Foto: Aida Cruises/dpa
Foto: Aida Cruises/dpa

Die „AIDA Nova“ ist das erste Kreuzfahrtschiff der Welt, das beim Antrieb hauptsächlich auf Flüssigerdgas (LNG) setzt – und eine der größten schwimmenden Ferienanlagen auf See.

Kapitän Boris Becker ist erleichtert. Die Überfahrt von Bremerhaven über Rotterdam nach Portugal verlief ohne Probleme, auch das Anlegen in Lissabon. 40 Knoten Wind herrschten, allerdings von vorne. „Das ist nicht ganz so kritisch“, sagt Becker. Von der Seite waren es 30 bis 35 Knoten. „Das hat alles gut geklappt.“ Das Anlegemanöver wäre eigentlich nicht der Rede wert. Doch der Kapitän steuert ein besonderes Kreuzfahrtschiff.

Die „AIDA Nova“ sieht zunächst aus wie ein gewöhnliches Riesenschiff. Doch der Neubau von AIDA Cruises ist eine Weltpremiere. Es handelt sich um das erste Kreuzfahrtschiff, das hauptsächlich mit Flüssigerdgas (LNG) angetrieben wird – sowohl im Hafen als auch auf See. Marinediesel kommt allenfalls unterstützend zum Einsatz. Auf der Fahrt nach Lissabon wurde ausschließlich LNG genutzt.

Die „AIDA Nova“ ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer saubereren Kreuzfahrt – und weg vom Image als Umweltverschmutzer. Die Emissionen von Feinstaub und Schwefeloxiden werden auf dem neuen LNG-Schiff nahezu vollständig vermieden. Der Ausstoß von Stickoxiden und CO2 ist geringer. Schweröl wird nicht verfeuert.

Auch der Nabu hält den Kraftstoff LNG aus Luftreinhaltungssicht für einen großen Gewinn – besonders für die Einwohner in Hafennähe. Beim Anlegen, während die Maschinen weiterlaufen, würden keine giftigen Dieselabgase mehr in die Luft gepustet, erklärt der Verband auf Anfrage. Im Nabu-Kreuzfahrtranking 2018 landete das Schiff daher auf Rang eins. LNG bleibe jedoch ein fossiler Kraftstoff und sei aus Klimaschutzsicht daher nicht zu begrüßen.

„AIDA Nova“ bietet Platz für 6600 Passagiere

Die „AIDA Nova“ ist nicht nur das erste Kreuzfahrtschiff mit LNG-Antrieb, sondern gemessen an der Passagierzahl auch eines der größten Schiffe der Welt. Die insgesamt 2626 Kabinen bieten bei voller Belegung Platz für 6600 Gäste. Die Auslieferung des Neubaus musste um einige Wochen verschoben werden, Reisen wurden abgesagt. Nun ist das Schiff in Dienst gestellt worden.

Die Reederei setzt auf der „AIDA Nova“ ein Konzept fort, das mit „Prima“ und „Perla“ begann: Urlaub für alle. Das Schiff als eigentliche Destination will möglichst viele Zielgruppen ansprechen: Familien mit Kindern, Paare, Aktive, Genießer, junge Leute. Das Angebot muss entsprechend vielfältig sein. Und das geht nur auf einem besonders großen Schiff – abgesehen davon, dass mehr Gäste an Bord auch wirtschaftlicher für die Reederei sind.

Die große Zahl an Gästen will versorgt und unterhalten werden. An Bord gibt es fünf im Reisepreis inkludierte Buffetrestaurants, fünf Spezialitätenrestaurants, in denen die Getränke extra kosten, und sechs Restaurants à la carte, wo für Speisen und Drinks bezahlt werden muss. Hinzu kommt ein Street-Food-Bereich mit Döner, Currywurst und Stullen, schnelles Essen auf die Hand. Darüber hinaus befinden sich an Bord noch insgesamt 23 Bars, darunter die neue Rock Box Bar: Backstein-Optik, Pub-Feeling – und eine ziemlich laute Band.

Einige Lokale wie das Markt Restaurant und Rossini sind altbekannte Klassiker. Neu im Buffetbereich ist das Yachtclub Restaurant – mit Service kommen ein Burgerrestaurant, das Churrascaria Steakhouse, das Fischrestaurant Ocean’s im maritimen Stil und der Teppanyaki Asia Grill. Hier bereitet ein Koch das japanische Essen vor den Augen der Gäste zu, mit viel Dampf und einigen Scherzen. Im Asia-Bereich gibt es nun Tandoori-Öfen zum Garen von Fleischspießen.

