Kerstin Rapp-Schwan: Ich weiß nicht, ob es unsere Restaurants im Sommer noch geben wird!

Kerstin Rapp-Schwan und ihr Team versuchen viel, um das Geschäft am Laufen zu halten. Wie schon im ersten Lockdown bieten auch jetzt zwei Lokale Speisen zum Abholen an. Doch das Take-Away-Geschäft reicht nicht, eine vernünftige Öffnungsstrategie muss her - sonst steht die Zukunft aller fünf Restaurants auf dem Spiel.
Kerstin Rapp-Schwan Schwan Restaurant Pempelfort
Foto: RP/Andreas Bretz

Fünf Lokale in Düsseldorf und Neuss gehören Kerstin Rapp-Schwan und ihrem Mann – an für sich gut laufende Restaurants, doch Corona änderte alles. Seit November ist die Gastronomie im zweiten Lockdown, ein Ende aktuell noch nicht in Sicht, der Zustand der Branche irgendwo zwischen Verzweiflung, Resignation und einem Rest Hoffnung. Hoffnung darauf, dass von der Politik irgendwann doch noch eine richtige Öffnungsperspektive kommt.

>> Wann öffnen in Düsseldorf wieder die Gastro-Terrassen? <<

Das gilt auch für die erfahrene Gastronomin Kerstin-Rapp Schwan. Sie ist in den Vorständen des Leaders Club und der FBMA (Food & Beverage Management Association), seit 2020 Partnerin bei Tellerrand Consulting – der Gastro-Beratungsfirma um TV-Koch Tim Mälzer. Zusammen mit ihrem Mann betreibt die 47-Jährige drei Schwan-Restaurants in Düsseldorf, eines in Neuss, außerdem das Beethoven in Flingern. In normalen Zeiten ein gut gehendes Unternehmen mit 140 Mitarbeitern – vor Corona. Heute sind es nur noch 70 Mitarbeiter, 80 Prozent davon in Kurzarbeit.

Das vergangene Jahr war mehr Ab als Auf, doch Kerstin Rapp-Schwan und ihr Team versuchen alles, um das Geschäft am Laufen zu halten. Wie schon im ersten Lockdown bieten auch jetzt zwei Lokale der Gruppe Speisen zum Abholen an: Der Schwan im Pempelfort (hier wird auch gratis für Krankenhaus-Personal gekocht) und das Beethoven. Und das Restaurant am Burgplatz ist Corona-Teststation.

„Ein Tropfen auf dem heißen Stein“

Lohnt sich denn das Take-Away-Geschäft? „Es ist wie ein Tropfen auf dem heißen Stein“, so Kerstin Rapp-Schwan. „Wenn wenigstens die Kosten gedeckt sind, bin ich schon froh.“ Aber darum allein geht es ihr auch nicht. „Wir wollen ein Zeichen für unsere Gäste und Mitarbeiter setzen. Und alles dafür geben, dass es weitergeht.“

>> Auf einen Mittagstisch „to go“ im Düsseldorfer Kult-Restaurant Les Halles <<

Alles dafür geben, dass es weitergeht: Wie viele Gastronomie-Betriebe hat auch die Düsseldorferin trotz starkem Umsatzeinbruch letztes Jahr investiert und einen Kredit aufgenommen, um den Gästen einen möglichst sicheren Restaurant-Besuch zu ermöglichen. Neben der Umsetzung der Hygenie-Maßnahmen, Abstandsmodellen mit Trennwänden und Pappfiguren gehören ein digitales Bestellsystem und Luftfilter dazu.

„Regierung betreibt Risiko-Vermeidung und kein Risiko-Management“

„Doch letztendlich reicht das wohl alles nicht aus, um die Politik davon zu überzeugen, dass Restaurants keine Pandemie-Treiber sind“, zeigt sich Kerstin Rapp-Schwan mehr als enttäuscht. Im Gegenteil. „Die Regierung befindet sich in einer Schockstarre, betreibt Risiko-Vermeidung statt Risiko-Management und bezieht unsere Experten nicht ein“, klagt sie an. „Und dabei kommen dann Beschlüsse wie etwa die Stufe vier mit einer möglichen Öffnung der Außengastronomie heraus, die kaum umsetzbar beziehungsweise maximal unattraktiv sind!“

https://www.facebook.com/SchwanRestaurant/videos/351571072754277

Und so werden die wirtschaftlichen Sorgen immer größer. „Die November-Hilfe haben wir bekommen, doch die Dezember-Hilfe steht immer noch aus – und wir haben jetzt Mitte März!“

Große Gedanken macht sich die studierte Betriebswirtin auch um die Rückzahlung der Kredite und um die im Juni auslaufenden Überbrückungshilfen: Es geht um die Zukunft der Lokale und der Mitarbeiter. „Wann wird überhaupt ein normal laufender Betrieb wieder möglich sein? Denn wenn es so weitergeht, kann ich nicht sagen, ob es unsere Restaurants im Sommer noch geben wird.“

>> Düsseldorf – Corona aktuell: Inzidenz steigt wieder leicht – die heutigen Zahlen <<

Angesichts steigender Infektionszahlen blickt Kerstin Rapp-Schwan skeptisch auf den 22. März. Dann stehen die politischen Beratungen von Bund und Ländern auch zum Thema Gastronomie an. „Die Politik ist so unter Druck, da kann ich mir nicht vorstellen, dass sie uns bald wiedereröffnen geschweige denn machbare Konzepte beschließen werden.“

Trotzdem hofft die Düsseldorferin weiter. Auf eine vernünftige Öffnungsstrategie – und irgendwann auch auf einen normalen Zustand ohne Auflagen. „Nur dann können wir im Restaurant wirtschaftlich arbeiten und brauchen keine Hilfen mehr vom Staat!“

>> Walid El Sheikh klagt Politik in Corona-Krise an: „Fühle mich benutzt“ <<

Bei dieser Perspektive spielen für Kerstin Rapp-Schwan auch die Datennachverfolgung z.B. durch die Luca-App oder ähnliche Anbieter, eine Impfbestätigung und ein negatives Testergebnis eine wichtige Rolle.

Und die Gäste? „Ich bin überzeugt davon, dass die Menschen wieder gerne und oft in die Restaurants gehen werden – und bis dahin halten wir hoffentlich durch!“

>> 760.000 Euro Entschädigung wegen Corona-Ausfall und neues Lokal für Walid El Sheikh <<