Interview mit Bloggerin Alice von "I Heart Alice"

Must-Haves für den Frühling, schlechte Praktika & No-Gos

Interview mit Bloggerin Alice von "I Heart Alice": Must-Haves für den Frühling, schlechte Praktika & No-Gos Interview mit Bloggerin Alice von "I Heart Alice": Must-Haves für den Frühling, schlechte Praktika & No-Gos Foto: TONIGHT.de/Ninu & Savo Dramis

"FashionBloggerCafé" auf der GDS | Freitag, 6. Februar 2015 "FashionBloggerCafé" auf der GDS | Freitag, 6. Februar 2015 "FashionBloggerCafé" auf der GDS | Freitag, 6. Februar 2015 "FashionBloggerCafé" auf der GDS // Fr 06.02.15 Messe Düsseldorf 88 Fotos In Berlin ist das FashionBloggerCafé bereits ein beliebter Termin im Kalender aller Modeblogger - nun tummelte sich am Freitag die Szene auch auf der "shoedition" des Events auf der Schuh- und Accessoiremesse GDS in Düsseldorf. Workshops, Catwalks, Aktionen oder oder einfach nur gute Gespräche: die Teilnehmer hatten richtig viel Spaß. Unsere Kollegin Marlena führte dabei ein Interview mit Alice M. Huynh ("I Heart Alice"), während Ninu & Savo fotografierten und filmten.

Seit wann bloggst du schon? Und wie bist du dazu gekommen?

Seit 2007 - mittlerweile also acht Jahren. Angefangen hat das Ganze eigentlich eher mit Comiczeichnungen und Collagen. Als ich dann älter wurde und der Modeblog-Hype langsam aufkam, hat sich das ganze dann in Richtung Mode, Schuhe und Shopping entwickelt, weil sich auch meine Interessen dorthin verlagert haben. Außerdem hatte ich früher sehr starke Neurodermitis und das Bloggen funktionierte auch wie eine Art Selbsttherapie und hat mir geholfen, mich besser zu fühlen und selbstbewusster zu werden.

Wie oft postest du?

Alle zwei Tage! Es sei denn, ich bin gerade unterwegs und es gibt spannende Sachen zu erzählen, wie hier auf der GDS. Da kommt dann schonmal jeden Tag ein neuer Post. Außerdem veröffentliche ich einmal pro Woche ein Video auf meinem YouTube-Channel Bunbao.

Du bist dafür bekannt, dass du fast immer nur Schwarz trägst. War das schon immer so?

Nein. Wenn man in meiner Blog-Chronik ganz weit nach hinten geht, sieht man mich auch mal mit roten Haaren und pinken Klamotten. Meine Lieblingsfarbe war damals tatsächlich Orange! Durch mein Design-Studium bin ich, was das angeht, aber etwas ruhiger geworden. Ich habe jetzt einen ganz anderen Bezug zu Farben und Materialien. Schwarz ist für mich fast wie eine Lebenseinstellung geworden. Mit Schwarz kann man alles machen und es passt zu allen Gelegenheiten. Außerdem mag ich die tägliche Challenge, trotz „All-Black-Look“ nicht langweilig auszusehen. Dazu ist es wichtig, bei jedem Outfit einen „Eye-Catcher“ zu haben - das sind gerade zum Beispiel meine Schuhe - und mit Muster- und Materialmix zu arbeiten.

FashionBloggerCafé auf der GDS 60 Sekunden Street-Style FashionBloggerCafé auf der GDS

Hat dein Studium deine Einstellung zu Mode geändert?

Definitiv! Seit meinem Studium versuche ich, die großen Billigmodehäuser zu vermeiden, weil ich weiß, wie viel Arbeit in einem Kleidungsstück steckt. Wenn das dann nur fünf Euro kostet, kann irgendetwas nicht stimmen. Außerdem beschäftige ich mich viel mehr mit Nachhaltigkeit und Langlebigkeit. Ich kaufe gewählter und weniger ein und achte stattdessen mehr auf Qualität und gute Stoffe. Man muss nicht jedem Trend hinterherlaufen! Das versuche ich auch durch meinen Blog zu vermitteln. Ich stehe schließlich in der Öffentlichkeit und bin für manche daher auch ein Vorbild.

Hebt dich das von anderen Bloggern ab?

Jein. Es gibt mittlerweile zum Glück sehr viele Blogger, die sich mit Themen wie Nachhaltigkeit beschäftigen, aber viele kaufen dann trotzdem bei Billig-Ketten. Dann laufen natürlich auch schnell 20 Bloggerinnen mit den gleichen Schuhen rum. Mir ist es aber wichtig, meinen individuellen Stil zu behalten und dabei nicht jedem Trend hinterherzulaufen – deswegen bin ich auch komplett auf Schwarz umgestiegen. Ich habe natürlich keine Monopolstellung, was das angeht, aber ich versuche, mich dadurch von anderen Bloggern abzuheben.

So war's auf der Schuhmesse GDS: "FashionBloggerCafé" - der ganz normale Blogger-Wahnsinn So war's auf der Schuhmesse GDS "FashionBloggerCafé" - der ganz normale Blogger-Wahnsinn Zum Artikel »

Letztes Jahr hast du in New York ein Praktikum bei Alexander Wang gemacht. Wie war das?

