Heilfasten
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Obwohl das Heilfasten (auch therapeutisches Fasten) eine jahrtausendealte Tradition hat, geht es in seiner heutigen Form auf Dr. Otto Buchinger zurück, der von 1878 bis 1966 lebte. Buchinger war Arzt bei der Marine, wurde wegen chronischer Gallenblasen und Gelenk-Entzündung jedoch im Alter von 40 Jahren entlassen. Durch das Fasten erlangte er seine Gesundheit zurück und berichtet in seinem 1935 veröffentlichten Buch mit dem Titel „Heilfasten“ über seine Erfahrungen.

Doch was genau steckt hinter dem Heilfasten und wie funktioniert es? Unser Ratgeber zum Thema gibt eine Heilfasten-Anleitung, erklärt die Vorgehensweise und gibt wertvolle Tipps im Umgang mit dieser Fastenkur.

Was ist Heilfasten?

Beim Fasten verzichtet man eine bestimmte Zeit lang freiwillig auf ausgewählte Nahrungs- und Genussmittel. Die Gründe fürs Fasten sind vielfältig: Gesundheitsvorsorge, eine Änderung des Lebensstils oder auch das Fasten wegen einer bestehenden Erkrankung, das sogenannte Heilfasten, sind möglich. Im Gegensatz zu einer Diät steht beim Fasten also nicht die Gewichtsabnahme im Vordergrund.

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Sprechen wir vom Heilfasten, meinen wir meist die Fasten-Form nach Otto Buchinger. Für einen bestimmten Zeitraum wird vollständig auf feste Nahrung verzichtet. Der Fastende ernährt sich ausschließlich von Wasser, Tee, Saft und Gemüsebrühe. Es handelt sich also um eine reine Trinkkur.

Wofür ist Heilfasten gut? Wozu dient es?

Wie eingangs erwähnt, kurierte Buchinger mit seinem Konzept des Heilfastens, dem bewussten Verzicht auf feste Nahrung, schwere Stoffwechsel-Störungen aus. Doch nicht nur in medizinischer Hinsicht werden dem Heilfasten nach Buchinger positive Effekte zugesprochen, sondern auch auf psychosozialer und spiritueller Ebene. So soll Medienkonsum und Stress vermieden und sich stattdessen Musik, Büchern, Natur und Meditation gewidmet werden. Buchinger sprach daher auch von einer „Diät der Seele“.

Was passiert beim Heilfasten im Körper?

Durch die minimalistische Nahrungsversorgung (Gemüsebrühe, Wasser, Tee, Saft) entsteht eine katabole (abbauende) Stoffwechsel-Lage und eingelagerte Substanzen werden ausgeschieden (Entschlackung). Dadurch werden die kleinsten Gefäße des Körpers besser durchblutet (Mikrozirkulation) und der Säure-Basen-Haushalt wird wieder in Einklang gebracht. In der heutigen Zeit leidet der Organismus vieler Menschen nämlich durch zu viel tierisches Eiweiß, Zucker und industrialisierte Nahrungsmittel oft an Übersäuerung. Hinzu kommt, das Buchingers Fastenkur die Transportstrukturen des Glückshormons Serotonin im Gehirn verändert. Ergebnis: Wir sind deutlich besser gelaunt.

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Auch einen sichtbaren Effekt auf den Körper gibt es. Obwohl es sich beim Heilfasten nicht um eine Diät-Form handelt, kann man damit auch abnehmen. Denn weil die Ernährung extrem reduziert wird, nimmt man nur noch einen Bruchteil der sonst üblichen Kalorien pro Tag zu sich.

Wie lange dauert Heilfasten?

In der Regel betreibt man Heilfasten mindestens fünf bis maximal 35 Tage. Laut Buchinger liegt der optimale Fasten-Zeitraum zwischen zwei und vier Wochen. Dieser sollte allerdings immer individuell angepasst werden und kann daher variieren. Es gilt: Schau in deinen Kalender und überlege dir, wann du die Möglichkeit hast, möglichst entspannt zu fasten. Denn Stress beeinträchtigt das Fasten.

Wie ist der Ablauf?

