Cannabis-Legalisierung: In diesen Ländern ist kiffen erlaubt

Die Legalisierung von Cannabis schreitet in Deutschland immer weiter voran. Welche Länder aber sind Vorreiter, wo darf bereits gekifft werden?
Cannabis, Gras, Marihuana und Co.: Wie wirkt es, wie lange ist es im Blut und Urin nachweisbar und welche Cannabis-Pflanze macht stoned und high?
Foto: unsplash
Cannabis, Gras, Marihuana und Co.: Wie wirkt es, wie lange ist es im Blut und Urin nachweisbar und welche Cannabis-Pflanze macht stoned und high?
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Die Cannabis-Legalisierung in Deutschland schreitet immer weiter voran. Ein Eckpunktepapier wurde vom zuständigen Kabinett im Gesundheitsministerium rund um Gesundheitsminister Karl Lauterbach bereits ausgearbeitet und vorgelegt. Dies ist zwar nur ein vorläufiges Papier, doch bis Ende des Jahres soll ein Gesetzentwurf vorliegen.

Damit könnte Deutschland in die Riege der Länder aufsteigen, wo Cannabis bereits legal ist. Welche Länder das sind, zeigen wir euch hier!

>> Cannabis, Marihuana und Co.: Wie wirkt sich Kiffen im Körper aus? <<

Niederlande – Cannabis legal und doch illegal

Es mag komisch klingen, doch ganz so legal, wie man immer glaubt, ist kiffen in den Niederlanden eigentlich gar nicht. Zwar wird der Besitz von geringen Mengen bereits seit 1976 toleriert, doch sind die Drogengesetze bei unseren Nachbarn auch widersprüchlich. Ab 18 Jahren ist der Konsum von Cannabis erlaubt, auch der Besitz von bis zu fünf Gramm ist legal, ebenso darf man bis zu fünf Cannabispflanzen anbauen.

Der Anbau und Ankauf von größeren Mengen hingegen ist illegal. Daher gibt es in den Niederlanden auch Probleme mit der Beschaffung für Coffeeshops. Denn rechtlich gesehen bewegen sich die Shops auf dünnen Eis. Die Betreiber sind auf Dealer angewiesen, die eben größere Mengen produzieren, daher werden Shopbetreiber schon durch das Gesetz gezwungen, etwas Verbotenes zu tun. Nicht umsonst warnen kundige Juristen und Szenekenner, in Deutschland bei der Ausarbeitung der Gesetze nicht den gleichen Fehler zu machen. Nicht wenige Händler in den Niederlanden wünschen sich ein System wie in den USA, wo Verkäufer ihr eigenes Gras anbauen dürfen und damit die Qualität sehr viel besser kontrollieren können.

USA – seit 2012 offen für Cannabis als Freizeitgebrauch

Für medizinische Zwecke war Cannabis schon lange in 37 von 50 Bundesstaaten legalisiert. Doch nun ist inzwischen auch der sogenannte Freizeitgebrauch in 19 Staaten legalisiert. 2012 wurde es zunächst in Colorado freigegeben, danach zogen Alaska, Arizona, Connecticut, Colorado, Illinois, Kalifornien, Oregon, Maine, Massachusetts, Michigan, Montana, Nevada, New Jersey, New Mexico, New York, Rhode Island, Vermont, Virginia und Washington nach.

Und die Freigabe ist damit noch nicht beendet, denn die Liberalisierung schreitet in den Vereinigten Staaten immer weiter voran. So hat auch Joe Biden Anfang Oktober 2022 weitere Schritte unternommen, das Cannabis im gesamten Land entkriminalisiert wird. So soll Cannabis neu eingestuft werden, was vielen Verurteilten, die im Besitz von Marihuana waren, eine Begnadigung einbringen kann.

 

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Uruguay – registriert kiffen

Cannabis war in dem südamerikanischen Land Uruguay nie verboten. 2013 aber wurde dann auch offiziell die Legalisierung beschlossen. Jeder Einwohner darf bis zu sechs eigene Pflanzen besitzen und kann jederzeit rezeptfrei Cannabis aus staatlichem Anbau in den Apotheken kaufen. Einziger „Haken“: Man muss sich registrieren lassen. Dann darf man bis zu zehn Gramm pro Woche konsumieren. Auch darf der THC-Gehalt nicht mehr als 15 Prozent betragen.

Für Touristen gilt das allerdings nicht! Denn registrieren darf sich wiederum nur, wer auch einen festen Wohnsitz in Uruguay hat. Ein weiteres Problem ist zudem, dass es einfach zu wenig Apotheken in dem Land gibt, bzw. zu wenig Apotheken die Lizenz zum Verkauf von Cannabis besitzen. Daher floriert in Uruguay weiterhin der Schwarzmarkt.

