Von der Idee bis zum Abflug: "Tokyo, wir kommen!"

Reise nach Japan: Marcels Tagebuch

Von der Idee bis zum Abflug: "Tokyo, wir kommen!": Reise nach Japan: Marcels Tagebuch Von der Idee bis zum Abflug: "Tokyo, wir kommen!": Reise nach Japan: Marcels Tagebuch Foto: Marcel W.
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Eine Reise ans andere Ende der Welt? Insbesondere für Gamer, aber auch Manga- und Anime-Fans hat Japan als Reiseland über die Jahre nichts von seiner Faszination eingebüßt. Marcel erzählt von seiner Reise ins Land der stillen Tempel und schrillen Einkaufsmeilen. 

Lange hatte ich vor in das Land der aufgehenden Sonne zu reisen. Was bislang nur Hirngespinste waren, wurde im Januar 2013 greifbar, als bei einem gemeinsamen Abendessen mit meinem Stiefvater aus der Idee plötzlich Realität wurde. Im Oktober 2014 sollte es soweit sein, genug Zeit um das nötige Kleingeld zu sparen und sich über die drei großen W's (Was? Wann? Wo?) den Kopf zu zerbrechen.

Mir flogen so viele Fragen im Kopf herum, dass mir schwindelig wurde: Was gibt es alles zu sehen? Wie bewegt man sich durch das Land? Wie ist das mit der Sprache? Was gibt es dort zu essen? Und zu guter Letzt: Was kostet der Spaß eigentlich? Kann ich mir Japan leisten?

Marcels Fotos eines unvergesslichen Trips ans andere Ende der Welt Reise durch Japan 81 Fotos

Bei meinen Recherchen bin ich auf so einige Webseiten gestoßen, die sich mit Japan und einer Reise dorthin beschäftigen. Viel wurde für später gespeichert,vieles wieder verworfen. Es gab zwar sehr viele Infos, beinahe ebenso viele nutzlos und nicht wirklich aktuell.

So zog die Zeit ins Land, bis ich schließlich im Juli 2014 auf den Japan-Ratgeber von Daniel gestoßen bin: Sehr schön geschrieben, sehr viele Infos und gut aufbereitet. Im letzten Satz des Artikels stand geschrieben "Ihr wollt selbst nach Japan und habt noch Fragen? Immer her damit!"

"Ha! Das mache ich doch glatt", dachte ich mir und schrieb Daniel meinen geballten Katalog an Fragen. Diese wurden von Ihm und seiner Frau sehr schnell und ausführlich beantwortet. Der Mailverkehr ging über einige Wochen und wir änderten unsere Planung die wir im Vorfeld getroffen hatten nach dem Plan den uns die beiden empfohlen. Dieser sah dann wie folgt aus:

  • Tag 1: Abflug Frankfurt (mittags)
  • Tag 2: Ankunft Tokyo (morgens)
  • Tag 3: Tokyo
  • Tag 4: Tokyo
  • Tag 5: Tokyo
  • Tag 6: Kyoto
  • Tag 7: Nara
  • Tag 8: Kyoto
  • Tag 9: Fahrt nach Osaka/ Osaka
  • Tag 10: Osaka
  • Tag 11: Osaka und Rückflug

Tokyo, wir kommen!

Ich fuhr schon einen Abend zuvor in Richtung Frankfurt, um am Tag der Abreise nicht im Stau zu stehen (es war ja Feiertag) oder - noch schlimmer - um 4 Uhr morgens aufstehen zu müssen. Schließlich sollte die Reise schon lang genug sein, kein Grund sich vorher bereits zu stressen. In der Nacht vor dem Abflug war ich sehr aufgeregt und konnte kaum ein Auge zu machen.

Am Flughafen angekommen, erledigten wir erstmal den Check-In und gaben das Gepäck auf. Dann hielten wir sie in der Hand, unsere Tickets nach Tokyo-Narita - in wenigen Stunden würde es tatsächlich losgehen. Nach einem gemeinsamen Frühstück mit meiner Freundin, meinem Stiefvater Martin und seiner Frau im Flughafen, sowie einer Verabschiedung mit ganz viel Daumendrücken ging es zur Sicherheits-/Passkontrolle: Jetzt wurde es ernst.

Mein Stiefvater und ich flogen mit Turkish Airlines mit Umstieg in Istanbul. Die beiden Flüge, hin und zurück, (jeweils knapp 16 Stunden) waren in Ordnung: Das Essen hat sogar geschmeckt und die Crew war sehr freundlich. Im Vorfeld reservierte ich Sitzplätze für ganz vorne (für den Flug von Istanbul nach Tokyo), damit wir etwas mehr Beinfreiheit hatten, was sich während des (verdammt langen) Fluges als Wohltat herausstellte.

