Zuckerpuppen-Humor und "Deine Mutter"-Witze bei Enissa Amani

Von "Studio Amani" hätten wir mehr erwartet

Zuckerpuppen-Humor und "Deine Mutter"-Witze bei Enissa Amani: Von "Studio Amani" hätten wir mehr erwartet Zuckerpuppen-Humor und "Deine Mutter"-Witze bei Enissa Amani: Von "Studio Amani" hätten wir mehr erwartet Foto: ProSieben/Boris Breuer

Die Prämisse von "Studio Amani" war eigentlich relativ vielversprechend. Enissa Amani gilt als selbstironische, gutaussehende und witzige Newcomerin, die sowohl mit ihrem "Tussi-haften" Auftreten, als auch mit ihrer iranischen Herkunft geschickt spielt. In der zweiten Folge ihrer ersten eigenen "Personality-Show" Studio Amani, die Montagabend auf ProSieben lief, war davon aber nicht mehr so richtig viel zu sehen.

Dass man einen ehemaligen Raab-Sendeplatz nun nicht unbedingt mit feingeistigem Kulturprogramm füllen sollte, erscheint logisch. Was da allerdings am Montagabend bei Studio Amani passierte, hätte wohl selbst den dumpfbackigsten TV-Total-Fan geistig unterfordert. Schon der Stand-Up-Teil zu Beginn der Sendung, der Enissa ja eigentlich am meisten liegen sollte, war mit seinen flachen Pointen und schlecht auswendig gelernten Gags eher so mittelmäßig überzeugend.

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"Ich bin so’ne höfliche, ich mach’s gerne allen recht."

So beginnt das Ganze mit einer Reaktion auf die schlechte Kritik, die die Auftaktsendung von Studio Amani trotz guter Quoten einstecken musste, und auf entsprechende Facebook-Hass-Kommentare. Ein Thema, das durchaus Potential hatte, durch eine weinerlich defensive Vortragsart aber fast schon beeindruckend übel umgesetzt wurde. Ähnlich wie die deprimierend hohen Ergebnisse der AfD bei den Landtagswahlen, die mit dem Mörder-Gag, da müsse man mal was an der Bildungspolitik machen, innerhalb von wenigen Sekunden abgespeist wurden.

Oder das lustige Einspielfilmchen, in dem Enissa einige ehemalige TV-Total-Mitarbeiter auf dem Arbeitsamt aufgabelt und ihnen einen Job anbietet. Der besteht dann anscheinend darin, freundlich klatschend in der ersten Reihe zu sitzen und den Mund zu halten. Eine gute Idee, die so öde umgesetzt wurde, dass einem fast die Tränen kommen. Dieses polternde Verschenken von vielversprechenden Themen zieht sich wie eine Art roter Faden durch die gesamte Show. Aber man will ja auch niemandem zu nahe treten. Und dabei vor allem noch süß bleiben.

P7_969247 - image/jpeg Ist sie nicht süß?

Aber süß ist eben nicht so besonders witzig und widerspricht vor allem dem, was Enissa Amani mit ihrer Show eigentlich beweisen wollte: Dass Frauen süß und tussig daherkommen, aber trotzdem tough, intelligent und politisch gebildet sein können. Süß und tussig klappt schon richtig gut und intelligent ist Enissa mit Sicherheit auch, aber darüber, ob ein „Deine Mutter“-Witz hier und da nun der ultimtive Toughness-Beweis ist, lässt sich dann doch streiten.

"Den kennt kein Mensch, Alter!"

Serdar Somuncu & Theo Maassen | Freitag, 13. Mai 2016 Serdar Somuncu & Theo Maassen // Fr 13.05.16 Savoy Theater Mehr Infos » Als Enissa dann auch noch Serdar Somuncu als Gast begrüßt, erreicht das Ganze fast Fremdscham-Niveau. Somuncu muss man nicht lustig finden, unseren persönlichen Geschmack treffen plumpe Stammtisch-Witze wie „Ich hatte mal’n Verhältnis mit 'ner richtig hässlichen Frau, die sich aber mega gut knallen ließ. Und die hatte Achselhaare und seitdem steh ich da voll drauf“ jedenfalls nicht, aber zumindest hat er eine konkrete Meinung, die er auch unverblümt kundtut. Enissa und ihr passiver Zuckerpuppenhumor wirkten an der Seite dieses Schreihalses dann fast noch langweiliger.

Dass während des lustigen Studio-Spiels „Promi-Tabu“ (bei dem übrigens niemand gewinnen konnte, weil sonst wäre ja jemand traurig gewesen!) dann noch einige Bildungslücken bei der „Miss24.de 2010“ aufgedeckt wurden, war dabei keine Hilfe. Gut, Carsten Maschmeyer muss man nicht unbedingt kennen und nicht direkt zu wissen, in welchem Bundesland Wolfsburg liegt – geschenkt. Dieses Nicht-Wissen dann aber mit einem trotzigen „Ich scheiß auf Bundesländer, ich versteh‘ Bundesländer nicht!“ zu kommentieren, erinnert eher an eine pubertierende Achtklässlerin im Erdkunde-Unterreicht, als eine selbstbewusste Comedy-Feministin.

Was eine erfrischend provokative Comedy-Neuheit hätte sein können, ist nun leider doch nur eine weitere weichgespülte Dummchen-Sendung mit lahmem Gefälligkeitshumor und ohne richtiges Konzept geworden. Aber gut sah sie immerhin aus, die Vize-Miss-Westdeutschland. Und es gab nur ein einziges Mal Werbung. Auch schön! Nächste Woche bleiben wir für den Quatsch aber trotzdem nicht mehr wach.

Wer sich die Sendung dennoch antun will, kann diese hier in voller Länge sehen: >>Zur ProSieben-Mediathek<<

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