"LeFloid" & Co.

Meinungsmacher auf Youtube

"LeFloid" & Co.: Meinungsmacher auf Youtube "LeFloid" & Co.: Meinungsmacher auf Youtube Foto: Youtube
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Der Youtube-Star "LeFloid" alias Florian Mundt informiert mit reißerischen Schlagzeilen Millionen junge Internetnutzer. Jetzt ist er auf eine Falschmeldung hereingefallen und muss sich der Qualitätsdebatte stellen.

Der 27-jährige Florian Mundt ist eine Medienmacht. Zumindest was seine Reichweite auf Youtube angeht. Dort betreibt er den Videokanal "LeFloid", über zwei Millionen Internetnutzer haben seinen Angebot abonniert. Der Psychologiestudent aus Berlin veröffentlicht zweimal pro Woche ein Video in der Reihe "LeNews", in der er aktuelle Nachrichten und Alltagsthemen vorstellt. Für seine gesellschaftskritischen Videos ist er in diesem Jahr mit dem Publikumspreis des Grimme Online Awards ausgezeichnet worden.

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Ausgerechnet er, einer der erfolgreichsten deutschen Youtube-Stars, scheint einer Verschwörungstheorie aufgesessen zu sein, hat mangelhaft recherchiert. Der Vorwurf: Er soll auf Anti-Putin-Propaganda hereingefallen sein. In einem seiner letzten Videos zitiert Mundt eine Webseite, die eine vermeintliche Ankündigung des russischen Präsidenten Wladimir Putins wiedergibt. Angeblich verspricht Putin die endgültigen Beweise, dass die damalige US-Regierung für die Anschläge auf das World Trade Center verantwortlich ist.

Das Bildblog zeichnet den Rechercheweg der Ursprungsmeldung nach und kommt zu dem Schluss: Alles basiert auf einer Frage eines Verschwörungstheoretikers, welche nach dem Prinzip der stillen Post zu einem persönlichen Zitat von Putin wurde. Das Video wurde über eine Million Mal angeklickt.

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Florian Mundt stellt das jetzt auf seiner Facebook-Seite richtig: "Leider handelt es sich dabei um einen Schwindel, den ich nicht kannte und bei so vielen Referenzen auch nicht sofort als solchen erkannte." Er sei auch in erster Linie Videoblogger und hätte keine Redaktion, die seine Thesen kontrollieren könne. Für junge Internetnutzer gehört Youtube inzwischen fast zum Alltag. 40 Prozent der 18-bis 29-jährigen deutschen Onliner rufen das Videoportal täglich auf, wie eine Befragung des Forschungsinstituts Goldmedia Research ergab. Unter den 18- bis 29-Jährigen nutzen 30 Prozent mehrmals am Tag das Angebot. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es dagegen nur noch zehn Prozent und bei den über 50-Jährigen nur fünf Prozent. Doch auch über alle Altersgrenzen hinweg findet das Portal inzwischen Verbreitung. Mehr als die Hälfte aller Internetnutzer ab 18 Jahre schaut sich mehrmals pro Woche Videos bei Youtube an. Unter den 18-bis 29-Jährigen gibt es 80 Prozent wöchentliche Nutzer.

Wie wichtig Youtuber geworden sind, zeigt auch, dass der US-Präsident Barack Obama kürzlich drei amerikanische Stars der Plattform zur Fragestunde in das Weiße Haus geladen hat. Wer sind diese Youtube-Stars wie Florian Mundt, die die Meinung von Millionen Teenager prägen? Internationale Nachrichten von einer Ein-Mann-Redaktion, ohne journalistische Ausbildung?

"Ich finde erstmal das Anliegen der meisten Youtuber ehrenhaft, die Nachrichten auf die Nutzer zuzuschneiden", sagt Arne Busse, Leiter des Fachbereichs Zielgruppenspezifische Angebote von der Bundeszentrale für politische Bildung. "Das sind ganz normale Menschen, die selten eine journalistische Ausbildung haben, natürlich können sie nicht die journalistischen Standards einhalten", meint Busse. "Sie verspüren keinen journalistischen Auftrag, sondern machen das, weil es ein Stück Jugendkultur ist."