Wie so oft im Leben ist auch beim Heilfasten die Vorbereitung das A und O. Dabei ist es nicht nur wichtig, dich mental auf die Fastenzeit einzustellen, sondern alles im Haus zu haben, was du für das Fasten brauchst. Wir geben dir eine Heilfasten-Anleitung:

Noch bevor du mit dem Fasten beginnst, solltest du einige Vorkehrungen körperlicher Natur treffen – im Zuge der sogenannten Entlastungstage. Beim Buchinger Fasten beginnt man beispielsweise mit drei Entlastungstagen, in denen man die Tageskalorien auf ungefähr 1000 herunterschraubt und nur noch leicht verdauliche Nahrung wie Reis oder Obst zu sich nimmt. Spätestens jetzt wird der Konsum von Alkohol, Koffein (Kaffee) oder Nikotin (Zigaretten) gänzlich eingestellt.

Folgende Varianten der Entlastungstage gibt es:

Reistag: Es dürfen drei Portionen Reis (ungefähr 50 Gramm) mit gedünstetem Gemüse oder ungesüßtem Kompott gegessen. Gut geeignet bei empfindlichem Magen-Darm-Trakt.
Hafertag: Haferflocken (drei Portionen von jeweils 35 Gramm) werden in Wasser aufgekocht und mit gedünstetem Gemüse oder Obst gegessen.
Obsttag: Über den Tag verteilt dürfen circa 1,5 bis zwei Kilogramm frisches Obst gegessen werden. Nicht gut geeignet bei empfindlichem Magen-Darm-Trakt.

Entweder am Abend vor dem Beginn der Fastenzeit oder am ersten Tag des Fastens kann optional eine Darmreinigung mit Glaubersalz durchgeführt werden. Ob sie einen positiven Effekt auf den Erfolg des Fastens hat, kann nicht zweifelsfrei bestätigt werden. Fakt ist jedoch, dass der Hungerreiz des Menschen mit leerem Darm reduziert wird. Mit dieser Darmentleerung wird das eigentliche Fasten eingeläutet. Regelmäßige Darmreinigungen während des Fastens befreien den Darm von Überresten, sind aber ebenfalls keine Pflicht.

Das Heilfasten nach Otto Buchinger ist die bekannteste Heilfasten-Form. Während der Fastenzeit werden dem Körper täglich jeweil 0,25 Liter Gemüsebrühe und möglichst frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte, 30 Gramm Honig sowie mindestens 2,5 Liter Wasser und/oder Tee zugeführt. Maximal sind 250 bis 500 Kilokarien pro Tag erlaubt – allerdings nicht in Form von festem Essen.

Man muss allerdings nicht unbedingt nach Buchinger fasten. Im Folgenden wollen wir dir weitere Fastenkuren vorstellen, die es neben der Methode nach Buchinger und dem klassischen Heilfasten gibt:

Mayr Kur: Die Mayr Kur wird auch Milch-Semmel-Diät genannt. Hier darfst du morgens und mittags eine „Kursemmel“ essen.
Saftfasten: Beim Saftfasten handelt es sich um Heilfasten in abgeschwächter Form. Neben Wasser dürfen auch Obst- und Gemüsesäfte getrunken werden.
Schrothkur: Bei der Schrothkur handelt es sich um eine Methode, bei der sich während einer Woche drei Trockentage mit zwei kleinen und zwei großen Trinktagen abwechseln.
Intermittierendes Fasten: Das intermittierende Fasten ist eher eine Umstellung des Ernährungs-Rhythmus als typisches Heilfasten. Es wird nicht ganz, sondern nur zu bestimmten Zeiten auf Essen verzichtet. Mehr dazu erfährst du in unserem Ratgeber zum Thema „Intervallfasten“.

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Alle Heilfasten-Formen enden mit dem sogenannten Fastenbrechen. Weil der Körper nach dem Fasten jedoch sehr empfindlich auf feste Nahrung reagieren kann, empfiehlt es sich, ihn mit leichter Kost langsam wieder an diese heranzuführen.

