Kinostart von "Sie nannten ihn Spencer"

Der Blinde, der Blonde und Bud

Kinostart von "Sie nannten ihn Spencer": Der Blinde, der Blonde und Bud Kinostart von "Sie nannten ihn Spencer": Der Blinde, der Blonde und Bud Foto: dpa
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Er ist seit den 70er Jahren ein Star: Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer. Nun kommt eine Fan-Doku über ihn in die deutschen Kinos.

Carlo Pedersoli war ein Tausendsassa: Pilot und Politiker, Wasserballspieler, Weltklasse-Schwimmer und Sänger, Komponist und Erfinder. Im Gedächtnis geblieben allerdings ist der Italiener, der vergangenen Sommer 86-jährig starb, aller Welt als der zotige und sagenhaft verfressene Haudrauf Bud Spencer. Unter diesem Künstlernamen drehte Pedersoli mit seinem Sidekick Terence Hill (eigentlich: Mario Girotti) in den Siebzigern und Achtzigern nicht weniger als 18 Slapstick-Actionkomödien.

"Sie nannen ihn Spencer"

"Sie nannten ihn Spencer" heißt deshalb nur folgerichtig eine Dokumentation, die nun exakt ein Jahr nach Pedersolis Tod in die Kinos kommt. Der Film ist eine Fleißarbeit von Fans, an dem aber nicht nur andere Bud-Spencer-Begeisterte Spaß haben dürften. Auch Einsteigern gibt das mit vielen Filmschnipseln und noch mehr Experteninterviews gespickte zweistündige Werk einen erschöpfenden Überblick über das Phänomen Bud Spencer.

Dass der Film in achtjähriger Arbeit entstanden ist, aus der fixen Idee zu einer Diplomarbeit heraus und unter Mithilfe hunderter Fans, während Anträge auf Filmförderung nicht weniger als sechs Mal abgelehnt wurden, all das kommt als Zuckerl dazu. Schade ist allerdings, dass der Regisseur Karl-Martin Pold seinen eigenen Protagonisten nicht recht zu trauen scheint: Die Superfans Marcus Zölch und Jorgo Papasoglou begeben sich in der Rahmenhandlung fröhlich frotzelnd auf einen Roadtrip zu Bud Spencer und dessen Co-Star Terence Hill, diversen Nebendarstellern, Produzenten und Filmkritikern.

"Schnodderdeutsch"

Zu Wort kommt dabei auch Rainer Brandt, der sich für die deutsche Synchronisation so viele flapsige Sprüche ausdachte, dass besorgte Lehrer dieses von Sprecher Thomas Danneberg zelebrierte "Schnodderdeutsch" bald als Indiz für den nahenden Untergang des Abendlands deuteten.

Gewicht hat der Erzählstrang mit den beiden Fans, weil die Spencer-Hill-Filme sowohl dem von Geburt an blinden Berliner Jorgo als auch dem bei einem Autounfall schwerstverletzten Augsburger Marcus Lebensmut und -freude vermittelt haben und das noch bis heute tun. Umso ärgerlicher, dass das Duo zu Schauspieleinlagen genötigt wird, die meist schlimm unbeholfen wirken. Wer auch immer diesen Einfall hatte - beinahe fühlt man sich berufen, Terence Hill zu zitieren: "Der hat auch nicht mehr Hirn als 'n Spatz Fleisch an der Kniescheibe."

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Aber so schlimm ist es auch nicht; am Ende ist die Hommage das Eintrittsgeld wert. Meist einmalig läuft der Film beispielsweise im UCI Düsseldorf, Duisburg und Neuss sowie im Cinemaxx Krefeld und Wuppertal.

Die konventionellere arte-Dokumentation "Bud's Best - Die Welt des Bud Spencer" sowie vor allem Pedersolis Bücher kann und sollte man sich danach zu Gemüte führen.

"Sie nannten ihn Spencer", Österreich 2017, Regie: Karl-Martin Pold, 122 Min.

Quelle: RP