"Deuscthland"-Ausstellung in Düsseldorf

Jan Böhmermann meint es ernst

"Deuscthland"-Ausstellung in Düsseldorf: Jan Böhmermann meint es ernst "Deuscthland"-Ausstellung in Düsseldorf: Jan Böhmermann meint es ernst Foto: Andreas Endermann
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Für die einen war sie allein nach ihrer Ankündigung schon die Schau des Jahres, für die anderen bloß ein weiterer schlechter Scherz. Nun wird die Ausstellung "Deuscthland" von Jan Böhmermann im Düsseldorfer NRW-Forum eröffnet. Dies gleich vorab: zum großen Skandal taugt sie nicht.

Nun ist das Geheimnis um die Böhmermann-Schau im NRW-Forum gelüftet, aber streng bewacht wird sie immer noch: Am Eingang des Traktes, der in die Ausstellung führt, steht ein Kasten wie von der Bundespolizei am Flughafen. Passkontrolle. Deutsche Besucher links. Ausländische Besucher rechts. Und wer nun meint, er sei schlau, und sich rechts anstellt, weil die Schlange dort viel kürzer ist, wundert sich. Sie meinen das ernst. Bitte links anstellen, heißt es nach Begutachtung des Ausweises.

"Deuscthland" (Schreibweise beabsichtigt) heißt die Ausstellung, die penibel darauf achtet, wer reinkommt. Es ist das erste Projekt dieser Art von Satiriker Jan Böhmermann und seiner Produktionsfirma, der Bild- und Tonfabrik.

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Geisterbahnfahrt durch den Nationalsozialismus

Allein eine Virtual-Reality-Simulation gleich im ersten Ausstellungsraum hält für einen Aufreger her. Setzt man VR-Brille und Kopfhörer auf, geht es auf eine Geisterbahnfahrt durch den Nationalsozialismus, von der Reichskanzlei zum Führerbunker bis nach Stalingrad.

Es ist eine Anspielung auf Böhmermanns "Neo Magazin Royale" von vergangener Woche. Die Spezialausgabe der Fernsehsendung begleitete einen windigen Unternehmer, der in Brandenburg einen Nazi-Erlebnispark hochziehen möchte. Ein Schwindel war das, der nun im NRW-Forum erweitert und mit Exponaten beglaubigt wird. Böhmermann selbst nennt die Simulation "sehr zynisch", "geschmacklos" und "hart an der Grenze". Solche Simulationen aber gibt es tatsächlich auch außerhalb des geschützten Ausstellungsraums. Es steht die Frage im Raum, wie wir so weit gekommen sind.

Natürlich wird auch dem Schmähgedicht auf den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan Platz eingeräumt. Einen "Rechtsfreien Raum" haben die Macher in die Ausstellung gesetzt. In den vier Wänden dokumentieren sie den Rechtsstreit und die vom Landgericht Hamburg beanstandeten Passagen. Auch das Gedicht ist abgedruckt, die erlaubten Passagen schwarz auf schwarz; was die Gerichte beanstandet haben, ist durch weiße Auslassungen gekennzeichnet.

Ein Bildschirm, der beim ersten Rundgang noch defekt war, soll ein Video zeigen, in dem der Abgeordnete Detlef Seif (CDU) im Bundestag das Erdogan-Gedicht vorträgt. Den Bildschirm habe das NRW-Forum aufgestellt, betont Böhmermann mehrmals. "Der ist nicht von mir." Überhaupt interessiere ihn das Erdogan-Gedicht als solches überhaupt nicht mehr, sondern nur noch die juristische Auseinandersetzung. Ohnehin werde er "von den ganzen Idioten nur mit dem Schmähgedicht assoziiert". Böhmermann ärgert das.

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Klamauk und einige schöne Ideen

Dass er nun in Kunst macht, rückt ihn für manche Beobachter in die Nähe von Harald Schmidt. Auch Schmidt pflegte dahingehend gewisse Neigungen. Mit Schmidt möchte Böhmermann indes auf keinen Fall verglichen werden. Vor allem dessen sang- und klangloser Abgang aus dem Fernsehen ist Böhmermann ein Graus. Schmidt, lästert Böhmermann der einmal sein Mitarbeiter war, sei wie ein Korken auf der Wasseroberfläche gewesen, aber irgendwann war die Badewanne leer.

Klein und übersichtlich ist die Ausstellung im NRW-Forum, sie zeigt Klamauk (eine Nationalgalerie) und einige schöne Ideen. Ein Drucker spuckt sekündlich Tweets von Politikern aus. Die Ausstellung, die die bundesdeutsche Gegenwart widerspiegeln möchte, aktualisiert sich gewissermaßen in Echtzeit. Dass die Ausstellung durch die soeben geplatzten Jamaika-Sondierungen längst von den Geschehnissen überholt wurde, will Jan Böhmermann ohnehin nicht gelten lassen.

Es gebe keine Gewissheit, keine Idee, das Land sei auf der Lauer, sagt er. Für die Ausstellung sei das der perfekte Zustand.

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Quelle: RPO