Jetzt im Kino

"Lincoln" - der große Oscarfavorit

Jetzt im Kino: "Lincoln" - der große Oscarfavorit Jetzt im Kino: "Lincoln" - der große Oscarfavorit Foto: 20th Century Fox
Von |

In "Lincoln" erzählt der Regisseur Steven Spielberg vom zähen Kampf des amerikanischen Präsidenten gegen die Sklaverei. Das gerät etwas dröge, Daniel Day-Lewis aber ist in Oscarform. Am Donnerstag kommt der Film ins Kino.

Moderne Staaten gründen auf Gewalt, Nationen erheben sich meist aus blutigen Schlachten. Und Steven Spielberg ist nicht zimperlich, wenn es gilt, die Realität des Krieges ins Bild zu rücken. Das hat er in "Der Soldat James Ryan" vorexerziert, ebenso in seinem Ross-und-Reiter-Drama "Gefährten".

Auch sein neues Geschichtsepos "Lincoln" lässt Spielberg im Morast der Schlacht beginnen, im Kampf Mann gegen Mann. Es ist dieser Bürgerkrieg unter Amerikanern, das tödliche Kräftemessen zwischen den Befürwortern der Sklaverei und ihren Gegnern, das den Präsidenten zu einem müden Mann macht.

Er will nur, dass das Sterben aufhört

Mit seinem langen, traurigen Gesicht steht Abraham Lincoln in einem Feldlager unter einer Plane. Regen ergießt sich in die Nacht. Seine große dünne Gestalt ist an einen Tisch gelehnt, dieser Lincoln ist ein erschöpfter Don Quijote. So einer glaubt nicht mehr, dass der Zweck die Mittel heiligt, dass Krieg manchmal notwendig ist. Er will nur, dass das Sterben aufhört. Doch noch ist die Sklaverei nicht verboten in dem Land, das er neu erschaffen will, noch hat er sein Ziel nicht erreicht.

Aus den letzten vier Monaten im Leben des 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, der 1865 von einem fanatischen Südstaaten-Anhänger ermordet wurde, erzählt Spielberg in seinem neuen Film. Er hat also keine Lincoln-Biografie geschaffen, wohl aber ein Porträt des kauzigen Präsidenten, der seinen Landsleuten den 13. Zusatz zur Verfassung abrang: das Verbot der Sklaverei.

Lincoln agiert hintersinnig

"Lincoln" für zwölf Mal nominiert: Oscar-Nominierungen in Los Angeles bekanntgegeben "Lincoln" für zwölf Mal nominiert Oscar-Nominierungen in Los Angeles bekanntgegeben Zum Artikel » Wie schwer dieser Zusatz durch das Parlament zu bringen war, welche Finten der Präsident schlagen musste, um seine Gegner auch im eigenen Lager zu überstimmen, dies ist das eigentliche Thema des Films. Spielberg zeigt, wie der Realpolitiker Lincoln unermüdlich mit seinen Gegnern spricht, für seine Sache wirbt, auch einfache Bürger empfängt, um sie für das große Ziel der in Freiheit geeinten Nation zu begeistern. Da entwirft Spielberg das Bild eines Regierungschefs, der für eine fast aussichtslose Sache kämpft wie Obama für die Krankenversicherung.

Doch anders als der derzeitige Präsident der USA, dem nachgesagt wird, er halte sich nicht allzu gern mit ermüdenden Gesprächsrunden auf, scheut Lincoln die Kleinarbeit nicht. Immer wieder wird er in Männerrunden gezeigt, wie er diskutiert, eine seiner berühmten lakonischen Anekdoten erzählt, die pointenfrei scheinen, weil sie so hintersinnig sind.

Manchmal macht das Zuschauen Mühe

Der Film hat dadurch Längen, ist manchmal mühselig wie politische Prozesse, ein redseliges Kammerspiel. Doch diese dröge Ausführlichkeit zeugt auch von großer Gewissenhaftigkeit, jenem Ernst, mit dem Spielberg das Projekt schon seit mehr als zwölf Jahren verfolgt.

3D-Spektakel : Spielberg entzaubert "Tim und Struppi" 3D-Spektakel Spielberg entzaubert "Tim und Struppi" Zum Artikel » Außerdem zeigt er, dass Lincoln kein harmloser Bürokrat war, sondern ein kühner Taktiker, der auch zu unlauteren Mitteln griff. Im Film lässt er zwielichtige Gestalten losschicken, um Abgeordnete zu bestechen, zu bedrohen, ihre Stimmen zu erzwingen.

Dass man sich auch für den Menschen Lincoln interessiert, ist Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis (55) zu verdanken. Er hat sich Lincoln scheinbar vollkommen angeeignet. Sein Auftritt ist so ausgefeilt, dass es wirkt, als sei nicht er in die Rolle des Lincoln geschlüpft, sondern als habe die historische Figur von seinem Körper Besitz ergriffen, um sich uns heute noch einmal zu zeigen. Das ist oscarreif.

Wenn sich Day-Lewis im Film etwa mit müden Gliedern zu seinem Sohn hinunterbeugt, der am Kamin eingeschlafen ist, dann wirkt das so melancholisch, ahnungsvoll, dass man um diesen Mann zu bangen beginnt. Plakativer sind die Szenen, in denen er sich mit seiner psychisch angeschlagenen Frau Mary auseinandersetzen muss. Die wird gespielt von Sally Field, die stets ein wenig betulich wirkt und diesmal das ganz große Drama zeigen will. Tragödien wirken aber stiller viel intensiver.

Auch Tommy Lee Jones spielt oscarreif

Auch sind Spielberg ein paar Figuren in den Film gerutscht, die hölzern wirken wie Werbeaufsteller für politische Botschaften. Da treten im Feldlager etwa zwei junge Soldaten vor den Präsidenten, die eine von dessen berühmten Reden rezitieren wie brave Schüler, ehe sie wieder hinausziehen in die Schlacht. In einer anderen Szene hat die schwarze Haushälterin des Präsidenten ihren patriotischen Auftritt auf der Veranda. Dazu spielt eine einsame Trompete, da versinkt Spielberg ganz im Klischee.

Einen Oscar-Regen hat der Film trotz Nominierung in zwölf Kategorien also nicht verdient. Neben Daniel Day-Lewis sollte aber noch ein Nebendarsteller zum Zuge kommen: Tommy Lee Jones. Der spielt einen Gegner Lincolns, der sich spät bekehrt – mit einer mürrischen Leidenschaft, die kein Schauspieler beherrscht wie er.

Du bist bei Facebook? Dann werde hier Fan von TONIGHT.de und erfahre noch mehr über das Nachtleben in deiner Stadt!

Quelle: RP