Rettung in letzter Sekunde: Feuerwehr stößt bei Großeinsatz auf illegal wohnende Familie

Mit dem Schreck davongekommen sind die Eltern mit ihrem jungen Sohn in Goch (Kreis Kleve): Die Familie lebte illegal in einem der sogenannten "Belgierhäusern" an der Melatenstraße – allesamt lange leerstehend und als Schandfleck der Innenstadt angesehen. In einem Keller brach nun ein Feuer aus – und führte zum Großeinsatz der Feuerwehr.
Feuer Goch Belgierhäuser
Die Feuerwehr rettete eine Familie mit kleinem Kind aus dem brennendem Haus. Foto: Feuerwehr Goch
Feuer Goch Belgierhäuser
Die Feuerwehr rettete eine Familie mit kleinem Kind aus dem brennendem Haus. Foto: Feuerwehr Goch

Großalarm für die Feuerwehrkräfte in Goch am frühen Dienstagmorgen: Ein Kellerbrand in einem leerstehenden Gebäudekomplex war so intensiv, dass massive Einsturzgefahr bestand. Noch schlimmer: Im Obergeschoss bemerkten die Rettungskräfte ein Licht, wo eigentlich keines scheinen sollte. Ein Atemschutztrupp machte sich sofort auf den Weg – und stieß auf eine dreiköpfige Familie, die dort illegal lebte.

Die junge Familie mit ihrem Sohn hat die Feuerwehr daraufhin aus dem eigentlich leerstehenden und in Brand geratenen Wohnhaus gerettet. Als die Feuerwehrkräfte am Dienstagmorgen wegen „unklarer Rauchentwicklung“ an dem Gebäude eintrafen, habe der Keller in Flammen gestanden. Weil sie einen Lichtschein in einem der Obergeschosse bemerkt hatten, sei das bereits größtenteils verrauchte Haus parallel zur Brandbekämpfung nach Personen durchsucht worden, teilte die Feuerwehr mit.

Ein Atemschutztrupp habe dabei in einem als Schlafzimmer eingerichteten Raum im 3. Stock einen 39-jährigen Mann, eine 28-jährige Frau und einen einjährigen Jungen entdeckt. Das Kind sei über eine Drehleiter gerettet, seine Eltern über das Treppenhaus aus dem Gebäude geführt worden. Dabei seien wegen der starken Rauchentwicklung sogenannte Fluchthauben mit integriertem Atemluftfilter zum Einsatz gekommen, hieß es.

Mit dem Schreck davongekommen

Wie die Polizei in Kleve nach ersten Ermittlungen am Nachmittag mitteilte, handelt es sich bei den Geretteten um Menschen ohne festen Wohnsitz. Die Kriminalpolizei habe die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Sie gehe bisher von einer Brandstiftung aus.

Die junge Familie kam mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus, konnte es jedoch schon wieder verlassen. Das Ordnungsamt der Stadt Goch kümmere sich nun um die ausländische Familie, die sich offenbar illegal in dem Haus aufhielt. Weitere Personen seien in dem Gebäude nicht angetroffen worden.

Nicht der erste Brand in den „Belgierhäusern“

Etwa 80 Einsatzkräfte verschiedener Löschzüge waren rund dreieinhalb Stunden beschäftigt, ehe der Brand gelöscht war. In den insgesamt drei leerstehenden Wohnblocks habe es in der Vergangenheit bereits mehrfach gebrannt, sagte ein Feuerwehrsprecher. Zuletzt musste dort im Juni ein Brand gelöscht werden. Damals wurde den Angaben zufolge ein Mann vor den Flammen gerettet.

Bei den Gebäuden – auch Belgierhäuser genannt – handelt es sich um ehemalige Wohnhäuser von Militärangehörigen, erklärte der Feuerwehrsprecher der dpa auf Nachfrage. Nach dem Abzug der Armee wurden die Wohnungen als Eigentumswohnungen verkauft, dürften wegen Baufälligkeit aber seit längerem nicht mehr genutzt werden.

dpa