Zwischen Moderne und Tradition Foto-Tour durch Tokyo 75 Fotos

Vor der japanischen Küste hatten wir ein paar Turbulenzen und ich dachte schon an Godzilla, der am Flugzeug rüttelte. Um 10:25 Uhr Ortszeit (3:25 Uhr deutsche Zeit) landete der Flieger schließlich auf japanischen Boden. 

Hallo Japan, Hallo Jetlag!

Nach der obligatorischen Passkontrolle und Gepäckausgabe standen wir etwas orientierungslos im Flughafen von Tokyo-Narita. Erste Mission: Wir brauchen Geld! Also ging es zum nächsten Geldautomaten (ATM) der uns bereitwillig und ohne Probleme YEN ausspuckte. Mit für uns ungewohntem Geld sollte es nun Richtung Tokyo Bahnhof gehen.

Der Plan war diesen mit dem Narita Express (NEX) anzufahren. Tickets waren schnell gekauft (für Touristen gab es die 1. Klasse inklusive Sitzplatzreservierung zu einem 50 % günstigeren Preis) und der extrem saubere Zug brachte uns problemlos in unter einer Stunde zum Bahnhof mitten in Tokyo.

“Wow!! Hier ist aber was los” sagte ich, als wir im Bahnhof von Tokyo standen. Gut, was habe ich erwartet in einer Stadt mit 13 Millionen Einwohnern? Nun hieß es, die richtige Metro Linie zu finden, die uns zu unserem Hotel bringen sollte. Von Deutschland aus hatte ich schon die passende Strecke recherchiert, die wir benutzen müssen.

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Vor dem Ticketautomaten und einem großen, wirren und mit grell-bunten Linien vollgepackten Streckenplan schien das ganze plötzlich nicht mehr so einfach. "Lost in Translation" trifft auf "Lost in Lines". Nach einigen Minuten hatten wir uns schließlich orientiert: Die lila Linie (Hanzomon) sollte es sein. Um ein Ticket zu kaufen (die Automaten können auf Englisch umgestellt werden), gibt man den Preis der Fahrt bis zur Zielstation ein, sowie die Anzahl der Reisenden.

Ziemlich einfach eigentlich, wenn man denn weiß wie! Alternativ könnt ihr an den Automaten natürlich auch Tageskarten ziehen. Diesbezüglich solltet ihr im Vorfeld schauen, ob sich diese lohnen und welche Linien man über den Tag nutzen will. In Tokyo teilen sich die “Tokyo Metro” und die “Toei Line” die verschiedenen U-Bahn Strecken - entweder nutzt ihr die Tageskarte nur für ein Streckennetz, oder erwerbt ein Kombi Ticket. Wir haben - bis auf einen Tag in Tokyo - immer Einzelfahrten gekauft und sind damit am günstigsten gefahren.

Bahnhöfe in Tokyo: Das verrückte Labyrinth

Beim Einsteigen in die Metro fiel uns sofort auf, wie anständig alle an den gekennzeichneten Eingängen in einer Schlange stehen und auf den Zug warten. In Deutschland ist so ein Bild unvorstellbar! In aller Ruhe und ohne zu drängeln ging es in den Zug. Einige Stationen später (die übrigens stets auf Japanisch und Englisch angesagt und angezeigt werden), waren wir an unserem Halt angekommen. Also raus aus der Station und... Argh, wo bin ich? Natürlich haben wir den falschen Ausgang genommen. Wäre auch zu einfach gewesen. 

So entpuppte sich der Weg zum Hotel doch etwas länger als das, was uns die Hotelwebseite versprochen hatte. Wichtiger Tipp an alle: Die Stationen haben nicht nur einen, zwei oder vielleicht drei Ausgänge, nein, es können gerne schon mal acht bis 15 unterschiedliche Ausgänge sein, die euch vom Gelände führen. Versucht also vorher herauszufinden, welchen Ausgang ihr nehmen müsst! Hier werden euch die Pläne in den Stationen helfen, ansonsten können die Wege doch was länger werden - mit Gepäck ist das ganze richtig doof.

Apropos Gepäck: Nehmt unbedingt etwas mit vier Rollen. Damit reist es sich deutlich entspannter!

