Kill the Messenger

Sehenswerter Polit-Thriller

Kill the Messenger: Sehenswerter Polit-Thriller Kill the Messenger: Sehenswerter Polit-Thriller Foto: Screenshot Youtube
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Üblicherweise folgen Verschwörungsthriller einem einfachen Muster: Held oder Heldin findet schreckliche Wahrheit heraus. Dunkle Mächte wollen verhindern, dass diese Wahrheit ans Licht kommt. Held oder Heldin setzt sich darüber hinweg. Ende.

Bei "Kill the Messenger" wird dieses Ende schon nach 50 Minuten erreicht. Es folgt eine ebenso spannende Stunde darüber, was dem US-Journalist Gary Webb im Jahr 1996 nach der Veröffentlichung seiner wichtigsten Geschichte passierte.

Der Reporter der "San Jose Mercury News" schrieb in seiner Artikelserie "Dark Alliance" über Verbindungen zwischen dem Geheimdienst CIA und dem Drogenschmuggel der nicaraguanischen Contra-Rebellen in die USA. Seine Thesen - eine der ersten journalistischen Arbeiten, die sich besonders gut online verbreitete - wurden von großen US-Medien später heftig kritisiert. Im Film fällt dazu die schöne Vokabel "controversialize", also der Versuch, den Ruf des Boten infrage zu stellen, um so seine Nachricht zu entkräften. Webb verlor seinen Job; im Dezember 2004 wurde er erschossen in seinem Haus aufgefunden. Sein Tod wurde als Suizid gewertet.

Anders als beim Watergate-Skandal, der Richard Nixon aus dem Weißen Haus drängte, blieb die aufklärerische Leistung Webbs unbeachtet - was nicht nur daran liegen dürfte, dass bei Veröffentlichung des Abschlussberichts zum Thema die Welt von Bill Clintons Affäre mit Monica Lewinsky besessen war.

Der Streifen mit Jeremy Renner ("American Hustle", "Tödliches Kommando") bezieht Stellung: Webb sei durch die Regierung und auch durch übermäßige Kritik von Kollegen viel Unrecht widerfahren. Und dennoch: So ganz vertraut Regisseur Michael Cuesta (mit dem Thema seit der Emmy-prämierten Inszenierung der ersten "Homeland"-Folgen vertraut) dann doch nicht auf seinen Stoff. Einerseits stellt er dem Thriller-Erzählstrang eine bremsende Nebenhandlung über Webbs verkorkste Ehe (stark: Rosemarie DeWitt als Ehefrau zwischen Unterstützung und Verzweiflung) zur Seite. Andererseits mischt er die Filmszenen immer wieder mit schnell geschnittenen realen Doku-Aufnahmen von Ende der 1990er Jahre.

Cuesta zeigt ein sehenswertes Lehrstück über Mechanismen in den Medien und in der Politik, getragen von einer engagierten und überzeugenden Leistung seines Hauptdarstellers.

Quelle: RP