Tourismus auf Mallorca Ballermann Bierstraße Bierstrasse
Foto: Clara Margais/dpa

Auf Mallorca geht plötzlich die große Sorge um. Schuld sind nach Klagen von Medien und Nachbarn Touristen aus Deutschland und Großbritannien, die wieder Party machen – ohne sich um die Corona-Regeln zu kümmern.

Zum ersten Mal nach dem Corona-Lockdown vor rund vier Monaten haben Hunderte Touristen am Ballermann wieder groß Party gemacht – und damit auf Mallorca große Sorgen ausgelöst. Denn kaum einer der Feiernden beachtete am Wochenende an der Playa de Palma die derzeit in ganz Spanien geltenden Schutzvorschriften.

Angetrunkene Urlauber umarmten nach Medienberichten Straßenhändler und flirteten hemmungslos mit Fremden. „Chaos“, titelte am Sonntag die Regionalzeitung „Última Hora“. Die Lage sei „am Samstag völlig außer Kontrolle geraten“.

Dabei hatte die Regionalregierung in Palma erst am Freitag, nach ersten illegalen, aber noch deutlich kleineren Partys in Bars und Parks, für Verstöße beim Feiern einen Strafenkatalog mit Bußgeldern von bis zu 600.000 Euro beschlossen – und auch verstärkte Kontrollen angekündigt. Am Ballermann habe sich die Polizei aber vorerst kaum blicken lassen, stellte die „Mallorca Zeitung“ fest.

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Die rund 40 000 Bewohner von S’Arenal östlich der Hauptstadt Palma, wo der Ballermann liegt, schwanken derweil zwischen Angst und Empörung. „Natürlich habe ich Bammel. Die Deutschen leben einfach in einer anderen Welt“, sagte eine Nachbarin der Playa der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. „Eine Schande“, klagte „Última Hora“-Leser José Luis in einem der unzähligen, vorwiegend sehr kritischen Online-Kommentare. Ein anderer Nutzer schrieb, die Feiernden würden von „der Mafia der Tourismus-Lobby beschützt“.

Auf einem Video, das die „Mallorca Zeitung“ nach eigenen Angaben am Freitagabend an der berühmt-berüchtigten „Bierstraße“ drehte, ist zu sehen, wie die Menschen im dichten Gedränge feiern, trinken und tanzen – „als gäb’s kein Corona“, so die „MZ“.

Praktisch niemand trägt dabei Maske, obwohl der von der spanischen Regierung für die Zeit der „neuen Normalität“ vorgeschriebene Mindestabstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten wurde. Die wenigen Menschen, die Maske trugen, seien zum Teil laut ausgelacht worden, berichteten verschiedene Medien.

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Besorgniserregende Szenen gab es unterdessen nicht nur am Ballermann, sondern auch in anderen Teilen der Insel. So zum Beispiel laut Medien im besonders bei Briten beliebten Magaluf westlich der Inselhauptstadt, wo hemmungslose Party-Urlauber auf geparkten Autos getanzt und dabei hohe Sachschäden verursacht hätten. Hier habe es einige Festnahmen gegeben, so „Última Hora“.

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Die Bilder schockierten die Insel. Die Szenen zeigten, so die „Mallorca Zeitung“, „wie groß die Gefahr einer zweiten Corona-Welle auf Mallorca sein könnte“. Solch große Ansammlungen feiernder und trinkender Menschen hatte man auf den Balearen seit der Öffnung der Grenzen für ausländische Touristen Mitte Juni bisher nicht gesehen. Das Fazit der „Diario de Mallorca“: „Das Coronavirus hat den Sauftourismus nicht getötet“.

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Auf Tourismus kann man natürlich auf der Insel nicht verzichten, die Branche sorgt für rund 35 Prozent des Einkommens der Region der Balearen – und hat entsprechend viel Einfluss. Und spielt diesen auch aus. Ein Beispiel: Die Regionalregierung hatte am Donnerstag aufgrund der ersten Exzesse und der Nachlässigkeit vieler Bürger eine ungewöhnlich strenge Maskenpflicht angekündigt, die bereits an diesem Montag in Kraft treten sollte. Das Dekret dazu sollte am Freitag kommen. Es kam nicht. Auch am Samstag passierte nichts.

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Der Grund, wie Medien mutmaßen, war der schnelle Protest von Hoteliers und Reiseveranstaltern. Unzählige Buchungen seien schon am Freitag – dem Tag nach der Ankündigung – in Deutschland und Großbritannien gecancelt worden, klagten sie. Die Regierung müsse ihre Maßnahme „überdenken“, forderte die Präsidentin des Hotelierverbandes FEHM, María Frontera. Nach einem Bericht der „Última Hora“ vom Sonntag tut Palma das bereits. Wie und wann die Entscheidung getroffen wird, war zunächst völlig unklar.

Quelle: dpa