Die letzte Tümmers-Videothek schließt

All die schönen Filme

Die letzte Tümmers-Videothek schließt: All die schönen Filme Die letzte Tümmers-Videothek schließt: All die schönen Filme Foto: RP/Anne Orthen
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Die letzte Tümmers-Videothek an der Bilker Allee in Düsseldorf schließt in dieser Woche. Einst hatte die Kette 22 Filialen und mehr als 100 Mitarbeiter.

Niemand, der in den 1980er und 90er Jahren in Düsseldorf aufgewachsen ist, kam ohne sie aus: Die kleine, unscheinbare Plastikkarte von Tümmers eröffnete über Jahrzehnte eine Welt. Mit ihr entdeckten die Menschen neue Galaxien, kämpften im Dschungel, retteten die Welt vor den Nazis. Mit ihr lachte und weinte die Stadt und - auch das soll nicht verschwiegen werden - brachte sich in Stimmung; immerhin machte Rainer Heumann, der Eigentümer der Videotheken-Kette, etwa 20 Prozent seines Umsatzes mit Pornofilmen.

Ende dieser Woche sind diese Zeiten endgültig vorbei. An der Bilker Allee schließt Heumann seine letzte Filiale, es gibt dann zwar noch eine Videothek an der Gumbertstraße, aber die hat er verkauft an einen, der es doch noch einmal mit dem Verleih von Filmen probieren will. Die Branche ist aber eigentlich am Ende, ein Relikt aus dem vorigen Jahrhundert.

Heumann ist wehmütig, man kann das schon so sagen. "Es ist mein Lebenswerk", sagt er. In den letzten zwei Jahren hat er es immer wieder probiert, Verluste hingenommen, bis er einsah: Das Geschäft hat keine Zukunft mehr. "Ich sehe es ja an mir selbst. Wenn ich abends einen Film sehen möchte, lade ich mir den auch bei Streaming-Diensten im Netz herunter, obwohl ich ihn ja umsonst sehen könnte." Zu bequem ist die neue Technik, das Stöbern im Regal und das Zurückbringen entfällt bei Netflix, Amazon Prime und den anderen Streaming-Anbietern.

Ein Stück Popkultur geht verloren

Was aber ebenso wegfällt, ist ein Stück Popkultur. Wahrscheinlich kennt jeder Filmfreund den freundlichen oder unfreundlichen Videotheken-Mitarbeiter, der einem auch mal einen Film empfiehlt, den man eigentlich nicht auf dem Schirm hatte. Aleksandar Jovanovic etwa ist ein wandelndes Filmlexikon.

Auch für ihn ist nach 17 Jahren als Mitarbeiter in der Videothek an der Bilker Allee nun bald Schluss. Am besten seien in seiner Zeit die Kinderfilme gelaufen, weil sie immer wieder von den Kindern angesehen werden wollen. Der letzte große Hit der Ausleihe war "Die Eiskönigin", allerdings hätten die meisten nur von "Elsa" gesprochen, die sie unbedingt noch einmal sehen müssten. Elsa ist eine der Hauptfiguren des Disney-Films.

Tümmers - image/jpeg Daniel Schneider und Julia Flacke ergattern bei Aleksandar Jovanovic noch ein paar Filmschnäppchen.

Garant für Umsatz seien früher auch die Filme von Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone und Bruce Willis gewesen, zuletzt seien alle Filme mit Will Smith und Tom Cruise besonders gut gelaufen. Jovanovic habe oft die Filme von Christopher Nolan und David Fincher empfohlen. "Die Arbeit hat Spaß gemacht", sagt er.

Was er demnächst macht, ist unklar. Am liebsten würde der 35-Jährige in die Fußstapfen von Quentin Tarantino treten und eigene Drehbücher schreiben. Der US-Regisseur hatte vor seiner Karriere ebenfalls in einer Videothek gearbeitet. Jovanovic belegt einen Kursus dafür, sein Leben finanzieren will er bis zum Durchbruch mit einem Job im Kino. Für den Filmenthusiasten wäre das passend.

Das Ende der Videotheken war absehbar

"Immer wieder hab ich den Mitarbeitern gesagt, dass sie in unserer Branche nicht in Rente gehen würden", sagt Heumann. Seit etwa 2006 war ihm bewusst, dass härtere Zeiten auf die Branche zukommen würden. Das Ende sei absehbar gewesen, sagt er. 22 Filialen und mehr als 100 Mitarbeiter hat er in den besten Zeiten gehabt. Und Heumann hat im Verband auch Politik gemacht.

So sei die Branche oft wegen der Ausleihe von Gewalt- und Sexfilmen in Gefahr gewesen, Einschränkungen hinnehmen zu müssen. Oft seien nach Gewalttaten Videos bei den Tätern gefunden worden und das habe die Politik - häufig in Bayern - benutzt, um gegen die Videoverleiher Stimmung zu machen, sagt er. "Im Verband haben wir dann dagegen gewirkt." Oft mit Erfolg.

Seine Videothek am Konrad-Adenauer-Platz war eine Zeit lang die umsatzstärkste in Deutschland, und zudem eine ziemliche Sensation, weil sie als 24-Stunden-Videothek die Düsseldorfer rund um die Uhr versorgte. Der von Heumann mitinitiierte Zusammenschluss mehrer Videotheken-Ketten zur Einkaufsgruppe "World of Video" war der größte Deutschlands.

Quelle: RP