Hachiko, Judo und große Buddhas

Reise nach Japan: Marcels Tagebuch (2)

Hachiko, Judo und große Buddhas: Reise nach Japan: Marcels Tagebuch (2) Hachiko, Judo und große Buddhas: Reise nach Japan: Marcels Tagebuch (2) Foto: Marcel W.
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Eine Reise ans andere Ende der Welt? Marcel hat den Schritt gewagt und entführt uns auf einen spannenden Trip quer durch Japan. Im zweiten Teil trifft er auf Hund Hachiko und den große Buddha von Kamakura.

Wer den ersten Teil verpasst haben sollte, kann diesen hinter diesem Link nachholen. Und jetzt lassen wir Marcel am besten wieder für sich selbst sprechen: Auf nach Tokyo!

Broadway für Nerds, Geeks und Sammler

Der nächste Morgen in Tokyo begann wieder mit Regen. Unsere Pläne mussten also wieder geändert werden und wir entschieden uns zum Nakano Brodway zu fahren. Das östlich von Shinjuku gelegene Einkaufszentrum ist ein echter Geheimtipp und lässt das Herz von Figurensammlern, sowie Manga- und Anime-Fans höher schlagen.

Eine bunte Runde durch Super Potato und Nakano Broadway Nerd-Shopping in Tokyo 62 Fotos

Ich hatte den Eindruck, wenn man hier etwas nicht findet, dann gibt es das auch nicht. Nach unserer Tour quer durch die mit kleinen Läden und großen Manga-Shops nur so vollgestopften Etagen, strahlte uns draußen die Sonne an. “Yeah, Sonne! Wir haben dich schmerzlich vermisst!”. Das war für uns Grund genug wieder zum Hotel zu fahren und uns umzukleiden - also schnell in die kurzen Hose getreten und ab nach Shibuya!

Die Geschichte von Hachiko

Shibuya ist ein riesiges Zentrum für Kauf- und Modehäuser. Viele Büros sind hier ebenfalls angesiedelt. Der Stadtteil ist weltweit wegen seiner Kreuzung am Bahnhof bekannt, welche man schon in einigen Filmen bzw. im TV gesehen hat. Hier über die Straße zu gehen ist echt ein Erlebnis und nicht nur wir waren mit Kameras bewaffnet und filmten dies, nein, auch für die Japaner selbst ist dies wohl etwas Besonderes.

In Shibuya angekommen statteten wir als erstes der Statute von Hachiko einen Besuch ab. Wer das ist? Hachiko war ein japanischer Akita-Hund, dem mittlerweile sogar ein eigener Film mit Richard Gere gewidmet wurde. 1924 wurde er vom Universitätsprofessor Hidesaburō Ueno gefunden, der ihn mit nach Hause in Tokyo nahm. Von diesem Tag an an holte der Hund sein Herrchen jeden Tag vom Bahnhof in Shibuya ab.

Marcels Fotos eines unvergesslichen Trips ans andere Ende der Welt Reise durch Japan 81 Fotos

Als der Professor überraschend im Mai 1925 in der Universität verstarb, zog seine Frau aus der Stadt. Hachikō wurde zu Verwandten gegeben die selber noch in Tokyo wohnten. Hier riss er jedoch aus und kam weiterhin jeden Tag zu einer festen Zeit zum Bahnhof Shibuya, um dort auf sein ehemaliges Herrchen zu warten. Das tat er ganze 10 Jahre lang!

Die rührselige Geschichte rund um Hachiko hat ihn schnell zum urbanen Myhtos verwandelt, daher gilt er auch heute noch als Symbol der Treue. Die Statue ist ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche: Um sich im Getümmel zu finden, werden feste Uhrzeiten ausgemacht, ansonsten ist es bei dem Ansturm fast unmöglich sich zu finden.

Wir schauten uns die Einkaufsstraßen mit ihrem vielen Läden und Restaurants an, und machten einen Zwischenstopp in einem der vielen Mandarake-Läden, der bereits außerhalb mit dem Slogan “Biggest Manga and Anime Shop in Japan” warb. Ob dies tatsächlich wahr ist, kann ich nicht sagen…. aber die drei Stockwerke hinab in den Erdboden ragende Keller-Filiale war in der Tat gigantisch groß.

Ebenfalls in Shibuya haben wir die ersten Souvenirs und Postkarten für die Liebsten zu Hause gekauft. Ganz weit vorne auf der Wunschliste: Die "Winke Katze", natürlich passend “Made in China". Toll! 

Stäbchen-Judo

Abends ging es noch zum “Kodokan” - die älteste Judo Schule in Japan und Zentrum des Judo in der Welt. Martin hatte eine sehr lange Zeit selbst Judo betrieben und für Ihn (und auch für mich) war es toll, an diesem Ort viele andere zu sehen, wie diese Ihre Judokünste anwenden. Hier besteht auch die Möglichkeit selbst an einem Training teilzunehmen, von der wir allerdings keinen Gebrauch gemacht haben. Die bisherige Tour war schon anstrengend genug, da grenzte bereits der Gedanke an Judo an Körperverletzung!

