Kreuzfahrtschiff MS Zaandam
Foto: Arnulfo Franco/AP/dpa

Das Coronavirus hat die Kreuzfahrt weiter fest im Griff. Die Krise wird immer größer, noch immer befinden sich einige große Kreuzfahrtschiffe mit rund 8000 Passagieren auf hoher See auf der Suche nach einem Hafen, der sie aufnimmt.

Doch wegen der Corona-Krise will niemand die Schiffe in seinem Hafen anlegen lassen. Es herrschen Unsicherheit und Chaos, in einem Fall will sich jetzt US-Präsident Donald Trump sogar einschalten.

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Welche Kreuzfahrtschiffe sind betroffen? Wie auf der Seite cruisemapper.com, die weltweit Kreuzfahrtschiffe aufspürt, zu sehen ist, sind diese zehn Kreuzfahrtriesen noch immer auf hoher See unterwegs:

  • MS Rotterdam
  • Coral Princess
  • MS Arcadia
  • Queen Mary 2
  • MS Zaandam
  • Columbus
  • Pacific Princess
  • MSC Magnifica
  • Hanseatic Nature*
  • MS Europa*

Die letztgenannten Schiffe (gekennzeichnet mit *) fahren jedoch ohne Passagiere an Bord, lediglich die Crew hat die Schiffe noch nicht verlassen. Das berichtet auch das Portal „Business Insider“.

Die Kreuzfahrtreederei Aida Cruises hatte die Fahrten ihrer 14 Schiffe umfassenden Flotte wegen der Ausbreitung des Coronavirus bereits vor eineinhalb Wochen bis zum 30. April eingestellt und damit auch auf die Reisewarnung, die von Außenminister Heiko Maas auf Ende April datiert wurde, reagiert.

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Die aktuelle Situation an Bord der betroffenen Kreuzfahrtschiffe ist derweil teils dramatisch, mindestens aber unübersichtlich. Die meisten der Schiffe haben bislang noch keine positiv auf das Coronavirus getestete Passagiere an Bord. An Bord der MS Zaandam sieht das leider anders aus. Dort herrscht langsam Panik.

Der Präsident der Reederei „Holland America Line„, Orlando Ashford, warnte vor weiteren Todesfällen auf dem Schiff. „Es sind schon vier Gäste gestorben und ich befürchte, dass weitere Menschenleben auf dem Spiel stehen“, schrieb er auf der Internetseite seines Unternehmens, das die „Zaandam“ und das Schwesterschiff „Rotterdam“ betreibt.

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Beide Schiffe sind derzeit zusammen in der Karibik unterwegs und haben 2500 Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord, darunter etwa 80 Deutsche. Die Zahl der Corona-Infizierten auf der „Zaandam“ ist nach Angaben Ashfords inzwischen auf acht gestiegen. 193 Personen klagen über Grippe-Symptome.

Man hofft bei der Reederei, dass die „Zaandam“ bald den Hafen von Fort Lauderdale anlaufen darf. Floridas Gouverneur Ron DeSantis hatte jedoch zuletzt erklärt, er wolle das Schiff mit seinen inzwischen acht Corona-Infizierten nicht einlaufen lassen. Doch US-Präsident Donald Trump will sich nun höchstpersönlich dafür einsetzen, dass das eben doch passiert.

Trump sagte am Dienstagabend (Ortszeit), er werde bald mit DeSantis über den Fall sprechen. „Ich werde tun, was das Richtige ist – nicht nur für uns, sondern für Menschlichkeit.“ Der Präsident fügte hinzu: „Es gibt Menschen, die auf dem Schiff sterben oder zumindest sehr krank sind.“

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas äußerte sich bereits zu dem Drama. Er hatte bereits am Montag die Hoffnung, dass die beiden Schiffe bald in den Hafen von Fort Lauderdale einlaufen und die Passagiere von dort ausgeflogen werden können. „Wir arbeiten daran, aber ich kann noch keine Entwarnung geben“, sagte der SPD-Politiker in einem „Bild“-Interview.

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Die beiden Schiffe nahmen am Dienstag trotz der Absage des Gouverneurs weiter Kurs auf Florida. Die Verwaltung des Hafens von Fort Lauderdale hatte sich zuletzt offen für eine Aufnahme des Schiffes gezeigt, aber mehrere Bedingungen zu Versorgung und Abtransport der Passagiere gestellt. Es wird damit gerechnet, dass die „Zaandam“ und die „Rotterdam“, die die gesunden Passagiere der „Zaandam“ aufgenommen hat, am Mittwochabend oder Donnerstagmorgen (Ortszeit) in Fort Lauderdale eintreffen.

Die Holland America Line steuert den Hafen Port Everglades in Fort Lauderdale bereits seit den 30er Jahren an. Im Geschäftsjahr 2019 machten die Kreuzfahrtschiffe der Reederei 129 Mal in dem Hafen fest und brachten 459.194 Menschen nach Florida. Damit sorgte die Reederei für einen Umsatz von acht Millionen Dollar in dem Hafen.

Quelle: mit Agenturmaterial von der dpa