Nach „Ylenia“ und „Zeynep“ kommt jetzt „Antonia“ – Regionalverkehr in NRW eingestellt

Mehrere Tote und immense Schäden sind die Bilanz der vergangenen Sturmtage. Wirklich Ruhe soll erst am Dienstag einkehren – zuvor zieht Sturmtief "Antonia" noch über Deutschland. Große Gefahr geht dabei einem Experten zufolge von Bäumen aus.
Sturmtief Zeynep Düsseldorf
Sturmtief Zeynep ließ einige Bäume in Düsseldorf umkippen. Foto: David Young/dpa
Sturmtief Zeynep Düsseldorf
Sturmtief Zeynep ließ einige Bäume in Düsseldorf umkippen. Foto: David Young/dpa

Es bleibt stürmisch in Deutschland und in NRW. Sturmtief „Antonia“ bringt wieder sehr viel Wind, stürmische Böen und sogar orkanartige Böen. Besondere Gefahr geht von umkippenden Bäumen aus.

Das ganze Ausmaß der von „Ylenia“ und „Zeynep“ verursachten Schäden ist noch gar nicht erfasst, da droht bereits neues Ungemach: Sturmtief „Antonia“ soll im Tagesverlauf zunächst starke bis stürmische Böen bringen. Turbulent könne dann wieder die Nacht zum Montag werden, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit.

Besondere Gefahr geht von Bäumen aus, wie DWD-Meteorologe Adrian Leyser erklärte. „Die ohnehin durch die vorangegangenen Stürme in Mitleidenschaft gezogenen und in teilweise stark aufgeweichten Böden stehenden Bäume können dabei leicht umstürzen.“

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Orkantief „Zeynep“ hatte zum Start ins Wochenende für Sturmflut im Norden, Ausfälle im Bahnverkehr und Unfälle auf den Straßen gesorgt. Mindestens drei Menschen starben. Nach einer ersten Schätzung verursachte „Zeynep“ versicherte Schäden von über 900 Millionen Euro. Der Sturm sei der intensivste seit „Kyrill“ im Jahr 2007 gewesen, teilte die auf Versicherungsmathematik spezialisierte Unternehmensberatung Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) mit. Die versicherten Schäden des vorangegangenen Sturms «Ylenia» hatte das Unternehmen auf 500 Millionen Euro geschätzt. Die Gesamtschäden sind bei Stürmen in aller Regel höher, zum Teil ganz erheblich.

In NRW droht erneut ein Bahn-Chaos

Immense Folgen hatten die Sturmtage auch für den Reiseverkehr. Die Deutsche Bahn (DB) hatte den Zugverkehr am Freitag teilweise eingestellt, die vor allem den Norden betreffenden Ausfälle hielten am Wochenende vielfach an. Auf über 1000 Streckenkilometern gebe es Schäden an der Bahninfrastruktur. Räumtrupps seien rund um die Uhr im Einsatz, um umgestürzte Bäume zu beseitigen und Oberleitungen zu reparieren.

Wegen des Sturmtiefs „Antonia“ stellt die Deutsche Bahn den Regionalverkehr in Nordrhein-Westfalen am Sonntagabend ein. „Wir schicken ab 20.00 Uhr keine neuen Züge mehr auf die Strecke. Alle, die jetzt noch unterwegs sind, fahren aber natürlich noch bis zu ihrem Zielbahnhof“, sagte eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage der dpa. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, betonte die Sprecherin. Am Montagmorgen sollen S-Bahnen und Regionalzüge dann voraussichtlich den Betrieb wieder aufnehmen.

Da aber mit Sturmschäden zu rechnen sei, müssten am Morgen „umfangreiche Erkundungsfahrten“ erfolgen, wie die Deutsche Bahn weiter mitteilte. Fahrgäste sollten sich daher frühzeitig auf bahn.de oder zuginfo.nrw über ihre Fahrt informieren. Ersatzverkehr könne nicht sichergestellt werden. „Wir empfehlen deshalb dringend, nicht unbedingt notwendige Fahrten zu verschieben“, so die Deutsche Bahn.

Aufgrund der Unwetterschäden sei im Norden Deutschlands und in Nordrhein-Westfalen bis mindestens Montagnachmittag mit Verspätungen und Zugausfällen zu rechnen, teilte die DB auf ihrer Seite mit. Weiterhin verkehren keine Fernverkehrszüge nördlich von Dortmund und Berlin. Zwischen Berlin, Hannover und Köln sowie München, Hannover, Bremen und Hamburg verkehren demnach vereinzelt ICE-Züge.

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Hamburg erlebte beim «Zeynep»-Durchzug erstmals seit 2013 wieder eine sehr schwere Sturmflut mit mehr als 3,5 Metern über dem mittleren Hochwasser. In Bremen krachte ein 55 Meter großer Baukran in ein im Rohbau befindliches Bürogebäude, in Hamburg stürzten bei einem viergeschossigen Wohnhaus Teile der Fassade ein. In Bad Zwischenahn (Niedersachsen) kippte eine rund neun Meter hohe Fichte auf ein Klinikgebäude, verletzt wurde niemand. Die Nordseeinseln Wangerooge und Langeoog büßten erhebliche Teile ihres Badestrandes ein.

Auch wenn der Start in die Woche womöglich noch einmal wild wird: Zum Dienstag soll sich das Wetter endlich beruhigen.

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dpa