Aida Mira Hafen
Foto: Andrea Warnecke/dpa

Erstmals seit vielen Jahren hat Aida Cruises mit der „Aida Mira“ wieder ein gebrauchtes Schiff in seine Flotte übernommen – und aufwendig umbauen lassen. Dabei gab es, vorsichtig ausgedrückt, einige Probleme.

Lange Gesichter und wütende Kommentare: So hatten sich die Urlauber ihre Kreuzfahrt auf der „Aida Mira“ wohl kaum vorgestellt. Der Neuzugang von Aida Cruises machte zunächst dadurch Schlagzeilen, dass die erste Reise direkt nach der Taufe in Palma de Mallorca abgesagt werden musste. Die Passagiere befanden sich schon an Bord. Zu viele Bereiche des Schiffs waren schlichtweg nicht in einem Zustand, der zum Auslaufen taugte.

Vor allem an den Außenbereichen konnte während des Werftaufenthalts in Genua laut Reederei wegen des schlechten Wetters kaum etwas gemacht werden. Dann wurde auch die Überführungsfahrt nach Südafrika abgesagt, um alle noch offenen Arbeiten abzuschließen. Die erste Kreuzfahrt soll nun erst am 23. Dezember 2019 starten.

Von Costa zu Aida

Für Aida Cruises ist es das 14. Flottenmitglied, in der Geschichte der Reederei aber erst das zweite Kreuzfahrtschiff, das gebraucht gekauft wurde: Die „Aida Mira“ soll das Selection-Programm ergänzen.

Das Schiff wurde 1999 für Festival Cruises als „Mistral“ in Dienst gestellt. In den vergangenen Jahren fuhr es als „Costa neoRiviera“ für die Aida-Schwestermarke. Die rund 20 Jahre sieht man ihm an etlichen Stellen an. Auch dann, wenn alle Arbeiten abgeschlossen sein werden. Das ist aber nicht so schlimm.

Das Klassische fällt zum Beispiel im Theater ins Auge. Anders als bei allen anderen Aida-Schiffen ab der Sphinx-Klasse gibt es wieder ein geschlossenes Theater mit rund 600 Plätzen und kein Theatrium. Für die 1428 Passagiere, die bei Doppelbelegung der Kabinen an Bord sind, stehen zwei Shows pro Abend im Programm. Die sind teilweise etwas anders gestaltet, zum Beispiel in Form eines Klassikabends.

Aida-Fans werden aber auch viele altbekannte Shows wiedererkennen, zum Beispiel die „Aida Stars“ und Fernsehformate wie „Wer wird Millionär?“. Erstmals gibt es in einem Theater auf einem der Selection-Schiffe eine große LED-Wand.

Bedienung am Platz

Konventionell gestaltet sich das Essen an Bord. Lag der bisherige Fokus der Aida-Schiffe auf Buffet-Restaurants, findet der größte Teil der Passagiere auf der „Aida Mira“ in einem Bedienrestaurant namens Explorer Platz. Service am Tisch, die üblichen Getränke sind inklusive. Immerhin der Salat kommt in Buffet-Form. 450 Sitzplätze bietet das Restaurant, gegessen wird in zwei Schichten.

Viele Gäste würden sich gerne bedienen lassen, erklärt Aida zu dem neuen Konzept. Außerdem spielten bauliche Gegebenheiten eine Rolle. In den ersten Tage nach der Taufe war jedoch auffällig, dass sich die Crew noch auf das neue Konzept einstellen muss.

Mit dem Marktrestaurant gibt es weiterhin ein Buffetrestaurant an Bord. Daneben bietet das Selection-Restaurant den Suiten-Gästen und anderen Passagieren gegen Aufpreis Frühstück, Mittag- und Abendessen. Bekannt von anderen Aida-Schiffen ist außerdem das Buffalo Steakhouse.

Der Spa-Bereich wurde komplett neu gestaltet. Sauna gibt es hier – wie auf den anderen Selection-Schiffen und bei der Sphinx-Klasse – kostenlos.

Weniger Balkone

Das Design vor allem in den neu gestalteten Bereichen ist deutlich anders als noch bei Costa: helle Farben, viele helle Brauntöne.

Anders als bei Neubauten bietet die „Aida Mira“ allerdings deutlich weniger Balkonkabinen. Nur die 113 Suiten und 12 weitere Kabinen verfügen über einen Balkon. Alle anderen sind Außen- oder Innenkabinen. Auch sechs Einzelkabinen gibt es an Bord.

In einigen Kabinen hat Aida bislang nur wenige Veränderungen vorgenommen, andere präsentieren sich komplett neu gestaltet. In den ersten Tagen nach der Taufe gab es nicht zuletzt dort noch einige Probleme – zum Beispiel mit dem Wasser.

Kreuzfahrten in Südafrika

Neuland betritt Aida bei den Routen. Im Winter fährt die „Aida Mira“ rund um Südafrika, jeweils ab Kapstadt. Durban, Port Elizabeth und Lüderitz in Namibia zählen zu den Stationen der Route.

Das Konzept: Die Selection-Schiffe, zu denen auch die drei ältesten Schiffe der Flotte „Aida Cara“, „Aida Vita“ und „Aida Aura“ zählen, bieten oft längere Aufenthalte in den Häfen. Und sie können aufgrund ihrer geringen Größe ausgefallenere Orte anlaufen.

Aus diesem Grund ist das Publikum an Bord wohl etwas älter als üblich bei Aida-Kreuzfahrten. Auch weniger Kinder fahren mit, wobei auf der „Mira“ ein kleiner Kidsclub zur Verfügung steht.

Umweltschädlicher Antrieb

Anders als der letzte Neubau „Aida Nova“ verfügt die „Aida Mira“ nicht über einen LNG-Antrieb. Das Schiff fährt mit umweltschädlichem Schweröl und Marinediesel. Die Abgase werden an Bord gereinigt.

Alte Kreuzfahrtschiffe haben zwangsläufig eine schlechte Umweltbilanz. Der Kritik daran begegnet Aida mit dem Argument, dass man ein altes Schiff quasi recycle und dadurch die Umwelt weniger belaste als mit einem Neubau, für den ebenfalls Ressourcen gebraucht werden. Wobei es wohl auch keinen Werftplatz gegeben hätte.

Fazit: Wenn die Probleme an Bord behoben sind, dürfte sich die „Aida Mira“ gut in die Selection-Flotte einfügen. Viele Bereiche sind durchaus hübsch gestaltet, an einigen werden die Handwerker in den kommenden Tagen und Wochen sicherlich noch viel zu tun haben. Und die Crew wird sich noch einspielen müssen, um künftig ein Schiff in der Flotte zu haben, das gewohntes Aida-Niveau bietet.

Quelle: dpa