Mehrere Verletzte bei Schüssen in Duisburg: Streit zwischen Rockern und Clan-Mitgliedern

In Duisburg ist es am Mittwochabend zu einer Auseinandersetzung zwischen Rockern und Clan-Mitgliedern gekommen. Es fielen Schüsse. Vier Personen wurden verletzt.
Schüsse in Duisburg
So sah es am Tatort nach der Auseinandersetzung in Duisburg aus. Foto: Roberto Pfeil/dpa
Schüsse in Duisburg
So sah es am Tatort nach der Auseinandersetzung in Duisburg aus. Foto: Roberto Pfeil/dpa

Schüsse fallen, Schreie und Rufe sind zu hören, Menschen flüchten und bringen sich hinter parkenden Autos in Sicherheit. Patronenhülsen liegen später überall verstreut auf der Straße. 19 Stellen werden von der Polizei mit Kreidekreisen markiert. Mindestens ein Auto weist ein Einschussloch auf. Teile des gesamten, recht unübersichtlichen Geländes im nördlichen Duisburger Stadtteil Hamborn rund um den Tatort am Altmarkt sind noch am Donnerstag mit Flatterband abgesperrt. Die Feuerwehr hilft in der Nacht beim Ausleuchten des Gebietes mit Scheinwerfern.

Bei Schüssen auf offener Straße sind in Duisburg am Mittwochabend vier Menschen verletzt worden. Zwei Schwerverletzte wurden ins Krankenhaus transportiert, sind aber laut Polizei nicht in Lebensgefahr. Zwei weitere Personen sind eigenständig zum Arzt gegangen. Warum es zu der Eskalation kam? Das ist Stunden danach noch nicht ganz klar. Fest steht: 15 Menschen wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilen. Die Spur führt ins Milieu der Rocker und Clans.

Gegen 20.40 Uhr am Mittwochabend wird die Polizei alarmiert, die mit einem Großaufgebot anrückt. Als die Beamtinnen und Beamten vor Ort erscheinen, sind viele der rund 80 bis 100 Menschen, die aus bisher unbekannten Gründen aufeinandergetroffen sind, geflüchtet.

Der neue Duisburger Polizeipräsident Alexander Dierselhuis, der erst am 1. April seine neue Position angetreten hat und als Experte für Clan-Kriminalität gilt, bricht eine Dienstreise ab und kehrt ins Polizeipräsidium zurück. „Es liegen diverse Videos vor, die teilweise sehr gute Qualität haben, so dass wir hoffnungsvoll sind, über die 15 Tatverdächtigen hinaus noch weitere ermitteln zu können“, sagt der Polizeichef am Mittag in Duisburg. Zur Motivlage könne man „noch nichts Finales“ sagen, so Dierselhuis. „Was wir bestätigen können ist, dass an der Auseinandersetzung sowohl Rocker als auch Clanangehörige beteiligt waren. Was die genaue Ursache des Streit war, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben.“

Es sei „eine Vielzahl von Schüssen gefallen“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Auf einem im Internet kursierenden Video sind gut 30 Schüsse zu hören und wegrennende Personen zu sehen. Ob es sich um die Szenerie vom Mittwoch in Duisburg handelt, lässt sich nicht überprüfen.

Polizeipräsident Dierselhuis meint: „Vorfälle dieser Art, dieser Intensität, hat es in Duisburg lange nicht gegeben. Das war natürlich schockierend. Eine Schießerei mit mindestens 19 Schüssen und vier Verletzen.“ Von einer weiteren oder gar dauerhaften Eskalation geht er aber nicht aus: „Da spricht nach dem aktuellen Ermittlungsstand nichts dafür. Die Gewalt so auf die Straße zu tragen, ist für die Organisierte Kriminalität geschäftsschädigend. Deswegen gehe ich eher davon aus, dass man wieder zurückgefahren wird.“

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Schüsse in Duisburg: Hells Angels involviert

Nach dpa-Informationen aus Polizeikreisen sollen Mitglieder der Rockergruppe Hells Angels an der Schießerei beteiligt gewesen sein. Davon berichtete auch NRW-Innenminister Herbert Reul am Donnerstag in Düsseldorf, der als „Kontrahenten“ Mitglieder eines kriminellen türkisch-arabischen Clans ausmachte.

„Die Bilder sind schockierend“, sagte Reul. Von einer neuen Dimension wollte er aber nicht sprechen. „Der gestrige Abend führt uns vor Augen, wie wichtig es ist, bei diesem Problem am Ball zu bleiben. Clan-Kriminalität ist keine PR-Erfindung, sondern ein Riesenproblem, dass die Menschen besonders im Ruhrgebiet in Angst und Schrecken versetzt. Totschweigen ist keine Lösung.“

Im Zusammenhang mit den Schüssen gibt es in der Nacht einen weiteren Einsatz von Spezialkräften in Duisburg. Das SEK verschafft sich gewaltsam Zutritt zu einem Haus, das einer Großfamilie gehören soll. Die Verdächtigen waren aber schon geflohen, niemand wird dort angetroffen. Auch in umliegenden Städten seien Kräfte im Zusammenhang mit den Schüssen in Hamborn zum Einsatz gekommen, so die Polizei. „Bei uns haben in dieser Nacht nur wenige geschlafen“, berichtet ein Polizeisprecher der „WAZ“.

Die Behörden suchen nun Zeugen, die Angaben zum Tatgeschehen oder zu beteiligten Personen machen können. Für die Ermittler seien „insbesondere Fotos oder Videoaufnahmen von Interesse“. Sie könnten auch anonym zur Verfügung gestellt werden.

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dpa