Warntag in NRW: Sirenengeheul und Handyschrillen – aber nicht bei allen

Die offizielle Bilanz zum Warntag ist positiv – doch viele Bürger wurden offenbar nicht erreicht. So lief der Warntag in NRW ab.
warntag-cell-broadcast
So sah die Cell-Broadcast-Botschaft am bundesweiten Warntag, 08.12.2022 kurz nach 11 Uhr auf dem Display eines Smartphones zu sehen. Foto: Thomas Frey/dpa
warntag-cell-broadcast
So sah die Cell-Broadcast-Botschaft am bundesweiten Warntag, 08.12.2022 kurz nach 11 Uhr auf dem Display eines Smartphones zu sehen. Foto: Thomas Frey/dpa

Lautes Handyschrillen, minutenlanges Sirenengeheul: Beim bundesweiten Warntag ist es am Donnerstag auch in Nordrhein-Westfalen um 11 Uhr laut geworden. Ausgelöst wurde die Warnung vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn. Erstmals wurde dabei über das Cell Broadcast System eine Warnung über die Mobiltelefone verbreitet.

Das BKK zog am Donnerstagnachmittag eine erste positive Bilanz. Zahlreiche Nutzer beklagten allerdings, keine Warnung auf ihrem Mobiltelefon erhalten zu haben. Vor allem Telekom-Kunden sollen betroffen gewesen sein.

„Im Großen und Ganzen hat alles funktioniert“, hieß es bei der Düsseldorfer Feuerwehr. Die Detailauswertung dauere aber noch an. Schwächen wurden in Duisburg deutlich: Dort funktionierten nur 76 von 82 Sirenen reibungslos. Zwei Sirenen blieben stumm, weil sie turnusmäßig gewartet wurden, teilte die Stadt mit. Bei den anderen, von denen einige nur den Entwarnungston abgaben, habe die Ursachensuche begonnen.

>> Düsseldorf: Warntag – Sirenen-Test und Handy-Alarm um 11 Uhr <<

Warntag in NRW: Nicht alle Handys haben eine Nachricht bekommen

BBK-Präsident Ralph Tiesler sagte, das System habe gut funktioniert. Am frühen Nachmittag zog er eine positive Bilanz, räumte jedoch schon ein, dass es womöglich „an der einen oder anderen Stelle Verbesserungsbedarf“ geben könne. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sagte hingegen, dass Cell Broadcast in den Mix aus Warnmitteln aufzunehmen und damit auch den positiven Erfahrungen in zahlreichen Ländern zu folgen, wäre eine richtige und wichtige Entscheidung gewesen. In Notfällen und bei Katastrophen können Warnungen so einfach, schnell und zielgenau an eine große Anzahl von Menschen versendet werden.

Beim Cell-Broadcast-Verfahren geht eine automatische Benachrichtigung an jedes Handy, das zu diesem Zeitpunkt eingeschaltet ist, Empfang hat und mit einer aktuellen Software läuft. Ältere Handys können die Warnung nicht empfangen, bei manchen muss sie in den Einstellungen erst zugelassen werden.

Warntag: Kritik im Internet, auch durch Telekom

Doch im Internet beklagten zahlreiche Handynutzer, dass sie keine Warnung erhalten hätten. Auch die stellvertretende Unionsfraktionschefin Andrea Lindholz (CSU) äußerte deutliche Kritik: „Eine flächendeckende Warnung der Bevölkerung sieht anders aus. Trotz des neuen Warnmittels Cell Broadcast wurden erhebliche Teile der Bevölkerung wieder nicht erreicht.“

Die Telekom räumte allenfalls indirekt Probleme ein. „Mit dem heutigen Probelauf sehen wir, dass so ein Tag sehr wichtig für uns alle ist“, schrieb das Unternehmen auf Twitter. „Dafür ist der heutige Tag (…) gedacht. Fehler finden und analysieren, damit im Ernstfall alle erreicht werden.“

Warntag in NRW: Notrufe bei Kölner Feuerwehr

Bei der Leitstelle der Kölner Feuerwehr gingen danach Notrufe von besorgten Bürgern ein, die erstmals eine Cell-Broadcast-Warnung auf ihr Handy bekamen.

>> Köln: Warntag: Probealarm um 11 Uhr mit Sirenen-Test und Handy-Alarm <<

Warntag 2022: Bundesamt fragt Resonanz in Online-Umfrage ab

Mit dem bundesweiten Warntag will die Behörde herausfinden, wie viele Menschen eine Warnung vor Gefahren im Ernstfall erreichen würde. Das Bundesamt fragte die Erfahrungen der Bürger mit den Probewarnungen in einer Online-Umfrage ab.

Die Auswertung finde auf kommunaler und auf Bundesebene statt und brauche Zeit, hieß es aus dem NRW-Innenministerium. Beim ersten bundesweiten Warntag im Jahr 2020 war einiges schiefgelaufen. Unter anderem kam die Meldung der Warn-Apps Nina und Katwarn erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an. Das Bundesinnenministerium hatte den Probealarm deshalb damals als „fehlgeschlagen“ bezeichnet.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte vor dem Warntag mitgeteilt, die Flutkatastrophe vom Sommer 2021 habe gezeigt, wie wichtig ein funktionierendes Warnsystem sei. Damals waren in NRW und Rheinland-Pfalz viele Menschen nicht rechtzeitig vor den herannahenden Wassermassen gewarnt worden. In NRW gibt es laut Innenministerium inzwischen knapp 5700 Sirenen – 2017 seien es etwa 4200 gewesen.

dpa