Neue Unterhaltungsformate für Groß und Klein

In Sachen Entertainment gibt es ebenfalls Neues: Das Restaurant Time Machine führt in eine Zeitmaschine, Schauspieler treten auf. Der Eintritt führt durch einen Raum, der durch Ruckeln und Soundeffekte einen Aufzug simuliert. Das Gesamtkonzept wirkt dann aber nicht ganz stimmig, denn die Gäste reisen nicht durch die Zeit, sondern in eine Fantasiewelt. Für Kinder ist die Show aber trotzdem spannend.

Das Theatrium wurde weiterentwickelt. Die 360-Grad-Bühne in der Mitte des Schiffes hat nun einen sogenannten Magic Tunnel, eine Art Fahrstuhl für Auftritte der Artisten. Elf LED-Wände und weitere Effekte setzen die neuen Shows an Bord in Szene. Bei „Nashville – Just Good Music“ wirken die Künstler auf der Bühne mit der Band auf dem Riesenbildschirm im Hintergrund zusammen. Die Show bietet Wohnzimmeratmosphäre zum Mitmachen, es geht locker zu. AIDA bietet auf der „Nova“ auch viele moderierte Proben an. Die Shows finden zu verschiedenen Tageszeiten statt, um die Massen zu entzerren.

Außerdem neu ist ein voll ausgestattetes TV-Studio, für Klassiker wie „Wer wird Millionär?“, aber auch eigene Formate. TV-Sender sollen in Zukunft auch Piloten auf der „AIDA Nova“ testen können. Neu ist auch ein Mystery Room, in dem die Gäste in 45 Minuten für Captain Cook eine heilige Reliquie finden müssen (ab 18 Euro).

Wieder dabei sind der Beach Club mit Live-Musik am Abend, der Klettergarten, die Doppelrutsche für Rennen und natürlich die Kinderbetreuung, gestaffelt nach Altersstufen. Die komplett in Weiß gehaltene Champagnerbar von der „Perla“ ist dagegen verschwunden, ebenso wie die Glasaufzüge. Der Spa-Bereich auf der „Nova“ misst 3545 Quadratmeter, der Tagespreis beträgt 35 Euro. Der Zugang ist auf maximal 189 Gäste limitiert, rund die Hälfte der Plätze lässt sich vorbuchen. Erstmals gibt es ein Outdoor-Fitnessstudio.

Neue Einzel- und neue Luxus-Kabinen

Was andere Reedereien schon länger anbieten, hält nun auch bei AIDA Einzug: Auf der „Nova“ gibt es erstmals Einzelkabinen (mit schmalen Betten), jeweils zwölf innen und außen. Neu sind zudem eine Penthouse-Suite über zwei Decks und mit 73 Quadratmetern und Sonnendeck sowie Junior-Suiten mit Wintergarten. Insgesamt stehen 21 Kabinentypen zur Auswahl. Aber es wurde auch an Kleinigkeiten gefeilt, die oft besonders stören: Auf Wunsch der Gäste gibt es nun vier USB-Ladeanschlüsse in der Kabine (drei in Single-Kabinen).

Das Design der Kabinen ist modern, klar und zeitgemäß. Viele öffentliche Bereiche an Bord sind betont gemütlich. AIDA will den Eindruck vermeiden, ein Riesenschiff sei unpersönlich. Auch die einzelnen Restaurants sind zum Beispiel nicht größer geworden.

In der Premierensaison ist die „AIDA Nova“ auf siebentägigen Kreuzfahrten rund um die Kanaren und nach Madeira unterwegs: ab/bis Gran Canaria oder Teneriffa. Im April geht es dann ins westliche Mittelmeer mit den Zielen Mallorca, Barcelona, Marseille, Livorno/Florenz und Civitavechia/Rom. Auch diese Fahrten wird das Schiff mit dem umweltfreundlicheren LNG absolvieren.

Die vier Dual-Fuel-Motoren an Bord des Schiffes können neben LNG auch Marinediesel verwerten – wenn die Leistung nicht reicht, etwa bei besonders schwierigen Bedingungen auf See. Das System schaltet automatisch um – wie bei einem Erdgasauto, nur in groß. Den Diesel habe man immer zur Sicherheit in der Hinterhand, sagt Kapitän Becker. „Wir sind Pioniere, das ist ein Prototyp.“

In den Jahren 2021 und 2023 will AIDA zwei weitere Schiffe mit LNG-Antrieb in Dienst stellen. Dann sollen schon mehr als die Hälfte der AIDA-Gäste auf LNG-Schiffen unterwegs sein. Der Kraftstoff sei derzeit der beste Weg, um die Kreuzfahrt umweltfreundlicher zu gestalten, sagt AIDA-Präsident Felix Eichhorn. „Wir glauben aber, dass man langfristig auch noch andere Antriebsformen finden kann.“ Welche sich einmal durchsetzen, ist derzeit offen. Nur eines ist relativ sicher: Der Boom der Kreuzfahrten dürfte anhalten.

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(dpa)