Streit mit Netzwerk Mediakraft: YouTube-Star Simon Unge macht Schluss Streit mit Netzwerk Mediakraft YouTube-Star Simon Unge macht Schluss Zum Artikel » Natürlich habe auch jemand wie Florian Mundt bei seiner großen Reichweite die Verantwortung, seine Fakten besser zu überprüfen. Das sieht auch Stefan Niggemeier, Medienkritiker und Mitbegründer des Bildblogs, so: "Die Youtuber müssen sich der Verantwortung, die sie durch ihre Glaubwürdigkeit und Reichweite haben, bewusst sein und versuchen, ihr gerecht zu werden." Lars Gräßer, der sich im Grimme-Institut mit dem Bereich Medienbildung beschäftigt, bemerkt ebenfalls, dass sich ein großer Teil der Youtuber der großen Verantwortung tatsächlich nicht bewusst sei. Aber die Sensibilität wachse. "Es ist eine Ironie, dass sich ausgerechnet LeFloid mit diesen Vorwürfen auseinandersetzen muss. Er reflektiert am ehesten, welche Reaktionen er bei seinen Zuschauern auslöst", sagt Gräßer. Andere Youtuber würden häufig durch problematische und unreflektierte Äußerungen auffallen.

Webstars sind fast wie ein großer Bruder oder eine Schwester

Häufig sind sich Eltern der Rolle der Youtube-Stars für ihre Kinder gar nicht bewußt, meint Markus Hündgen, Organisator des Deutschen Webvideopreises. "Viele Eltern betrachten die Youtube-Stars ihrer Kinder mehr als Phänomen, als digitale Boygroup, denn als Meinungsführer", so Hündgen. "Dabei sind diese Webstars schon längst fast ein großer Bruder oder eine große Schwester für Teenager. Und prägen maßgeblich alle Lebensbelange. Das Fatale daran ist: Aber nicht als Bruder oder Schwester, sondern eben als das, was sie sind: Stars." Als Stars müssen sich die Youtuber mit Problemen auseinandersetzen, die für ihr Alter ungewöhnlich sind.

Die meist jungen Youtuber werden mit knallharten wirtschaftlichen Interessen konfrontiert und vertreten häufig auch eine prekäre Geschlechterrolle. Viele Youtubern fehlen die formalen Strukturen, wie sie in klassischen Medien zu finden sind. ZDF-Moderator Jan Böhmermann hält der Youtube-Szene regelmäßig die Unbedarftheit gegenüber der Wirtschaft vor. Er provoziert einzelne Stars, die durch unverblümte Produktpräsentationen auffallen, auch wenn er dann den massiven Unmut der zahlreichen Fans der Youtuber auf sich zieht.

Wie differenziert betrachten denn nun die jungen Internetnutzer die Aussagen der Youtube-Produzenten? Busse sieht die Nachrichtenkanäle auf Youtube zunächst einmal positiv: "Das ist tatsächlich eine Möglichkeit, bestimmte Themen für jungen Menschen öffnen zu können." Für einige junge Nutzer sei die nötige Differenzierung manchmal eine Herausforderung. Es sei nötig, dass die Nutzer aller Medien lernen, wie man wahre Informationen von Falschmeldungen unterscheide. Das betreffe aber alle Altersgruppen, der Vorwurf der "Lügenpresse" zeige die Verunsicherung aufgrund des großen Informationsangebotes auch bei den Mediennutzern älterer Generationen.

Um die kritische Kompetenz der Nutzer scheint es aber nicht allzu schlecht zu stehen. Einer von ihnen fragt sich in einem Kommentar: "Wieso solche Nachrichten immer nur hier bei LeFloid und nicht in der Zeitung? Ich habe von dem Quatsch nämlich nie was gehört und vermute deswegen auch, dass das nur blöder Mist ist."

Quelle: RP