Holland 2021
Foto: Daniel Hecht

Sonne, Meer, Frikandel, Kibbeling und Pommes Spezial: Zu einem guten Holland-Urlaub gehört eigentlich nicht viel. Das Problem: Aufgrund frühzeitiger Lockerungen Ende Juni 2021 erlebte das Land im Juli einen extremen Anstieg an Corona-Neuinfektionen – und das, obwohl mittlerweile über 9 Millionen Menschen (gut die Hälfte der Bevölkerung) vollständig geimpft sind. Unser Autor Daniel Hecht hatte mit seiner Familie Urlaub in Holland gebucht und war Ende Juli für eine Woche im Hochinzidenzgebiet unterwegs.

Es ist wahrhaft kein schönes Wort, dieses „Hochinzidenzgebiet“. Es beflügelt die negative Phantasie und lässt Bilder von überfüllten Krankenhäusern zurück ins Gedächtnis wandern. Und damit ist es kein so schöner Start in den Urlaub, wenn man sagt: „Ich fahre ins Hochinzidenzgebiet!“ Immerhin sind die Erwachsenen der Familie komplett durchgeimpft – ebenso wie das familiäre Umfeld daheim. Nur die Kinder sind noch zu jung, die Sorge vor einer Infektion und „Long Covid“-Nachwehen also durchaus vorhanden.

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Holland Makkum 2021
Insbesondere am Strand gab es keinen Grund zur Corona-Sorge: Bei so viel Platz waren Berührungspunkte mit anderen Menschen äußerst selten. Foto: Daniel Hecht

Die Sache mit der Inzidenz

In der Heimat unseres Autors, dem lauschigen Bottrop inmitten des Ruhrgebiets, liegt die Inzidenz der letzten sieben Tage Anfang August bei 10,2. Im fernen Makkum Beach Resort an der Küste Frieslands erreichte die Kurve Mitte Juli dagegen einen Höchststand von 287 neuen Corona-Fällen. Nur wenige Tage später hatte sich der Wert bereits mehr als halbiert, Anfang August liegt Makkum bei einem 7-Tage-Mittelwert von 100 Fällen.

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Es zeigt sich recht schnell: Wer in den Urlaub fährt, sollte sich für seinen inneren Seelenfrieden nicht nur nach der Inzidenz des Landes richten, sondern auch einen präzisen Blick auf Städte und Gemeinden wagen – was über Google mittlerweile gut gelingt. Schließlich ist man nur in den seltensten Fällen in mehr als zwei oder drei Städten vor Ort.

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Bei näherer Betrachtung zeigt sich recht schnell: Es gibt ganz bestimmte Hotspots, welche die Inzidenz des Landes gewaltig nach oben treiben. In Amsterdam beispielsweise liegt der 7-Tage-Mittelwert neuer Fälle Anfang August noch immer über 650. Der Höchstpunkt Mitte Juli lag bei erschreckenden 2.500 neuen Fällen – sicher auch deswegen, weil das Nachtleben wieder vollkommen normal und ohne Maske stattfinden durfte. In ländlicheren Gegenden, zum Beispiel im fernen Süden in der Provinz Zeeland, verzeichnet die Stadt Middelburg Anfang August 59 neue Fälle, im beliebten Camping-Ziel Domburg sind es gerade mal 39.

Makkum Corona
Über Google lassen sich recht schnell und zuverlässig die genauen Corona-Fallzahlen einer Stadt oder Gemeinde herausfinden. Foto: Google/Screenshot

Als einfacher Urlauber in einem Bungalowpark wie dem Makkum Beach Resort lebt man in einer recht abgeschotteten Welt. Sorgen sind hier sich nicht fehl am Platz, zum größten Teil aber unbegründet. Wer den Kontakt mit anderen Menschen scheut, kann sich notfalls im nur äußerst gering besuchten Supermarkt um die Ecke versorgen. Gewöhnungsbedürftig hingegen ist der erste Besuch des örtlichen „Jumbo“-Supermarktes, denn:

Holländer tragen keine Maske

Als wir nach der gut dreistündigen Fahrt von Deutschland nach Holland das erste Mal aus dem Auto steigen, um uns in der Rezeption anzumelden, betreten wir das Gebäude noch mit Maske. Es war das letzte Mal. Schon hier stellt sich heraus: Holländer tragen keine Maske. Weder an der Rezeption, noch im Supermarkt. Einzig Bedienstete kommen (meist) mit einer Maske gekleidet daher. Ansonsten ist uns während der gesamten Urlaubszeit keine Maske untergekommen.

Wenn dann doch jemand Maske trug, konnte man sich sicher sein: Ein deutscher Urlauber, gerade erst angekommen. Willkommen in Holland, dem Land ohne Masken!

Holland Makkum 2021
Selbst bei Hochbetrieb ließen sich an der Strandpromenade selten mehr als 30 bis 40 Menschen gleichzeitig blicken. Foto: Daniel Hecht

Was am Anfang äußerst gewöhnungsbedürftig ist, lässt einen danach doch recht schnell zurück an die „guten alten Zeiten“ vor Corona denken. Übertreiben wir es in Deutschland mit der Maske? Sind die Holländer alle bescheuert? Hier soll extra kein erhobener Zeigefinger stehen. Wohl aber die persönliche Einordnung, dass es ziemlich gut tat, endlich mal wieder „durchzuatmen“.