Zwischen Moderne und Tradition Foto-Tour durch Tokyo 75 Fotos

Da der Kodokan nur wenige Meter vom Tokyo Dome entfernt ist, den wir ja bereits aufgesucht hatten, kehrten wir dort zum Essen ein. Auch wenn das in Plastik nachgebildete und im Schaufenster ausgestellte Essen gewöhnungsbedürftig sein mag, suchten wir unsere Speise erstmals nach diesem Muster aus. Der Lohn war ein sehr leckeres Abendessen, ganz ohne jede Spur von "Plastik". Zudem stellten wir uns mutig der Herausforderung mit Stäbchen zu essen, obwohl uns Besteck angeboten wurde.

Groß, größer, großer Buddha!

Am vierten Tag unserer Reise ging es nach Kamakura. Das heutige Touristenzentrum liegt ca. 50 Kilometer von Tokyo entfernt und war von 1185 bis 1333 der Regierungssitz Japans.

Berühmt und berüchtigt ist Kamakura für den großen Buddha, alias "Daibutsu" - und der ist echt groß. Falls er mal austreten muss, hängen seine Schuhe an einer Wand. Wer mutig genug ist, darf sogar einen kurzen Blick in das Innere des Buddhas werfen. 

Lustig: Auch hier treffen wir wieder auf den einen oder anderen Getränkeautomaten, die mitten in der Tempelstädte teils wie Fremdkörper wirken. Die Dinger stehen wirklich überall!

Auf dem Rückweg zum Bahnhof (für unser nächstes Ziel mussten wir wieder zum Bahnhof von Kamakura) gab es ein Eis auf die Hand. Ich entschied mich für “Süßkartoffel Grünteeeis”, was irgendwie überhaupt nicht meinen Geschmack getroffen hat. Ich hab es unter “Erfahrung” abgespeichert.

Einen kurzen Abstecher (nur gucken, nicht anfassen!) zum Strand haben wir auch gemacht. Der war an dem Tag kaum besucht, obwohl das Wetter toll war: Die Aussicht von hier war einfach hervorragend und versprühte japanische Strand-Romantik pur. 

Zurück am Bahnhof ging es zum Hachimangu Tempel. Wir wählten einen Weg durch eine Einkaufspassage. Hier gab es sehr viele kleine Läden, die alle möglichen Sachen verkauften... auch Süßkram winkte an jeder Ecke. Lecker!

Am Tempel angekommen steht seitlich ein traditionelles “Waschbecken”, auf japanisch "Chōzuya", in dem Hände und Gesicht gereinigt werden sollen. Ich habe dem gleichgetan: Dazu nimmt man eine der bereitgestellten Schöpfkellen aus Bambus und gießt das Wasser zuerst über die rechte, dann die linke, und wieder über die rechte Hand. Dabei sollte man die Hände nicht über, sondern vor das Becken halten, damit das Wasser auf den Boden tropft und nicht in das Becken zurück läuft. Außerdem gehört zum Ritual, dass man einen Schluck vom Wasser nimmt. Letzteres konnte ich aber selten beobachten und habe das selbst auch nur einmal gemacht.

Über den Wolken

Nach der kleinen Tempel- und Kulturtour ging es wieder zurück nach Tokyo: Meine Freundin hatte uns von Deutschland aus den Tipp geschickt den Weg zum World Trade Center Tokyo anzutreten.

Das Gebäude befindet sich direkt neben der Station Hamamatsucho, somit ist die Anreise sehr angenehm. Mit dem Aufzug ging es in 33 Sekunden in das 40. Stockwerk: Hier hatten wir einen atemberaubenden Ausblick auf das nächtliche Tokyo, eine funkelnde Stadt vollgepackt mit roten Pünktchen und hypnotisch pulsierenden Straßenzügen.

Gleich vor uns konnten wir den Tokyo Tower sehen, nebenbei gestattet das World Trade Center geniale Ausblicke auf die vorgelagerte Insel Odaiba, die dazugehörige "Rainbow Bridge" und unzählige Wolkenkratzer, die sich in der nächtlichen Kulisse in den Himmel bohren.

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Von der famosen Aussicht ganz abgesehen, stellte sich das World Trade Center auch als äußerst "bequem" heraus: Die lange Umrundung der komplett verglasten Etage bietet nicht nur das volle 360° Panorama, sondern auch viele Sitzgelegenheiten. Echt genial!

Da zu dieser Zeit nur noch wenig los war, hatten wir auch genug Platz und die entsprechende Ruhe, um die Aussicht zu genießen. Ebenfalls toll: Stative sind hier ausdrücklich erlaubt. Bei den meisten anderen Aussichtsplattformen sind diese verboten, weswegen Profi-Fotografen meist im World Trade Center hausieren.

Das war unser letzter Tag in Tokyo, welchen wir mit einem sehr späten Abendessen ausklingen ließen.

Am nächsten Tag ging es nach Kyoto... aber das ist eine Geschichte für den dritten Teil, den ihr hinter diesem Link findet.

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