Ganz viel „Love, Madness and Pure Happiness“: So war das Parookaville-Comeback 2022

Zum sechsten Mal öffnete Parookaville vom 22. bis zum 24. Juli 2022 seine Tore. Wir waren beim Festival-Comeback dabei. In unserem Erfahrungsbericht lest ihr, wie das Mega-Event in Weeze war.
Parookaville 2022 Sign
Nach drei Jahren der Pandemie-Pause öffneten sich 2022 endlich wieder die Tore der "City of Dreams". 225.000 Bürgerinnen und Bürger zählte Parookaville in diesem Jahr. Foto: Julian Huke
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Nach drei Jahren der Pandemie-Pause öffneten sich 2022 endlich wieder die Tore der "City of Dreams". 225.000 Bürgerinnen und Bürger zählte Parookaville in diesem Jahr. Foto: Julian Huke

Drei lange Jahre hatten Veranstalter, Künstler und tausende EDM-Fans aus Deutschland und der ganzen Welt auf diesen Moment gewartet: Vom 22. bis zum 24. Juli 2022 öffnete die fiktive Stadt Parookaville zum sechsten Mal ihre Tore. Auch unser Redakteur Steven hat sich das Festival-Comeback in Weeze nicht entgehen lassen. In seinem Erfahrungsbericht lest ihr, wie es war!

Parookaville 2022: Camping-Start mit Pre-Party am Donnerstag

Mein persönliches Parookaville 2022 beginnt schon am frühen Donnerstagmorgen, also am 21. Juli. Nachdem um 2.50 Uhr der Wecker klingelt, brechen meine Freunde und ich 40 Minuten später in Richtung Weeze auf. Knapp 80 Kilometer liegen vor uns, die wir allerdings ohne Verkehr in etwas mehr als einer Stunde bewältigen.

Auf dem Parkplatz angelangt, kommt so langsam das fast schon vergessene Festival-Gefühl in einem hoch. Die Wege sind voller Menschen, die allerlei Gepäck und Utensilien für das vor ihnen liegende Wochenende per Rucksack, Bollerwagen oder Mülltonne in Richtung Eingang transportieren. Wir beladen unsere Sackkarre, kleben alles festivalkonform mit Panzertape fest und machen uns ebenfalls auf den Weg.

Vor den Eingängen stehen die Menschen bereits Schlange. Der Unterschied zu den Jahren vor 2020: Die Schlangen sind länger. Die Entwicklung, die Anreise immer früher anzutreten, hatte sich bereits in den Vor-Corona-Jahren abgezeichnet. Diesmal, so scheint es, hat sie sich jedoch noch einmal vervielfacht. Die Lust auf Festivals ist größer denn je. Doch der Einlass funktioniert reibungslos. Auch, weil die Organisatoren (vermutlich wegen des großen Andrangs) entscheiden, die Tore bereits vor 6 Uhr zu öffnen – und damit weit vor dem eigentlich geplanten Beginn um 10 Uhr.

Auf dem Gelände angekommen machen wir uns sofort auf in Richtung Mitte des Base Camps, das 2022 der einzige Campingplatz ist und Platz für 25.000 Menschen hat. Doch unser Vorhaben, einen Platz im Dreieck zwischen den zentralen Duschen und Toiletten sowie dem Marketplace – auf dem der große Penny-Markt sowie der PENNY DJ Tower stehen – zu ergattern, stellt sich als abenteuerlich heraus: Es ist schon alles voll. Zum Glück sind wir nur eine Dreiergruppe und finden dann doch noch einen Platz für unser Zelt. Und weil unsere Nachbarn zu zweit sind, erreichen wir sogar die Mindestzahl für einen Pavillon, den wir dann kurzerhand im Swertz-Store erwerben. Ein mehr als gelungener Start in den Tag, der nach dem Camp-Aufbau mit der ersten Dose Bier vergoldet wird.

Dass es kurz danach anfängt zu regnen, stört uns (dem Pavillon sei Dank) nicht großartig – und die Laune lassen wir uns davon erst recht nicht vermiesen. Nach einem ersten Einkauf bei Penny (breites Sortiment und wirklich faire Preise nur knapp über „Normalniveau“) machen wir es uns gemütlich, spielen Beerpong und warten ab, bis der gröbste Schauer vorübergezogen ist. Dann geht es erstmals zum PENNY DJ Tower, auf dem seit 12 Uhr schon aufgelegt wird. Die Stimmung ist jetzt schon überragend!

 

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Noch besser wird es, je weiter der Tag voranschreitet. Vorbei an etlichen ebenso bunt wie wild geschmückten Pavillons begeben wir uns in Richtung Duschen, die man auch diesmal wieder für einen Token (Wert: 4 Euro) benutzen kann. Während der „Happy Hour“ (nachts bis morgens um 8 Uhr) wird sogar nur ein halber Token fällig.