Ehrlich gesagt nicht so berauschend. Ich bin mit sehr großen Erwartungen nach New York gekommen und hatte mich darauf gefreut, richtig gefordert zu werden. Dann kam ich an und die Realität war knallhart. Meine Wohnung war voller Ratten und Kakerlaken. Die Heizung hat im Winter nicht funktioniert, die Tapete kam von den Wänden runter und dann hat man mich bei der Miete auch noch abgezockt. Das Praktikum war dann eben ein typisches Praktikum. Ich musste Besorgungen machen, Kopieren, Dinge von A nach B tragen und so weiter. Natürlich waren auch einige kreative Aufgaben dabei, aber es ging doch sehr stark um Verkauf und Marketing. Besonders gut behandelt wurde ich auch nicht, was mich dann schon sehr demotiviert hat. Deswegen habe ich das Praktikum dann auch nach fünf Monaten abgebrochen. Aber etwas gelernt habe ich trotzdem. Ich konnte hinter die Kulissen schauen und habe vielleicht auch gemerkt, was ich nicht machen will. Außerdem habe ich viele neue Leute kennen gelernt, darunter ja auch meinen jetzigen Freund.

Ist das mit der Distanz nicht schwierig?

Eigentlich gar nicht! Wir sind beide Workaholics, haben also sehr viel zu tun. Wir sehen uns vielleicht drei Mal im Jahr, immer so für drei Wochen. Aber mal schauen, wie es weiter geht!

Wieso hast du dich Blogwalk.de angeschlossen?

Ich finde die Idee eines Blogger-Netzwerkes sehr interessant, in Amerika ist das ja schon viel verbreiteter als hier. Aber wieso sollte es hier nicht funktionieren? Dadurch, dass ich auch im Fernseh-Werbespot von Blogwalk.de zu sehen bin, habe ich außerdem viele Leser dazugewonnen.

Ist das Bloggen für dich hauptsächlich Spaß oder nutzt du deinen Blog eher zu Promotion-Zwecken?

GDS in Düsseldorf : Popstar Kiesza bei großer Schuh-Party GDS in Düsseldorf Popstar Kiesza bei großer Schuh-Party Zum Artikel » Es ist natürlich auch Promotion geworden. Ich selbst bin schließlich meine beste Plattform. Hier auf der GDS trage ich zum Beispiel nur meine eigenen Entwürfe. Im Moment läuft das Bloggen sowieso noch besser als das Design, also wieso nicht einfach kombinieren? Die wenigstens Blogger kreieren ihre Sachen selbst, das hebt mich also auch von anderen ab. Ich denke momentan darüber nach, ein paar ausgewählte Stücke aus meiner Kollektion auf meinem Blog anzubieten, die ich dann auf Anfrage individuell anbieten kann. Irgendwann möchte ich zwar auch einen Online-Shop entwickeln, aber das ist natürlich immer ein sehr großer Schritt in die Selbstständigkeit.

Wie würdest du deine Kollektion beschreiben?

Modeschulen in Düsseldorf: Hier werden die Nachwuchsdesigner ausgebildet Modeschulen in Düsseldorf Hier werden die Nachwuchsdesigner ausgebildet Zum Artikel » Meine Entwürfe sind nicht sehr fancy oder glamourös, sondern sehr tragbar und locker. Zu 90 Prozent ist die Kollektion schwarz, ich spiele aber viel mit Materialien. Zum Beispiel Samt gemixt mit Seide oder Federn. Die Schnitte sind sehr reduziert, gradlinig und minimalistisch, aber trotzdem ungewöhnliche. Inspiriert wurde ich bei meiner Abschlusskollektion von der Flüchtlingsgeschichte meiner Eltern. Das war natürlich nicht immer ein einfaches Thema, aber mir ist es wichtig, in meiner Mode auch von meinen Wurzeln zu erzählen. Ich wollte, dass jedes Teil seine Geschichte erzählt.

Du schließt dein Design-Studium im Frühjahr ab. Was planst du im Anschluss?

Der Blog läuft momentan sehr gut, deswegen werde ich daran auf jeden Fall festhalten. Ich werde bald nach Japan reisen und Inspirationen sammeln. Ansonsten steht ein weiterer New York Besuch bald an. Ich würde dort gerne noch ein weiteres Praktikum machen. Aber generell bin ich offen, bloggen kann ich ja von überall.

Was sind deine Must-Haves für den Frühling?

Herbst-Looks inspiriert von Josefin Dahlberg: Style dich wie die Fashion-Blogger Herbst-Looks inspiriert von Josefin Dahlberg Style dich wie die Fashion-Blogger Zum Artikel » Halbschuhe und Ankleboots! Gerne spitz, da bin ich persönlich ja auch großer Fan von. Und gerne auch mit Material-Mix, also Leder mit Gummi und Lack oder auch komplett aus Samt. So werden Schuhe zum Hingucker. Außerdem liebe ich Birkenstocks! Die kamen ja schon im letzten Jahr wieder und das wird auch dieses Jahr so bleiben, gerade wenn es etwas wärmer wird. Ich habe diese Saison schon einige Modelle mit Samt und Mustern gesehen oder auch metallic in knalligen Farben. Da denk ich mit manchmal sogar: „Würde ich doch mal Farben tragen!“

Was sind deine aktuellen Lieblingsschuhe?

Meine Boots von Maison Margiela, die ich auch gerade trage! Durch die getrennten Zehen und das Material haben sie etwas besonderes und durch den Blockabsatz sind sie alltagstauglich und bequem. Außerdem liebe ich meine spitzen, flachen Boots mit Cutouts von Alexander Wang. Alles in schwarz natürlich!

Und was geht gar nicht?

Egal welche Saison, egal welches Jahr: Hautfarbene Strumpfhosen gehen für mich gar nicht! Das kann natürlich jeder selbst entscheiden, aber für mich: Never-ever.