Hierzu dienen die Aufbautage, die extrem wichtig sind. Denn durch die schonende Aufbau-Ernährung, die du während dieser Zeit zu dir nimmst, verminderst du das Risiko, Übelkeit, Erbrechen oder Verdauungsprobleme zu bekommen. Wie viele Aufbautage nötig sind, hängt auch von der Dauer des Fastens ab. Eine Faustregel besagt, dass die Aufbauphase nach dem Fastenbrechen etwa ein Drittel der Fastenzeit betragen sollte.

Was darf ich beim Heilfasten trinken?

Weil während des Heilfastens kein Essen erlaubt ist, ist das Trinken von enormer Bedeutung. Stilles Wasser und/oder ungesüßte Tees sind die Haupteinnahmequelle von Flüssigkeit. Um den Abbau von Muskeln zu vermeiden, wird während des Fastens aber immer auch eine geringe Zufuhr von Kalorien für den Körper gewährleistet. Diese erreichst du durch das Trinken von Obst- oder Gemüsesaft oder -brühe. Wann (zum Beispiel nur am Abend) und wie häufig du diese zu dir nehmen darfst, hängt von der Art des Heilfastens ab.

Was kann ich beim Heilfasten essen?

Schlechte Nachrichten für alle leidenschaftlichen Esser: Essen ist beim Heilfasten nicht erlaubt. Die Ernährung wird derart umgestellt, dass das Trinken im Vordergrund steht. Eventuell bietet es sich an, nicht auf die reine Null-Diät, sondern auf abgeschwächte Formen wie die nach Buchinger zurückzugrifen. Bei dieser Fastenkur werden dem Körper auch Kalorien in Form von Saft oder etwa Gemüsebrühen zugeführt, um Muskelschwund zu verhindern.

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Wie halte ich Heilfasten durch?

Eines steht fest: Heilfasten, oder auch Fasten an sich, ist kein Zuckerschlecken. Es geht darum, den inneren Schweinehund zu überwinden. Ideal ist es, wenn du die Fastenkur in einen Urlaub legst. So minimierst du Stress, hast Ruhe und kannst dich voll und ganz auf das Fasten konzentrieren. Mach es dir zuhause so gemütlich wie möglich und vermeide möglichst viele äußere Störfaktoren.

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Ein wenig sportliche Betätigung, im Optimalfall an der frischen Luft, kann auch nicht schaden – alternativ geht aber auch eine entspannte Yoga-Session im Haus. Aber Achtung, denn zu viel körperliche Bewegung ist während des Fastens nicht gesund, schließlich verbrennt der Körper dadurch Kalorien. Doch ganz egal, wie du es mit Sport beim Fasten hältst, lautet der wichtigste Tipp: viel trinken!

Wann geht beim Heilfasten das Hungergefühl weg?

Bevor du das Fasten startest, solltest du wissen, dass gerade die ersten Fastentage sehr hart sind. Der Körper muss sich erst noch an die radikal geänderte Ernährung gewöhnen und es können negative Begleiterscheinungen auftreten – selbst, wenn du vorher Entlastungstage und vielleicht sogar eine Darmreinigung eingestreut hast.

Nach drei Tagen allerdings kommt es nicht selten vor, dass der Fastende plötzlich euphorisch wird und das Hungergefühl verliert. Tritt dies bei dir nicht ein, heißt es dennoch: durchhalten. Wer viel trinkt, der bekommt nicht so schnell Hunger. Bleib dazu im Haus und gönn deinem Körper Ruhe – das wird ebenfalls eine positive Wirkung zeigen.

Wer sollte nicht Heilfasten?

Heilfasten ist gesund, das lässt sich zweifelsohne sagen. Allerdings kann längst nicht jeder problemlos fasten, wie er gerade möchte. Wer beispielsweise Medikamente nimmt oder eine chronische Krankheit hat, der sollte gar nicht oder nur unter ärztlicher Aufsicht auf Nahrung verzichten. Auch Menschen mit starkem Übergewicht, Diabetes, Allergien, Essstörungen oder Depressionen sollten einen Arzt zu Rate ziehen. Für schwangere oder stillende Frauen sowie Kinder, HIV-Infizierte, stark Untergewichtige oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Heilfasten nicht geeignet.

Wie sehen die Aufbautage nach dem Fasten aus?

