Vom Randphänomen zum Mainstream

Das 2015er Remake von „Poltergeist“

Vom Randphänomen zum Mainstream: Das 2015er Remake von „Poltergeist“ Vom Randphänomen zum Mainstream: Das 2015er Remake von „Poltergeist“ Foto: Twentieth Century Fox

I'm coming for your soul! In den 80ern war der Horrorfilm trotz solcher Größen wie Steven Spielberg nicht besonders beliebt. Die Zuschauer hatten das Gefühl, dass das Genre nichts wirklich Neues mehr hergab. Dementsprechend gering waren meist die Zuschauerzahlen, und dementsprechend gering war meist das Budget. Trotzdem hat „Poltergeist“ es 1982 geschafft, einer der größten Kinoklassiker zu werden. Kein Wunder also, dass jetzt ein Remake in den Startlöchern steht. TONIGHT.de hat sich den Film für euch angeschaut.

Was kann das Remake von Sam Raimi?

Inhaltlich ist die Neuverfilmung, die seit dem 28. Mai in den Kinos ist, sehr nah am Original. Allerdings ist der Röhrenfernseher durch den modernen Flatscreen ausgetauscht. Eine Drohne fliegt ins Totenreich, um die kleine Tochter der Familie, die dorthin verschleppt wird, zu finden, und per IPhone sollen übernatürliche Signale geortet werden. Hilfe sucht die Familie außerdem nicht bei „normalen“ Geisterjägern – sie nehmen sich gleich ein ganzes Fernsehteam, die „Haunted House Cleaners“, zur Seite.

„Poltergeist“ hat durch Sam Raimi, der unter anderem Filme wie „Evil Dead“ und „Drag me to Hell“ zu Kassenschlagern gemacht hat, den Zeitsprung von 1982 in die heutige Zeit geschafft. Das liegt wohl mit daran, dass Produzent Raimi durch seine Neuverfilmung von „The Grudge“ bereits Remake-Erfahrung hatte. Außerdem hat auch er Anfang der 80er einen der Horrorfilmklassiker geschaffen – „The Evil Dead“ (dt. „Tanz der Teufel“). Er weiß also, was damals das Faszinierende am Horror war, und kann es mit „Poltergeist“ ins 21. Jahrhundert bringen – denn er ist schon seit Jahrzehnten im Horrorgenre erfolgreich.

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Horror goes House

Allein auf Sam Raimi als Erfolgsgarant wollte man sich aber offensichtlich doch nicht verlassen. Was könnte denn ansonsten das junge, moderne Publikum in die Kinos locken? Gute Werbung. Und was funktioniert bei der Zielgruppe? Musik, Partys, gute Laune. Gut, auf den ersten Blick passt das nicht so wirklich zum Horrorgenre.

Dann wurde jedoch der österreichische DJ Rene Rodrigezz – bekannt durch Songs wie „Shake 3x" – zusammen mit dem Rapper MC Yankoo mit ins Boot geholt. Und raus kommt tatsächlich ein Promosong zum Horrorfilm, der clubtauglich ist. Wir haben typische Partybeats, typische Songzeilen wie „in the middle of the night“, die sich ganz innovativ auf „'til the morning light“ reimt. Insgesamt musikalisch nichts, was man nicht schon oft in Clubs gehört hätte, aber definitiv tanzbar.

Wenn man trotzdem – nüchtern genug, um noch zuhören zu können – auf den restlichen Text achtet, dann ist auf einmal doch nicht mehr so klar, ob der Song so gut in Diskos passt:

„When you hear that creak in the middle of the night
Darkness and fear 'til the morning light
How will you ever sleep? You're under my control
It won't help if you weep 'cause I'm coming for your soul“

Schon ein bisschen gruselig bei genauerem hinhören. Ob das auf dem Mainstreamfloor funktionieren wird? Naja, vielleicht gehört der Horror ja mittlerweile so sehr zur Popkultur, dass das irgendwie gehen kann. Oder man verlässt sich einfach darauf, dass beim Abzappeln eh keiner so richtig auf den Text hört.

Auf jeden Fall hat der Horrorfilm es mittlerweile von der Randgruppe zum Mainstream-Phänomen geschafft. Wer nichts unbedingt Neues sucht, dafür aber nette Effekte und bildstarke Szenen, der sollte sich das Remake von „Poltergeist“ ruhig angucken.