Meryl Streep spielt eine Rockerin

"Ricki – Wie Familie so ist"

Meryl Streep spielt eine Rockerin: "Ricki – Wie Familie so ist" Meryl Streep spielt eine Rockerin: "Ricki – Wie Familie so ist" Foto: Sony Pictures
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Jonathan Demme drehte einst "Stop Making Sense", den legendären Konzertfilm über die Talking Heads. Nun inszeniert er Meryl Streep in "Ricki - Wie Familie so ist" als Rock-Röhre. Das geht schief.

Wer den Film mit dem blöden Titel "Ricki – Wie Familie so ist" gesehen hat, kann ganz schön sauer auf Jonathan Demme sein. Der Regisseur hat einst "Stop Making Sense" gedreht, den Konzertfilm über die Talking Heads, einen Klassiker des Musikkinos: 1984 war das, großes Tennis. Demme machte danach Blockbuster wie "Das Schweigen der Lämmer" und "Philadelphia", die waren auch gut, aber umarmt hätte man ihn für "Stop Making Sense" – wenn man ihm denn mal begegnet wäre.

Inzwischen liegen die Dinge jedoch anders, heute würde man den 71-Jährigen nicht mehr umarmen. Man würde ihn zur Rede stellen und fragen: Was sollte das denn?

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"Ricki" ist ein Spielfilm über eine Frau, die irgendwann Ehemann und Kinder verlassen hat, um die bürgerliche Existenz gegen ein Leben auf den Bühnen verqualmter Trucker-Spelunken zu tauschen. Diese Ricki fühlt sich als Rockerin, und statt im SUV vor Schultoren zu warten, singt sie lieber Lieder von Springsteen nach und von Tom Petty: Lieder über die Freiheit und das durchgedrückte Gaspedal.

Ricki sieht allerdings gar nicht aus, wie man nach prekären Jahrzehnten ohne gute Ernährung und teure Cremes aussehen würde. Sie wird von Meryl Streep (66) gespielt, und die hat sich eine 80er-Jahre-Frisur geflochten und denkt nun, sie sei Patti Smith. Es hilft auch nicht, dass ihr Neil Young höchstpersönlich Gitarrenunterricht gegeben hat: Zehn Lieder darf Streep spielen, sie kann ja sehr schön singen, das bewies sie bereits in "Last Radio Show" und "Mamma Mia", aber ihr Rock 'n' Roll ist doch bloß Travestie.

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An Streeps Seite spielt zu allem Überfluss Rick Springfield, der in den 80ern mal einen Hit hatte, den er aber heute nicht mehr singen kann, weil er inzwischen 66 Jahre alt ist und das Lied dummerweise "Celebrate Youth" heißt. Ricki und Rick sind also liiert, aber Ricki muss nach Hause zur Verwandtschaft, weil die Tochter vom Leben arg durchgerockt wurde – und so erkennt Ricki den Wert von Familie.

Es geht alles sehr absehbar zu, Rickis Film-Tochter ist in echt übrigens Meryl Streeps leibliche Tochter, was kaum zu übersehen ist, weil Mamie Gummer (32) aussieht wie ihre Mutter in dem Jahr, als Jonathan Demme "Stop Making Sense" drehte. Damals wusste er noch, wie Rock 'n' Roll geht, wie der sich anfühlt und wie er aussehen muss, damit er gut aussieht.

Lange her. Mannomann.

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Quelle: RP