>> Deutschland und die Cannabis-Legalisierung – wer darf wo kiffen? <<

Spanien – die Grauzone bei Cannabis

Spanien ist Marktführer in Europa, was den Anbau und den Handel von Marihuana und Haschisch angeht. Das liegt vor allem am Klima auf der iberischen Halbinsel. Vor allem für Schmerzpatienten ist Spanien daher ein wahres Mekka, was Cannabis angeht. Wirklich legal ist Gras damit in Spanien aber immer noch nicht.  Für die medizinische Anwendung ist Cannabis legal, nicht aber für den Alltagskonsum.

Das liegt auch an der Gesetzeslage in der EU. Denn trotz dessen, dass fast jeder zweite spanische Bürger zugegeben hat, in seinem Leben mindestens einmal gekifft zu haben, wird Gras rauchen in Spanien noch als Ordnungswidrigkeit eingestuft. Das bedeutet, man wird zwar nicht kriminalisiert, wie das etwa in Deutschland aktuell noch der Fall ist, dennoch wird auch in Spanien kritisiert, dass viele Kräfte im juristischen und legislativen Bereich gebunden werden, die andernorts besser aufgehoben wären. Insgesamt gilt auch in Spanien, dass es zwar geduldet, aber eben nicht erlaubt ist. Der direkte Konsum im privaten Umfeld ist damit gestattet, es sind sogar bis zu 100 Gramm Eigenbedarf erlaubt, auch der Anbau von Hanf ist erlaubt, komplett legal ist es aber nicht.

Belgien – privater Cannabis-Konsum gestattet

Streng genommen ist kiffen in Belgien nach wie vor illegal. Aber 2003 wurde in einer Richtlinie festgelegt, dass der private Konsum erlaubt ist. Dies bedeutet, der Besitz geringer Mengen bis zu drei Gramm ist erlaubt und es darf dort konsumiert werden, wo man kein öffentliches Ärgernis erregt. Damit wurde Cannabis auch in Belgien entkriminalisiert. Der Verkauf ist aber nach wie vor illegal, rechtlich gesehen auch der Besitz.

Wird man jedoch an öffentlichen Orten wie Schulen erwischt, ist es wieder eine Straftat und wird mit horrenden Geldstrafen geahndet. Vieles ist in Belgien eine Grauzone, und nicht jeder Politiker ist mit der Entscheidung zur Entkriminalisierung einverstanden. So führte die Stadt Antwerpen beispielsweise gegen die Gesetze der belgische Regierung eine Null-Toleranz-Politik, die Polizisten die Befugnis gab, vor Ort Geldbußen gegen Konsumenten zu verhängen. Auch medizinisch ist lediglich ein Mundspray für Patienten mit multipler Sklerose erlaubt.

 

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Thailand – Vorreiter in Asien beim Cannabis-Konsum?

Lange war Marihuana in Thailand nicht nur verboten, sondern wurde auch mit sehr harten Strafen geahndet. Doch seit dem 9. Juni 2022 ist alles anders. Seither ist Cannabis von der Liste der illegalen Drogen gestrichen. Es ist erlaubt, zu konsumieren und auch erlaubt, Pflanzen anzubauen. Viel mehr noch: es wird sogar aktiv beworben. Um den Einwohnern die Angst zu nehmen und ihnen auch zu zeigen, dass sie Vertrauen in die Drogenpolitik ihrer Regierung haben können, wurden vom Gesundheitsministerium sogar Hanfpflanzen verschenkt.

Damit ist das Land Vorreiter in Südostasien, wo sonst sehr restriktive Regeln gegen Drogen herrschen. Seit 2018 wurde es bereits für den medizinischen Gebrauch freigegeben, auch in Singapur wurden die Regeln fortan gelockert. Ganz so sorgenlos sollte man aber immer noch nicht damit umgehen. Denn wer auf offener Straße kifft, riskiert nach wie vor ein Bußgeld – wegen des Geruchs.

>> Cannabis-Legalisierung: Neuer NRW-Justizminister ist dafür <<

Schweiz – High in luftigen Höhen

Ende 2021 wurde bekannt gegeben, dass die Schweiz bei der Legalisierung schon einen Schritt weiter sei als Deutschland. Dort wurde im Rahmen eines Pilotprojekts Cannabis in mehreren Großstädten seit Beginn des Jahres 2022 frei verkauft. Parallel sollte der Anbau, Handel und Konsum neu geregelt werden bei den Eidgenossen. Die Neuregelungen sind aber nach wie vor nicht in Gesetze gegossen worden, weshalb es nach wie vor recht undurchschaubar in der Schweiz zugeht.