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Gegen 14 Uhr kamen wir an unserem Hotel (Grand Arc Hanzomon) an: Das mehrstöckige Gebäude liegt direkt neben dem Kaiserpalast und bietet eine tolle Aussicht auf den Tokyo Tower, eines der Wahrzeichen der Stadt.

Die Angestellten begrüßten uns herzlich, deren Englischkenntnisse waren in Ordnung und man übergab uns unsere Chipkarten. Mit dem Aufzug ging es in den siebten Stock und wir betraten unser Zimmer. Wir hatten ein japanisches Zimmer gebucht und das haben wir auch bekommen: Und was für eines! Es war sehr klein (was in Japan vollkommen normal ist) und es befanden sich keine Betten im Zimmer - eine zuerst ungewohnte Ansicht.

Anstelle dessen schliefen wir auf dem Boden, auf einer ca. vier Zentimeter dicken Matratze und den für Europäer anfangs doch ungewohnt harten Tatami-(Reisstroh-)Matten. Die Matratzen werden abends - pünktlich zur Schlummerstunde - von gänzlich "unsichtbaren" Hotelbediensteten ausgelegt.

Wach bleiben bei Jazz und Shopping

Jetzt hieß es erstmal Gepäck ordnen und frisch machen. Wir waren zwar sehr müde (Jetlag!) aber wollten keinesfalls den Fehler machen, nun ein Nickerchen zu machen: So ein Fehler schlaucht über Tage und lässt das Zeitgefühl einfach nicht zur Ruhe kommen.

Am Empfang erhielt ich beim Check-In ein Paket, in dem sich ein mobiler Router mit einer japanischen Daten-Simkarte befand. Mit dieser hatten wir überall unterwegs Internet! Zwar gibt es auch die Möglichkeit, über den eigenen Provider Tarife zu bestellen, aber diese sind in der Regel sehr teuer. Bei meinen Anbieter hätten 6 MB (wir wissen alle, wie schnell die aufgebraucht sind!) knapp 5 Euro gekostet. Mit dem gemieteten Router hatten wir unlimitierten (UMTS) Traffic und er kostete für den kompletten Reisezeitraum knapp 50 €. Das Teil hat sich echt gelohnt und es hat super funktioniert.

Kurz: Schaut unbedingt mal bei Econnect Japan vorbei und bucht ein passendes Paket. Es machte das Reisen und Recheriechen deutlich einfacherer.

Für den ersten Tag hatten wir uns neben “überleben und wach bleiben” nicht viel vorgenommen. Wir schauten uns den Tokyo Tower an (der uns bei Nacht deutlich besser gefiel als am Tag), lauschten einer örtlichen Jazz Band, welche dort ein kleines Konzert veranstaltete, und schauten uns noch die Gegend rund um unser Hotel an.

Damit wir auf dem Zimmer auch was zu trinken und zu knabbern haben, ging es noch zu einem der vielen Shops in Tokyo. Der erste Einkauf in einem “Family Mart” war spannend. Coca-Cola und Co. kennt man ja, aber bei den anderen Produkten konnte man nur erahnen, was sich in der Packung befindet. Da wir aber ausprobierfreudig waren, haben wir so einige Produkte getestet. Was von der Packung her "Schmeckt süß und lecker” vermuten lässt, kann sich schnell zu einem “Bäh, salzig und ich kann es nicht beschreiben” wandeln. Aber hey, genau für sowas sind wir doch hier!

Müde ging es dann endlich um ca. 23 Uhr ins Bett,... bzw. auf die Tatami-Matten, auf denen ich ich dann tatsächlich irgendwann eingeschlafen bin. Ich bin endlich da, angekommen am anderen Ende der Welt.

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Regen in Tokyo: Forrest und die Achterbahn

Gegen 8 Uhr wachte ich auf und hatte - in deutlichem Gegensatz zu meinem Stiefvater - erstaunlich gut auf dem Boden geschlafen. Dafür war das Wetter, das wir beim Blick aus dem Fenster sahen, umso unerfreulicher. Es regnete wie aus Eimern! Unser ursprünglicher Plan nach Nikko zu fahren - dem Ort, an dem sich die populären "Drei Affen" finden ("nichts Böses hören, nichts Böses sehen, nichts Böses sagen"), fiel sprichwörtlich ins Wasser.

Bereits beim Frühstück suchten wir nach einer Alternative und sind auf den Tokyo Dome gestoßen. Ein großes Einkaufszentrum mit eigener Achterbahn, inklusive  benachbartem Spa (jap. "Onzen") klang erstmal sehr vernünftig, also machten wir uns gleich nach der ungewohnten Nahrungsaufnahme auf den Weg dorthin.