Ist der letzte Fastentag vorbei – wie lange das Fasten geht, ist individuell festlegbar –, beginnt das Fastenbrechen. Doch mit der Ernährung sofort wieder dort weiterzumachen, wo man vor der Fastenkur aufgehört hat, ist alles andere als gesund. Daher sollte man sogenannte Aufbautage einplanen. Während dieser Zeit wird der Körper langsam wieder daran gewöhnt, normal zu essen. Hierzu eignen sich ballaststoffreiche Lebensmittel, die vor allem ungesättigte Fette und nur wenig gesättigte Fette enthalten, am besten.

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Da eine Faustregel besagt, dass die Aufbauphase ungefähr ein Drittel der Fastenzeit betragen sollte, gehen wir im folgenden Beispiel von einer 15-tägigen Fastenkur aus – mit entsprechend fünf Aufbautagen. Da dem Körper zuvor maximal 500 Kilokalorien zugeführt worden sind, sollte die „Dosis“ nach und nach leicht erhöht werden. Das bedeutet:

  • Tag 1: Am ersten Tag sollten etwa 800 Kilokalorien eingenommen werden.
  • Tag 2: Erhöhung auf 1000 Kilokalorien
  • Tag 3: Am dritten Tag folgt ein Sprung auf 1200 Kilokalorien.
  • Tag 4: Erhöhung auf 1400 Kilokalorien
  • Tag 5: Erhöhung auf 1600 Kilokalorien

Im Anschluss dürfte der Körper wieder daran gewöhnt sein, seine normale Zufuhr an täglichen Kalorien aufzunehmen. Wichtig beim Fastenbrechen ist es, weiterhin viel Flüssigkeit – am besten stilles Wasser und ungesüßten Tee – zu trinken und die Nahrung langsam, bewusst und gründlich zu kauen.

Fazit zum Heilfasten

Beim Heilfasten verzichtet man für eine begrenzte Zeit vollständig auf feste Nahrung. Es handelt sich jedoch in erster Linie nicht um eine Form des Abnehmens, sondern es geht darum, den Körper von chronischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes (Typ 2), zu heilen und diesen in Zukunft vorzubeugen. Die Gesundheit steht also im Vordergrund. Otto Buchinger, nach dem die bekannteste Form des Heil-Fastens, das Buchinger Heilfasten, benannt ist, nutzte die Fastenkur, um sich von Krankheiten zu erholen und wieder gesund zu werden. Aber auch als Einstieg in eine langfristig geplante ausgewogene und gesunde Ernährung kann das Heilfasten, zum Beispiel nach Buchinger, dienen.

Allerdings kann das Fasten den Körper auf eine harte Probe stellen. Nur mit einer optimalen Vorbereitung – alles Nötige sollte sich im Haus befinden und Stressfaktoren vermieden werden – sowie Durchhaltevermögen und Standfestigkeit sind unabdingbar. Aber wir haben auch eine gute Nachricht: Bist du ungefähr am dritten Fastentag angelangt, kann sich eine gewisse Euphorie einstellen, die dich durch den Rest der Fastenzeit tragen wird.

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Neben dem Heilfasten nach Buchinger gibt es einige andere Formen des Heilfastens. Ob für dich vielleicht die Mayr Kur, die Schrothkur oder das Saftfasten besser geeignet sind, hängt sowohl von deinen Gewohnheiten als auch davon ab, wie dein Alltag aufgebaut ist und wie eine Fastenkur dort eingebaut werden kann. Am besten ist es, wenn du die Fastenzeit in einen Urlaub legst, denn dann kannst du dich voll und ganz auf diese nicht einfache Aufgabe konzentrieren und deinen Tagesablauf dementsprechend gestalten.

Dennoch ist das Fasten nicht prinzipiell für jedermann geeignet: Wer über einen längeren Zeitraum fasten will oder sich dem Fasten zum ersten Mal widmet, der sollte sein Vorgehen ebenso mit einem Arzt besprechen wie Menschen mit Gewichtsproblemen, Herz-Kreislauferkrankungen oder anderen ernstzunehmenden Krankheiten. Aber auch gesunden Menschen kann zu langes Fasten zusetzen. Daher gilt: Wer kann, sollte sich ärztlichen Rat holen, denn die Gesundheit steht an erster Stelle!

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