Wie bei den Toiletten – Stehklos natürlich ausgenommen – handelt es sich um mehrere aneinandergereihte abschließbare Kabinen. Beides wird stets sauber gehalten und befindet sich für Festival-Verhältnisse in einem Top-Zustand. Einziges kleines Manko: Die Wassertemperatur in den Duschen ist nicht regulierbar. Zumindest als wir sie benutzen, befindet sie sich allerdings stets in einem akzeptablen Bereich.

Der Abend beginnt mit einem Abstecher in die ersten beiden geöffneten Bereiche des Festivalgeländes, die Desert Valley Stage und die Casa Bacardi, wo wir HUGEL sehen. Anschließend allerdings verschlägt es uns wieder zum PENNY DJ Tower, dem Epizentrum der Pre-Party, wo der erste Parookaville-Tag seinen Höhepunkt findet.

Parookaville 2022 – Tag 1: Der erste richtige Blick in die „City of Dreams“

Als wir am Freitag zu den Klängen von „Guten Morgen Sonnenschein“ und „Aufsteh’n ist schön“ viel zu früh im Zelt erwachen, steht uns die kurze Nacht ins Gesicht geschrieben. Doch Ausreden gelten nicht. Viel zu lange haben wir darauf gewartet, wieder auf ein Festival gehen zu können. Und: Der erste „richtige“ Parookaville-Tag steht bevor.

Als um 14 Uhr die „Stadttore“ zur „City of Dreams“ öffnen, ist die Neugier traditionell groß. Die Frage aller Fragen: Wie sieht die Mainstage in diesem Jahr aus? Dass sie wieder einmal riesig ist, war bereits am Donnerstag vom Campingplatz aus von hinten bzw. nach Öffnung des Festivalgeländes auch von der Seite zu sehen gewesen. Nun also wird das Geheimnis gelüftet – und wieder einmal haben die Veranstalter etwas fürs Auge geschaffen: Es handelt sich um eine Musikbox im Stile eines alten Verstärkers, die dem fiktiven Parookaville-Bürgermeister Bill Parooka gehört. Bei bestem Festival-Wetter spielt das niederländische Duo Lucas & Steve das Opening.

 

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Das Gesamtkonzept überzeugt wieder einmal auf ganzer Linie. Jedes Element in der fiktiven Stadt ist bis ins Kleinste durchdacht und lässt einen für die Dauer des Festivals tatsächlich in eine andere Welt eintauchen. Neben den „alteingesessenen“ Stages wie der Bill’s Factory, der Power Plant oder der Cloud Factory (beide in Hangars beheimatet) ist in diesem Jahr der Jägermeister Gigant – eine riesige Jägermeister-Flasche, in der gefeiert werden kann – eines der absoluten Parookaville-Highlights. Selbst die Künstler sind begeistert. „Eine Sache, die ich an Parookaville liebe, ist das originelle Konzept – du lebst in einer Stadt, die es den Rest des Jahres nicht gibt. Es ist wirklich etwas Besonderes, hier zu sein“, schwärmt etwa DJ Tiësto.

Abseits der Musik ist das Angebot ebenfalls breit: Es gibt eine Kirche, in der auch 2022 wieder eine offizielle Hochzeit stattfindet, einen Pool, der bei den hohen Temperaturen für Abkühlung sorgt, einen City Forest, der zum Verweilen einlädt, sowie diverse Aktivitäten wie eine Achterbahn oder das Riesenrad, Boutiquen und natürlich ein reichhaltiges Food-Angebot. Gezahlt wird überall mit den bereits erwähnten Token. Die Preise sind festivaltypisch.

Was vielen Besucherinnen und Besuchern missfällt, ist das neu eingeführte Pfandsystem: Wer ein Getränk kauft, bekommt zum Aufpreis von einem halben Token (2 Euro) einen Chip, den er bei Abgabe des leeren Bechers bzw. der leeren Dose zurückgibt und seinen halben Token wiederbekommt. Ein weiterer Kritikpunkt: Es werden Einweg-Plastikbecher ausgegeben. Umweltbewusstsein geht definitiv anders.

Doch zurück zur Musik. Unser absolutes Highlight des Tages ist Fisher, der sich um 20 Uhr auf der Desert Valley Stage die Ehre gibt und stolze zweieinhalb Stunden mächtig einheizt. Im Anschluss zieht es uns zur Bill’s Factory, wo wir den Klängen von Martin Solveig und Topic lauschen.

Parookaville 2022 – Tag 2: Volles Haus am Samstag

Wie zu erwarten war, ist der Andrang am Samstag riesig. Auf dem Festivalgelände kommt es uns noch einmal deutlich voller vor als am Freitag. Immer wieder witzig: ein Blick in die Menge. Vor allem bei den männlichen Parookaville-Gästen ist hier deutlich der Unterschied zwischen Camping- und Tagesbesuchern zu sehen – an den (teils schon leidenden) Gesichtern, aber vor allem an der Kleidung.