Aus dem “Fettnäpfchenführer Japan” wussten wir, dass wir als Gaijin (japanisch 外人, wörtlich: „Mensch von draußen“) hier besonders aufpassen mussten, um uns nicht völlig zu blamieren. Ganz wichtig in einem Onzen: Die Reinigung vor dem Baden. Je länger, desto besser, und bloß kein Shampoo mit in das Wasser nehmen!

Das Wasser war heiß. Richtig heiß! Nachdem man sich an die Temperatur gewöhnt hat, aber auch sehr entspannend. Ein Stockwerk höher befanden sich Liegen, eine "Cool Sauna" (bei 5 Grad *bibber*) und weitere Einrichtungen.. Von hier aus hatte man auch einen fantastischen Blick auf den Tokyo Dome mit seiner Achterbahn (mitten in der Stadt!) und dem nicht ganz so fantastischen, endlos vom Himmel herab tröpfelnden Regen. Zirca vier gemütliche Stunden verbrachten wir im Onzen, danach ging es noch zum Tokyo Dome. Leider fuhr die Achterbahn - der "Thunder Dolphin" aufgrund des Regens nicht - die hätte ich sehr gerne getestet.

Genial für Forrest Gump Fans: Im Tokyo Dome befindet sich ein “Bubba Gump Schrimp” Restaurant mit Merchandise Store. Ziemlich witzig gemacht und die dazugehörige Bank mit Schuhen, Koffer und Pralinen von Forrest laden zum Erinnerungsfoto ein. “Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen: Man weiß nie was man bekommt."

Akihabara: Willkommen im Mekka der Technik-Nerds, Anime-Fans und Gamer

Am Nachmittag entschieden wir uns trotz des Regens nach Akhihabara zu fahren. Bewaffnet mit unseren Regenjacken kamen wir dort an... und was soll man sagen? “Wow!!!” Das Mekka für Anime, Manga und Videospiele. Überall leuchtete knallige Werbung - der Stadtteil wird also nicht umsonst “Electric Town” genannt.

Schnell entdeckte ich die Super Mario Figuren, die ich bei Daniel in einem Artikel gesehen habe. Da er mir aber den Tipp gegeben hatte, ich solle auf jeden Fall die Preise vergleichen, zogen wir erstmal weiter. “Super Potato” sollte die nächste Anlaufstelle sein, ein Laden vollgepackt mit Retro-Games und Retro-Konsolen. Aber wo ist dieser (ehemalige) Geheimtipp? Vergesst nicht : Es regnete immer noch ununterbrochen! Alle waren mit Regenschirmen bewaffnet, nur wir nicht. Das musste geändert werden und schnell waren wir Besitzer echter japanischer Regenschirme.

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Mit diesen war der Regen deutlich ertragbarer als nur mit Regenjacke. Nachdem wir die gesuchte Adresse im Netz gefunden haben, leitete uns Google Maps sicher zum Ziel. Dort angekommen ging es erstmal ganz nach oben um uns dann von dort nach unten zu arbeiten.

Im kurios benannten Super Potato gibt es wirklich nichts, was es nicht gibt: NES, SNES, Mega Drive und Sega Saturn reihen sich an alte PlayStation- und Xbox-Konsolen, die man im guten Zustand zu relativ gutem Kurs erwerben kann. Auch meine gewünschte Figur gab es dort - allerdings direkt mal 1.000 YEN teurer als vorher gesehen. Günstig ist Super Potato leider nicht, dafür ist die Auswahl schlicht gigantisch. Insgesamt ein ziemlich verrückter Laden - aber wer auf Retro steht, ist hier genau richtig.

Es gab in diesem Stadtteil so viel zu entdecken, die Eindrücke waren echt toll. Bevor es zum Hotel zurück ging, habe ich die Figuren noch bei “Yellow Submarine” gekauft, einem Laden, der auch eine Große Bandbreite an Brettspielen im Sortiment führt - eine Seltenheit in Tokyo. Drei Mario-Figuren für 35 Euro waren ein vernünftiger Preis, wie ich finde.

Da wir trotz - oder gerade wegen - vieler Laufkilometer kaum Hunger hatten, gab es nur einen kleinen Snack aus dem Kaufhaus als Abendessen. Und bei so viel Gelatsche im Regen konnte ich wieder extrem gut einschlafen. 

Weiter geht's im zweiten Teil!

Eine bunte Runde durch Super Potato und Nakano Broadway Nerd-Shopping in Tokyo 62 Fotos

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