"Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!"

"Dschungelcamp 2013": Warum sich das Einschalten lohnt

"Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!": "Dschungelcamp 2013": Warum sich das Einschalten lohnt "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!": "Dschungelcamp 2013": Warum sich das Einschalten lohnt Foto: Pablo Garcia Saldaña
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Absolut uninteressante Prominente, die Ekelhaftes wie eine gekochte Buschschwein-Vagina hinunterwürgen müssen, minutenlange Szenen der regen Verdauung des Camp-Opas Klaus und Lästerattacken zwischen den Camp-Zicken Fiona und Georgina – für viele ist "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" der größte Schrott im deutschen Fernsehen. Die Quoten allerdings beweisen: Fast jeder zweite, der momentan abends fernsieht, schaltet ins australische Dschungelcamp ein. Warum es sich lohnt, den inneren intellektuellen Schweinehund zu überwinden und auch mal einzuschalten.

Direktes Feeback auf die Medienberichte in Deutschland

"Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!": Dschungelcamp 2013: Wer gewinnt die Krone? "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" Dschungelcamp 2013: Wer gewinnt die Krone? Zum Artikel » Viele trashige Fernseh-Sendungen wie „Germanys's Next Topmodel“, „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Der Bachelor“ werden von den Medien in die öffentliche Schlammschlacht gezogen. „Alles nur gestellt!“, „Die machen doch nur wegen dem Geld mit!“, „Peinliche Moderatoren!“ - die Argumente sind fast immer gleich. Doch traut sich keine Sendung, auf das Medien-Feedback einzugehen. „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ schon. So bleibt auch das neue Moderatoren-Team um Sonja Zietlow und Daniel Hartwich dem bisherigen Kurs von Sonja und Dirk Bach treu und stellt sich jeden Abend live den Reaktionen und Nachrichten aus Deutschland.

Beispielsweise gingen die beiden Moderatoren am Donnerstagabend gleich selbst auf eine Online-Umfrage zur Qualität von Daniel Hartwichs Moderation ein. Sonja dazu: „Nicht nur in Deutschland, auch hier werden die wichtigsten Personalentscheidung diskutiert. Zum Einen: Kann Peer Steinbrück Kanzler? Und zum zweiten: Kann Daniel Hartwich Dschungel?“ Daniel: „Und da muss ich auch mal ehrlich mit mir selbst sein, das ist nun mal Demokratie. 55 Prozent der Bild.de-User fordern in einer repräsentativen Umfrage, dass ich von Olivia Jones abgelöst werde.“ Sonja: "Ja gut, allerdings wollten auch 62 Prozent der Bild.de-User 'Heidi, das schielende Oppssum' zum Bundespräsidenten machen."

Ebenso lassen die beiden keinen Zweifel daran, dass das gesamte Produktionsteam sich sowohl über den Sinn der Sendung, als auch über den Prominenten-Status der Teilnehmer mehr als lustig macht. Dadurch enthebeln sie einfach selbst jegliche Kritik an der Sendung und machen die Show somit aus medientheoretischer Sicht jeden Abend wieder hoch interessant.

Überraschende Charaktere

Was muss es Spaß machen, die neuen Dschungelcamp-Bewohner zusammencasten zu dürfen! Man nehme eine schüchterne Maus, einen schrillen Vogel, eine Oberzicke, einen richtig Dummen und einen alten Opa und fertig ist die hochexplosive Mischung. Denkste! Denn so viel Mühe sich das RTL-Castingteam auch in jedem Jahr gibt, die Charaktere entwickeln sich meist anders, als man es von ihnen erwartet. Hoffte man im letzten Jahr auf Star-Allüren von Brigitte Nielsen, entwickelte sie sich zum Sympathie-Träger Nummer eins und holte mit ihrer Natürlichkeit glatt den Sieg.

