"Die Tänzerin" jetzt im Kino

Der Traum vom großen Tanz

"Die Tänzerin" jetzt im Kino: Der Traum vom großen Tanz "Die Tänzerin" jetzt im Kino: Der Traum vom großen Tanz Foto: Screenshot Youtube
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In "Die Tänzerin" spielt auch Johnny Depps Tochter Lily-Rose mit.

Nach jedem Auftritt brach sie zusammen. Trotz Training konnte sie nur jeden dritten Tag auftreten. Loïe Fuller (1862 - 1928) war Ende des 19. Jahrhunderts ein Star des Tanzes in einer von ihr selbst geschaffenen Kunstform: dem Serpentinentanz. Faszinierend wie dieser in Licht und Bewegung schillernde Tanz ist auch der Debütfilm der Regisseurin Stéphanie Di Giusto über das Leben der legendären Tänzerin.

Aus dem Wilden Westen stammt Marie-Louise Fuller (Stéphanie Sokolinski), sie lebt bei ihrem saufenden Vater, einem Rodeo-Reiter, und träumt in Saloons von der großen Oper. Nachdem der Vater ermordet wird, reicht es in New York unter der Kontrolle der sittenstrengen Mutter nur zu einer stummen Rolle. Allerdings entdeckt Marie-Louise auf der Bühne ihr Ding: Sie wedelt mit dem langen Kleid herum - zur Begeisterung des Publikums. Mit enormem künstlerischen Anspruch, großem Ernst und noch größerer Entschlossenheit macht Loïe Fuller, wie sie sich mittlerweile nennt, aus der Pausennummer eine große Show. Mit geklautem Geld haut sie nach Paris ab. Im Varieté Folies Bergère feiert sie einen ersten Erfolg, ihren Ansprüchen aber genügt das noch nicht.

Fesselnde Bewegungen

Die Faszination ihres Tanzes vermittelt der Film mit Hilfe bekannter Musikstücke, aber auch mit einer gelungenen Inszenierung der immer noch fesselnden Bewegungen. Fuller verausgabt sich dabei jedes Mal vollständig, nimmt keine Rücksicht auf ihre Gesundheit, was sich bald rächen wird. Dazu gibt es Konkurrentinnen, die sie kopieren, weshalb die Bestandteile ihres Tanzes tatsächlich in zehn Patenten festgehalten wurden.

Vor allem Isadora Duncan, die von Johnny Depps Tochter Lily-Rose gespielt wird, manipuliert Loïe Fuller emotional wie geschäftlich und treibt die Tänzerin in den Wahnsinn. Mit kurzen Haaren, rauem Charme und einer trotzigen Schüchternheit scheut Fuller die Öffentlichkeit, erkennt deutlich, dass mit eitlem Anbiedern mehr Erfolg als mit ihrer Kunst zu erreichen ist. Doch eigensinnig verfolgt sie ihren Wunsch, in der Oper aufzutreten.

Dass "Die Tänzerin", erzählt nach Giovanni Listas Roman "Loïe Fuller, danseuse de la Belle Epoque", mehr als eine Künstler-Biografie ist, liegt nicht nur am charismatischen Spiel von Stéphanie Sokolinski. Auch die schwierige Beziehung zur heute viel bekannteren Isadora Duncan sorgt für viel Drama. Mitreißend bleibt jedoch vor allem die Leidenschaft und Freude, mit der Loïe Fuller ihren Traum lebt.

Die Tänzerin, Frankreich, Belgien, Tschechien 2016 - Regie: Stéphanie Di Giusto mit Stéphanie Sokolinski, Gaspard Ulliel, Lily-Rose Depp, Mélanie Thierry, 112 Min.

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Quelle: RP