Dass bei den Parookaville-Citizens nicht nur EDM hoch im Kurs steht, zeigt sich am Abend: Als die Kölner Band Kasalla auf der Brainwash-Stage, die stets eine gelungene Abwechslung bietet, auftritt, platzt der Bereich vor der Bühne aus allen Nähten. Wer durch die Menge will, bleibt irgendwann stecken. Es geht weder vor, noch zurück. Die Veranstalter reagieren bereits nach 15 Minuten und brechen den Auftritt „aus Sicherheitsbedenken prophylaktisch“ ab. Wäre der Auftritt von „Olaf der Flipper“ am Abend keine Überraschung gewesen, hätte wohl ein ähnliches Szenario gedroht – schließlich ist der Flippers-Hit „Wir sagen danke schön“ vor allem auf dem Campingplatz ganz weit vorne. Doch der 76-Jährige kann durchziehen und genießt das Bad in der Menge sichtlich.

 

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Anders sieht das bei denjenigen aus, die sich um kurz vor 0.30 Uhr von der „Old Town“ aus auf den Weg zur Parookaville Ceremony an der Mainstage machen. Wir selbst sind zwar früh genug vor Ort, um das Feuerwerk zu sehen, doch das geht längst nicht jedem so. Wie in den sozialen Medien zu lesen ist, kommt es am Eingang zu einem großen Gedränge – in dem vereinzelt Menschen kollabieren. „Es war unfassbar eng“, bestätigt uns ein Betroffener später. „Man konnte sich kaum bewegen, wurde einfach mitgedrängt, aber wirklich vorwärts ging es nicht.“ Hört sich nach einem Punkt an, den man 2023 verbessern könnte.

Die Parookaville Ceremony an sich hält aber, was sie verspricht: Das 15-minütige Feuerwerk ist pompös und lässt viele Augen strahlen. Der perfekte Wegbereiter für den Mainstage-Abschluss des Tages mit Armin van Buuren. Auf dem Weg zurück zum Campingplatz lassen wir den Samstag spontan noch an der Casa Bacardi mit DJ Jazzmin und DerVeib ausklingen – und diese Entscheidung bereuen wir absolut nicht.

Parookaville 2022 – Tag 3: Würdiger Abschluss am Sonntag

Am nächsten Morgen vielleicht schon eher. Kein Wunder, schließlich war die Nacht denkbar kurz und unsere Körper sehnen sich nach drei Tagen exzessiver Feierei so langsam nach Erholung. Doch es hilft alles nichts: Auch der Parookaville-Sonntag will bestritten werden! Nicht einfacher macht die Sache allerdings, dass das Thermometer schon früh Temperaturen jenseits der 30-Grad-Grenze anzeigt.

Todesmutig wie wir sind, stürzen wir uns schon früh in den letzten Festival-Tag: Erst supporten wir die Campingplatz-Legende Sternbusch bei seinem ersten offiziellen Parookaville-Auftritt auf dem PENNY DJ Tower, später tanzen wir bei David Puentez und den Ostblockschlampen in der prallen Sonne vor der Mainstage. Wie gut, dass hier neben den Toiletten eine von mehreren Trinkwasser-Stellen steht. An diesem Tag mit Sicherheit für viele unerlässlich.

 

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Nach einem erneuten Zwischenstopp an der Casa Bacardi legen wir eine kleine Pause auf dem Campingplatz ein und grillen, ehe wir uns in den letzten Abend stürzen. Natürlich lassen wir uns Scooter nicht entgehen – und auch beim Closing-Act Timmy Trumpet auf der Mainstage sind wir vor Ort. Ein mehr als würdiges Parookaville-Finale 2022! Geschafft, aber glücklich geht es danach ein letztes Mal ins Zelt, bevor wir am Montagmorgen in Richtung Heimat (und Bett!) aufbrechen.

Parookaville 2022: Unser Fazit

Parookaville 2022 war ein voller Erfolg! „Love, Madness and Pure Happiness“ haben mehr denn je zuvor in Weeze regiert. Keine Frage: Dem größten EDM-Festival in Deutschland ist eine fulminante Rückkehr gelungen.

Besonders hervorzuheben ist, wie friedlich gefeiert wird. Von Donnerstag bis Montagmorgen wurden insgesamt 26 Strafanzeigen von der Polizei aufgenommen – bei 225.000 Besucherinnen und Besuchern (davon 45.000 Camping-Gäste) aus über 40 Ländern.

„Wir haben drei Jahre für die Tonne geplant und durften jetzt endlich wieder unsere Lieblingsstadt für die Bürgerinnen und Bürger aufbauen. Das ganze Team hat dafür extrem hart gearbeitet und wir wurden belohnt mit der puren Lebensfreude in der City und auf der Campsite“, fasst Co-Gründer Bernd Dicks die Emotionen des Parookaville-Teams in Worte, das bereits kurz nach dem Ende der sechsten Ausgabe auf die siebte blickt: Parookaville 2023 findet vom 21. bis zum 23. Juli statt. Der Vorverkauf startet am Sonntag, 2. Oktober um 12 Uhr.