So ist kiffen zwar nur eine Ordnungswidrigkeit und wird mit einem Bußgeld in Höhe von 100 Franken bestraft, es wird aber vielerorts geduldet. Zudem war der freie Verkauf mit Pflanzen, die weniger als ein Prozent THC aufweisen, bereits vorher erlaubt. Ziel ist es nach wie vor, dass Cannabis in der Schweiz nicht mehr verboten ist. Der Prozess läuft aber nach wie vor.

Luxemburg – „null Toleranz“-Dissonanz bei Cannabis

Im Juni 2022 wurden auch im kleinen Großherzogtum erste Schritte in Richtung Cannabis-Legalisierung unternommen. So sollen kleine Mengen für den Freizeitgebrauch erlaubt werden. Bis zu vier Cannabis-Pflanzen darf demnach jeder Luxemburger selbst anbauen. In privater Umgebung darf Cannabis dann auch konsumiert werden. Dazu wurden die Geldstrafen stark gesenkt.

Allerdings herrscht in Luxemburg weiterhin eine „null Toleranz“-Strategie, was den THC-Gehalt im Blut angeht. So hat Luxemburg nach wie vor die strengsten Richtwerte für Autofahrer weltweit, die so gering sind, dass man eigentlich gar nicht kiffen darf, wenn man auch erst Wochen später ins Auto steigt. Das hat mit dem Abbau des THC im Körper zu tun. Denn anders als Alkohol sind kleinste Mengen auch noch nach Wochen im Blut nachweisbar. Das führt dazu, dass Menschen, die gar nicht berauscht sind, dennoch mit jahrelangem Führerscheinentzug rechnen müssen.

 

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Tschechien – Cannabis toleriert aber noch nicht legalisiert

Bereits 2010 hat es in Tschechien Gesetzesänderungen gegeben, die den Konsum und Besitz von Marihuana nur noch als Ordnungswidrigkeit einstuften. Seither heißt es immer, man darf „eine Menge nicht größer als klein“ besitzen. Im Klartext bedeutet das, dass man seinerzeit unter 15 Gramm Gras und fünf Hanfpflanzen besitzen durfte. Wegen des gestiegenen THC-Gehalts ist die Menge inzwischen auf zehn Gramm gesunken.

Eine völlige Freigabe wird zudem seither immer wieder diskutiert, Vorstöße im Parlament sind aber bislang immer gescheitert. Zuletzt versuchte es die Piratenpartei, die seit Dezember 2021 in Tschechien mit in der Regierungskoalition sitzt. Ihr Ansatz orientiert sich dabei vor allem an den USA und Kanada. Vor allem beobachtet man auch die Entwicklung in Deutschland und erhofft sich daher auch in Tschechien einen Boom. So schlecht stehen die Chancen auf eine völlige Legalisierung daher nicht.

Kanada – Wahlversprechen eingelöst

2015 war die Legalisierung von Cannabis ein zentrales Wahlversprechen von Justin Trudeau, dem jetzigen Premierminister Kanadas. Bereits 2001 wurde Cannabis als Arzneimittel legalisiert, seit dem Oktober 2018 ist auch der Konsum von Cannabis in Kanada legal. Der Vertrieb erfolgt dabei über staatlich lizensierte Produzenten. Die Hälfte der Unternehmen ist inzwischen an der Börse. Über Internetseiten können Interessierte prüfen, ob ein Händler eine Lizenz besitzt, oder nicht.

Doch es gibt Regeln. Man muss mindestens 19 Jahre alt sein, um konsumieren zu dürfen. In der Provinz Alberta genügt ein Alter von 18 Jahren. Konsumiert werden darf überall, wo auch Rauchen erlaubt ist. Allerdings haben sechs Provinzen dies auch eingeschränkt und erlauben den Konsum nur im privaten, nicht aber im öffentlichen Bereich.

Portugal – Entkriminalisierung auf allen Ebenen beim Drogen-Konsum

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern geht man in Portugal einen gänzlich anderen Weg. Statt strikter Verbote setzt man hier viel auf Prävention in Form von Beratungen, Hilfen und Therapien. Daher wurden bereits 2001 alle Drogen entkriminalisiert. Wer also Drogen konsumiert, gilt nicht als kriminell, sondern krank.

Der Konsum von Cannabis ist daher eine Ordnungswidrigkeit, keine Straftat. Zudem ist der Besitz und Konsum sogar erlaubt, vorausgesetzt man besitzt weniger als 25 Gramm Gras, was als Eigenbedarf gilt. Allerdings ist der Handel davon nicht betroffen. Dies bleibt auch in Portugal eine Straftat. Für medizinische Zwecke ist Cannabis seit Juni 2018 zugelassen.