Das sage ich wohlweißlich als jemand, der wirklich noch nie ein Problem mit FFP2-Masken hatte. Vielleicht weil es hier auch weniger um das „Atmen“, als vielmehr um das kurzzeitige Ausblenden der Krankheit geht, nach dem sich so viele sehnen. Endlich mal abschalten, endlich mal Corona hinter sich lassen. Wahrscheinlich müssen wir stark aufpassen, dass wir in den kommenden Monaten nicht in eine gewisse „Wir sind geimpft!“-Arroganz verfallen – schließlich bleibt Corona auch weiterhin ein Thema. Auch gerade für diejenigen, welche sich (aus welchen Gründen auch immer) noch nicht geimpft haben.

Obwohl die Holländer keine Maske tragen: Beim Besuch eines großen Einkaufszentrums im entfernten Leeuwarden fiel auf, dass die meisten Menschen zumindest die Abstandsregeln beachten. Zu voll oder gar dichtgedrängt war es ohnehin nie.  Ebenso immer wieder genutzt werden die Desinfektionssprays vor den Läden.

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Am Strand ist Corona kein Thema mehr

Holland Makkum 2021
„Walking on Water“ – Der Sohnemann und das Meer. Foto: Daniel Hecht

Aufgrund der nicht gerade sommerlichen Witterungsverhältnisse waren die Ausflüge zum Strand und zum Meer eigentlich immer von der Sorge geprägt, die Kinder könnten sich erkälten: Eine steife Brise, Regenschauer – und dennoch plantschte Sohnemann glückselig in dem gerade mal knietiefen Wasser, welches die Temperatur einer abgekühlten Badewanne hatte. Also die Form von Temperatur, bei der man zuerst zurückzuckt und sich danach mit einem „Ach, was soll’s!“ seinem Schicksal ergibt.

Corona hingegen war am Strand gar kein Thema: Selbst wenn es „voll“ war, wenn die Windsurfer die Wellen eroberten oder in der lokalen Surfschule ihre ersten Schritte auf dem Brett wagten, kam man sich nur in den seltensten Fällen näher als zehn Meter. An der Promenade und den kleinen Imbissbuden verzichteten auch wir erneut auf die Maske – ebenso wie alle anderen. Gewissensbisse? Keine! Spätestens der Blick auf das Meer und die untergehende Sonne verbarrikadierten das Thema „Corona“ im tiefsten Unterbewusstsein.

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Mit Bauchschmerzen zurück nach Deutschland

Holland Makkum 2021
Das Makkum Beach Resort bietet einige wunderbare Reetdachhäuser. Viele von ihnen liegen direkt am Wasser. Foto: Daniel Hecht

Praktisch noch während des Urlaubs wurde in Deutschland beschlossen: Alle Rückkehrer müssen sich testen lassen, genesen oder geimpft sein. Kinder unter 12 Jahren müssen dementsprechend zwingend in Quarantäne. Zehn Tage sind vorgesehen, die Verkürzung auf fünf Tage sind nach negativem Testergebnis möglich. Für uns kein Problem, schließlich haben wir in NRW noch Ferien. Für Kinder aus anderen Bundesländern dürfte die Entscheidung der Bundesregierung für einen verspäteten Schul- oder Kita-Start sorgen.

Obwohl die Erwachsenen der Familie alle durchgeimpft sind und die entsprechenden Papiere dabei haben, stellen sich bei der Heimfahrt Bauchschmerzen ein. Haben wir es uns doch „irgendwie“ eingefangen? Sind die Kinder krank? Das Corona-Monster wird wieder zurück aus dem düsteren Schrank im Unterbewusstsein gelassen und leckt sich schon mal genüsslich die Lippen.

Um sicherzugehen, werden beide Kinder „schnellgetestet“ – Sohnemann stilecht im Sitzen eingepennt im Auto, da er sich sonst wie ein tollwütiger Gremlin gegen die Stäbchen wehrt. An der Grenze zu Deutschland drohen Kontrollen, da will man so gut wie möglich vorbereitet sein. Vor allem mit Kindern, welche lange Autofahrten nicht ganz so toll wegstecken. Beide Tests sind negativ.

Wenig überraschend: Kontrollen gab es keine. Vor Ort waren auch keine Aufbauten für zukünftige Kontrollen zu sehen, die Fahrt über die Grenze erfolgte dementsprechend einfach.

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Fazit

Makkum Beach Resort
Quelle: Daniel Hecht

Wenn man mich fragt, wie sich Ferien im Hochinzidenzgebiet anfühlt, würde ich sagen: nach Urlaub. Nach Sonne. Nach sandigen Badelatschen, nach Grillfleisch, nach leckeren Vla-Eskapaden, nach Frikandel Spezial, nach Muscheln, nach viel Wind im Gesicht und einem geprellten Knie nach einer Autoscooter-Session mit den Kindern. Und vielleicht bin ich in Sachen Corona einer dieser naiven Jungs, die sich dank der Impfung auch als sicher erachten.

Auf jeden Fall aber erscheint mir ein Urlaub im Bungalowpark in Holland weiterhin als sehr unwahrscheinlicher Hotspot für die nächste Corona-Welle.

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Diese Corona-Regeln gelten in Holland

Wer jetzt spontan nach Holland reisen möchte oder eventuell schon längst vor Ort ist, für den fassen wir nochmal die wichtigsten Punkte zusammen. (Stand: 5. August 2021)

  • Aufgrund der Einstufung als Hochinzidenzgebiet müssen Reiserückkehrer, egal ob per Flugzeug, Zug oder PKW, bei der Ankunft in Deutschland einen negativen Test vorweisen können. Alternativ seid ihr bereits genesen oder könnt eine Impfung nachweisen.
  • Außerdem verpflichtend ist die Anmeldung über die Digitale Einreiseanmeldung.
  • Kinder unter 12 Jahren müssen nach dem Urlaub 10 Tage in Quarantäne. Die Quarantäne kann nach Vorlage eines negativen Tests auf 5 Tage verkürzt werden.

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