten Fans kam der Österreicher mit seinen Thesen nicht besonders gut an:

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Und auch Spieler, wie der deutsche Profi Dustin Brown bewerten die Aussagen des Österreichers kritisch:

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In der Krise zeigt sich bekanntlich der Charakter. Thiem vertritt eine recht simple These, die da lautet: Mir wurde im Leben nichts geschenkt, also verschenke ich auch nichts. Das kann man so sehen, aber dann sieht man sich am Ende des Tages zwangsläufig dem Vorwurf ausgesetzt, ein egoistisches Arschloch zu sein. Das scheint wiederum Thiem egal zu sein. Zumindest hier ist er konsequent.

Und sein Argument, dass es Institutionen gebe, die seine Spendengelder noch dringender brauchen, ist sicher eines aus der Rubrik „Totschlagargument“, denn damit macht er es sich ziemlich einfach. Vor allem: Hier ging es nicht darum, die Welt mit einer Spende zu retten, sondern seinem Sport und den Athleten dieser Sportart zu helfen. Dem Sport, den Thiem seinen finanziellen Aufstieg zu verdanken hat. Schade, dass er das nicht verstanden hat.

Und die Tatsache, dass er ganz offensichtlich vergessen hat, dass Tennisturniere auch schon vor dem Halbfinale beginnen, stimmt noch viel nachdenklicher. Thiem übersieht bei seinen Gedanken zudem, dass es sehr wohl viele Tennis-Profis gibt, die professionell arbeiten – und dennoch nicht regelmäßig die großen Preisgelder einstreichen. Nicht jeder Spieler, der es nicht in die Top 100 schafft, ist einfach nur faul.

Die Spielervereinigungen ATP (Männer) und WTA (Frauen), der Weltverband ITF sowie die Organisatoren der vier Major-Turniere hatten zuletzt gemeinsam verkündet, ein Hilfsprogramm für Spieler und Spielerinnen einführen zu wollen, die von den Folgen der weltweiten Corona-Krise besonders betroffen sind.

Zudem planen die Superstars Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer offenbar die Einrichtung eines Hilfsfonds für Spieler ab Weltranglistenplatz 250. Insgesamt 4,5 Millionen US-Dollar sollen so zunächst zusammenkommen, 10.000 US-Dollar pro Kopf an die Spieler zwischen Platz 250 und 700 verteilt werden.

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Die Initiative wurde weitestgehend positiv aufgenommen. Der australische Tennis-Profi John Millman hatte jedoch eine kritische Anmerkung zur finanziellen Hilfe für die schlechter platzierten Profis: „Wenn es die Sorge ist, den Spielern zwischen den Plätzen 250 bis 700 zu helfen – warum war dann eine weltweite Pandemie nötig, um das zu verstehen?“

Was Millman wohl zum Interview und vor allem erst zur Einstellung von Thiem sagt?