Wintersport-Berichterstattung bei ARD und ZDF
Foto: Matthias Balk/dpa

Auch wenn die Zeit deutscher Dauer-Erfolge vorerst vorbei ist, lockt Biathlon noch immer die TV-Zuschauer. Die Quoten bei ARD und ZDF sind enorm und übertreffen bisweilen sogar Fußball-Länderspiele. Die Gründe für die Beliebtheit beschäftigen nicht nur Fernseh-Macher.

Wenn im Schnee auf kleine schwarze Scheiben geschossen wird, schnellen die Einschaltquoten nach oben. Obwohl Biathlon nur von wenigen Deutschen selber betrieben wird, lockt die Sportart regelmäßig ein Millionen-Publikum vor den Fernseher. Die Skijagd ist hierzulande nach Fußball derzeit der zweite große TV-Liebling. ARD und ZDF dürfen sich bei der am Mittwoch beginnenden WM im slowenischen Pokljuka auf große Reichweiten und hohe Marktanteile freuen.

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Biathlon ist ein TV-Phänomen, das die öffentlich-rechtlichen Sender seit Jahren mit stabilen oder sogar steigenden Zahlen erfreut. „Es ist und bleibt die beliebteste Winterport-Disziplin“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky der Deutschen Presse-Agentur. Die Gründe liegen für ihn auf der Hand: „Es bietet die meisten Überraschungen. Das Faszinierende ist, dass man bis zum letzten Schießen nicht weiß, wer gewinnt – es kann immer noch etwas passieren. Man muss bis zum Schluss dranbleiben.“

Die Sportart habe eine wachsende Beliebtheit, „weil sie sich immer wieder neu erfindet“, sagte der Medienwissenschaftler Christoph Bertling der dpa. „Wir wissen, dass Sportarten, die sich immer stärker mediatisieren wollen, gewisse Schritte einleiten, damit die Medien auf sie aufmerksam werden. Biathlon hat das ganzheitlich und wohl überlegt gemacht und über 10, 15 Jahre tatsächlich auf verschiedenen Ebenen durchgezogen“, erklärte der Dozent an der Deutschen Sporthochschule Köln.

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Die Biathlon-Verantwortlichen haben nach Ansicht des Medienexperten mehrere Stufen genommen: „Sie sind in die Stadien gegangen, sie haben ein Happening oder eine Eventisierung draus gemacht, ihre Wettkämpfe komplett neu ausgerichtet.“

Während der laufenden Weltcup-Saison ist die Zahl der TV-Zuschauer sogar gestiegen, obwohl das Publikum vor Ort fehlte. „Biathlon wird noch mehr geschaut als im vergangenen Jahr“, berichtete ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. „Wir hatten am letzten Wochenende vor der WM mit fast sechs Millionen Zuschauern und Marktanteilen um die 30 Prozent und darüber absolute Rekordwerte.“

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Biathlon hat die Formel 1 im Fernsehen schon lange als Nummer 2 hinter Fußball abgehängt. Einzelne Rennen hatten sogar mehr Zuschauer als Spiele der Fußball-Nationalmannschaft im vergangenen Jahr. Insgesamt schafften es neun Biathlon-Übertragungen unter die 50 erfolgreichsten Sport-Sendungen des Jahres 2020.

Nur Handball kann da mithalten und hat bei Erfolgen höhere Einschaltquoten. Allerdings blieben die beim WM-Desaster im Januar in Ägypten aus, von den guten Zahlen bei der Heim-WM 2019 und bei der EM vor einem Jahr waren die Werte weit entfernt. Die meistgesehene Partie der WM 2021 war gegen Spanien mit 4,95 Millionen Interessierten – und sie liegt damit unterhalb mehrerer Biathlon-Übertragungen dieses Jahres.

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Auch bei der Skijagd seien „kontinuierliche Erfolge der deutschen Starter“ für die Quote wichtig, sagte ARD-Mann Balkausky. Das Stammpublikum ist aber offensichtlich größer, da es auch nach dem Ende der Karrieren von Magdalena Neuner und Laura Dahlmeier keinen Einbruch gab. „Die Attraktivität bleibt, auch wenn die Deutschen nicht reihenweise die Spitzenplätze erreichen wie in dieser Saison“, kommentierte ZDF-Sportchef Fuhrmann.

Das TV-Publikum hierzulande ist aber offensichtlich ein Sonderfall. Eurosport-Sportchef Gernot Bauer sagte: „Biathlon ist vor allem in Deutschland ein Phänomen und das TV-Interesse hierzulande besonders groß.“

In anderen Ländern seien die Quoten bei weitem nicht so hoch. „Aus Eurosport-Sicht hat jeder Markt seine Besonderheiten“, erklärte Bauer, dessen Sender in Deutschland alle WM-Rennen überträgt.

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Der Zeitplan der Biathlon-Weltmeisterschaft in Pokljuka:

Mittwoch, 10. Februar

15.00 Uhr: Mixed-Staffel, 4 x 6 Kilometer

Donnerstag, 11. Februar

Ruhetag

Freitag, 12. Februar

14.30 Uhr: 10 Kilometer, Männer, Sprint

Samstag, 13. Februar

14.30 Uhr: 7,5 Kilometer, Frauen, Sprint

Sonntag, 14. Februar

13.15 Uhr: 12,5 Kilometer, Männer, Verfolgung

15.30 Uhr: 10 Kilometer, Frauen, Verfolgung

Montag, 15. Februar

Ruhetag

Dienstag, 16. Februar

12.05 Uhr: 15 Kilometer, Frauen, Einzel

Mittwoch, 17. Februar

14.30 Uhr: 20 Kilometer, Männer, Einzel

Donnerstag, 18. Februar

15.15 Uhr: Single-Mixed-Staffel

Freitag, 19. Februar

Ruhetag

Samstag, 20. Februar

11.45 Uhr: Staffel Frauen, 4 x 6 Kilometer

15.00 Uhr: Staffel, Männer, 4 x 7,5 Kilometer

Sonntag, 21. Februar

12.30 Uhr: Massenstart, Frauen, 12,5 Kilometer

15.15 Uhr: Massenstart, Männer, 15 Kilometer

Quelle: dpa