Ähnlich sieht es momentan mit Ex-DSDS-Kandidat Joey Heindle aus: In der allerersten Folge schnitt der Sender die Beiträge und Einspieler so zusammmen, dass auch jeder Zuschauer denkt: Um Gottes Willen! Ist der dumm! Wie nervig! Bereits nach einem Tag aber platze der Plan des „dummen, nervigen Joeys“. Der 19-Jährige entwickelte sich mit seinen naiv-komischen Sprüchen zum absoluten Zuschauer- und Publikumsliebling. Sein überlegter Ausstieg (Süß! Er vermisst seine Freundin so sehr!) löste Entsetzen aus, keiner will mehr auf den ulkigen und Quoten-treibenden Joey verzichten.

Schließlich lässt es sich selten so beherzt lachen über Aussagen wie: „Transsexuelle und Travestit hört sich an wie ein ICE aus China!“, "Die Tränen schmecken wenigstens nach Salz. Endlich mal wieder Salz.“ oder „Olivia ist ja noch komplett Mann. Das hat mich von allen Wolken, auf denen ich geflogen bin, runtergehauen!"

"Sozialstudie zur Gruppendynamik"

„Ach, das ist doch eh alles nur geschauspielert!“, wettern viele gegen das Dschungelcamp. Wer sich allerdings einmal wirklich mit der Sendung befasst, stellt schnell fest: Hier kann gar keiner schauspielern. Denn nicht umsonst kann eigentlich niemand im Camp auf eine Karriere zurückblicken. So fallen die Masken meist schon nach wenigen Tagen – und zu beobachten bleibt, wie sich schnell die typischen Rollen einer Gruppendynamik herauskristallisieren.

Man muss kein studierter Sozialpsychologe sein, um zu erkennen, dass sich Olivia Jones als selbsternannte „Camp-Mutti“ schnell die Rolle des Alpha-Tiers geschnappt hat: Sie gibt Regeln vor, fühlt sich für andere Gruppenmitglieder wie Joey verantwortlich und ist sehr selbstbewusst. Ein typischer Gegenspieler zum Alpha-Tier ist der Omegatyp, der sich leidenschaftlich, dominant und an Konflikten interessiert zeigt. Ist Georgina so ein Omegatyp?

Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und macht gerne mal eine Ansage an die gesamte Gruppe. So fühlt sie sich gemobbt und schief angeguckt, obwohl man ihr doch eigentlich huldigen sollte, weil sie Tag für Tag das Essen holt: „Ich muss die ganze Zeit den Dreck essen, ja, die Drecksviecher auf mir krabbeln lassen, von Flugzeugen springen und so n' Scheiß und dann komm ich zurück ins Camp und werd auch noch von denen geärgert. Das lass ich mir nicht mehr gefallen und deswegen mach ich hier ne Ansage.“ Hobby-Pyschologin Fiona erklärt das Verhalten der Gruppe Georgina gegenüber so: „Sie kann halt einfach nicht verlangen, dass man mit ihr liebevoll und sanft umgeht, wenn sie halt auch so forsch ist. Wie es in den Wald schallt, so schallt es halt auch hinaus, ne?“

Besonders spannend wird das Gruppenverhalten meist aber erst in der zweiten Woche – noch versucht sich zum Beispiel Claudelle Deckert zurückzuhalten und sich dem peinlichen und quotenbringenden Zickenkrieg zu entziehen. Bleibt zu hoffen, dass Hunger und Lagerkoller aber auch Kandidaten wie sie in der zweiten Hälfte der Show dazu bringen, ihr wahres Gesicht zu zeigen.

Fazit: Wer gerne mal durchs Schlüsselloch sieht und eine Gruppe erwachsener Menschen dabei beobachten möchte, wie sie aufgrund von wenig Essen, wenig Suchtstoffen wie Koffein oder Nikotin und keinem Kontakt zur Außenwelt ihr Verhalten ändert, und dabei noch über gut geschriebene Wortwitze lachen möchte, der sollte einfach mal einschalten. In anderthalb Wochen könnt ihr ja dann alle wieder Arte gucken ;-).

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